Eine Roboterhand legt eine Münze auf einen Geldstapel auf einer Notebook-Tastatur, auf dem Bildschirm ein steigender Chart

Mensch gegen Maschine Robo Advisors doch besser als aktive Fonds?

von Notker Blechner

Stand: 21.02.2019, 17:27 Uhr

Die Robo Advisors, die Geld der Anleger automatisch anlegen, haben ihre erste große Bewährungsprobe einigermaßen bestanden. Im schwachen Börsenjahr 2018 machten sie zwar allesamt Verluste, schnitten aber laut einer Studie besser ab als aktive Fonds.

Automatisch, emotionslos und günstig - Robo Advisors erfreuen sich zunehmender Beliebtheit in der Vermögensverwaltung. Das verwaltete Vermögen hat sich in den letzten zwei Jahren von 0,3 Milliarden auf 3,8 Milliarden Euro mehr als verzehnfacht, heißt es in einer Analyse der Deutsche Bank Research. Die Zahl der Robo Advisors stieg auf gut 40. Fast jede Woche wird ein neuer "Robo" aufgelegt.

Zwischen 2014 und 2017 hatten es die Finanzroboter einfach. Die steigenden Aktienkurse sorgten für positive Renditen. Die Anleger waren zufrieden.

5,5 Prozent Minus 2018

Der eigentliche Härtetest war das vergangene Jahr, als 70 Prozent aller Asset-Klassen Verluste machten und die Börsen absackten. Dem Abwärtstrend konnten sich auch die Robo Advisors nicht entziehen. Sie erlitten im Schnitt eine negative Performance von 5,5 Prozent, hat die Deutsche Bank ermittelt.

Die Jahresverluste lagen zwischen 3,6 bis 8,4 Prozent, heißt es im Echtgeld-Test von Brokervergleich.de. Am besten schlug sich noch Fintego mit einem Minus von 3,6 Prozent. Am schlimmsten erwischte es die Sutor Bank. Sie machte eine Negativ-Performance von 8,4 Prozent.

Besonders enttäuschend entwickelte sich Cominvest. Der im Mai aufgelegte "Robo" der Commerzbank brach bis Dezember um fast 15 Prozent ein.

Doch im Kampf mit dem Mensch setzte sich die Maschine offenbar durch. Die Robo Advisors schnitten im Schnitt besser ab als die aktiv gemanagten Fonds. Die Rendite eines aktiv gemanagten Fonds mit ähnlichem Risiko-Rendite-Profil lag bei minus 8,5 Prozent, hat die Deutsche Bank ermittelt.

Renditen der Robo-Advisors im Vergleich zu den Benchmarks

Renditen der Robo-Advisors im Vergleich zu den Benchmarks. | Bildquelle: Deutsche Bank Research, Grafik: boerse.ARD.de

Zu einem ähnlichen Schluss kommt die "Süddeutsche Zeitung". Während die 16 Robo Advisors, die das Finanzportal Brokervergleich.de auflistet, um sechs Prozent fielen, büßten die zwölf größten Aktien-Mischfonds gut acht Prozent ein, schreibt sie. Als wichtigen Einflussfaktor sieht dabei Morningstar-Experte Ali Masarwah die Kosten. Die jährlichen Gebühren betragen bei den aktiven Fonds rund zwei Prozent, bei Robo Advisors sind es im Durchschnitt 0,75 Prozent.

Auch 2017 schnitten "Robos" etwas besser ab

Auch 2017 schlug die Maschine den Mensch. Die deutschen Robo Advisors erzielten eine Durchschnittsrendite von knapp vier Prozent (nach Gebühren), die aktiv gemanagten Fonds mit einem ähnlichen Risiko-Rendite-Profil kamen dagegen nur auf einen Zuwachs von knapp drei Prozent, heißt es in der Analyse der Deutschen Bank. Freilich sind Robo Advisors und aktiv gemanagte Fonds schwer miteinander vergleichbar.

Wer sein Geld Robo-Advisors nicht anvertrauen will, kann es getrost in ETFs stecken. Damit wären Anleger zuletzt besser gefahren. Unterstellt man ein hypothetisches Benchmark-Portfolio zu 50 Prozent aus globalen Aktien-ETFs und zu 50 Prozent aus globalen Anleihen-ETFs, hätte es laut der Studie der Deutschen Bank 2017 eine durchschnittliche Rendite von über acht Prozent gegeben. 2018 erwirtschafteten die ETFs eine negative Rendite von minus 5,7 Prozent. Damit hatten die passiven Indexfonds aber immer noch die Nase vorn.

Konsolidierung schon im Gange

Das könnte auch mit ein Grund sein, dass der Hype um die Robo Advisors etwas abgekühlt ist. Mit Cashboard verschwand bereits kürzlich ein Robo Advisor vom Markt. Experten erwarten, dass die Konsolidierung weitergeht und noch andere "Robos" eingestellt werden.

Bisher dominiert Scalable den Markt mit einem verwalteten Vermögen von einer Milliarde Euro. Die Kooperation mit der Direktbank ING Diba brachte einen zusätzlichen Schub. Auf Roadshows werben die Scalable-Manager für das Modell und erklären, wie der Roboter das Portfolio nach dem Risikomodell Value-At-Risk ausrichtet und umschichtet.

Nummer zwei im Markt ist der Commerzbank-"Robo" Cominvest mit gut 400 Millionen Euro Anlagevermögen. Dahinter folgt Liquid mit rund 350 Millionen Euro. Weit abgeschlagen landet Quirion auf Platz vier. Ihr "Robo" verwaltet 150 Millionen Euro.

Keine klare Definition

Die meisten Robo Advisors verfügen über ein Zertifikat der BaFin. Voraussetzung ist, dass der Anbieter bei der Finanzaufsicht als Finanzportfolioverwalter registriert sind. Andere "Robos" fallen unter Paragraf 34 der Gewerbeordnung und werden von den örtlichen Industrie- und Handelskammern überwacht. Es gibt keine klare Definition von Robo Advisors. Die Stiftung Warentest rät von Finanzrobotern ab, die bei einem Aktienanteil von unter 50 Prozent deutlich mehr als 0,5 Prozent Gebühren verlangen.