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TV-Nachlese ETFs: Das unbekannte Risiko

Stand: 27.09.2018, 11:50 Uhr

ETFs erfreuen sich steigender Beliebtheit, gerade auch bei Börseneinsteigern. Billionen Euro sind bereits in diese Produkte investiert. Das hat gute Gründe, birgt aber auch Gefahren, wie das Wirtschaftsmagazin Plusminus zeigt.

Gerade für Anfänger auf dem Börsenparkett bieten ETFs große Vorteile: Die Gebühren sind deutlich niedriger als bei aktiv gemanagten Fonds, welche meist auch schlechter performen als die passiven ETFs und auch mit kleinem Budget lässt sich breit diversifizieren.

Kein Wunder also, dass ETFs auf dem Vormarsch sind. Knapp fünf Billionen Dollar sind weltweit in den Produkten investiert. Pro Monat fließen durchschnittlich rund zehn Milliarden Dollar in die Fonds. Laut der Fondsratingagentur Morningstar wird spätestens 2024 das Volumen der passiven Fonds das der aktiv gemanagten Produkte überschreiten. In Japan ist dieser Zeitpunkt bei Aktien-ETFs längst erreicht, in den USA steht er kurz bevor.

“Physisch” vs. “Synthetisch”

Doch ETF ist nicht gleich ETF. Es gibt solche, die auch tatsächlich die Aktien kaufen, die im abzubildenden Index gelistet sind. Das sind die “physisch replizierenden” Fonds. Und es gibt die “synthetische” Variante der ETFs, die zwar die Performance des zugrundeliegenden Index abbilden, aber völlig andere Aktien enthalten können.

»Der Anleger investiert in einen Dax-ETF, aber das Geld wird nicht in Dax-Werte investiert, sondern zum Beispiel in exotische Aktien. Die Bank verspricht ihm aber, die Wertentwicklung des Dax auszuzahlen. Die Gefahr besteht jetzt darin, dass die Bank das Versprechen nicht einhalten kann.«

Prof. Martin Faust (Frankfurt School of  Finance and Management)

Synthetische ETFs haben meist einen geringeren Tracking Error als physische, was unter anderem daran liegt, dass bei “echten” ETFs Quellensteuern bei Dividenden und Index-Anpassungen zusätzliche Kosten verursachen. Das macht synthetische ETFs günstiger und attraktiv, aber auch riskant.

Falsch beraten

Ein Risiko, über das Anleger bei Beratungsgesprächen nicht immer aufgeklärt werden, wie eine Stichprobe des Wirtschaftsmagazins Plusminus zeigt. Auf die Frage, ob in ETF immer drin stecke, was drauf steht, sagte ein Postbank-Mitarbeiter etwa: “Das ist sicher. Es ist immer das im ETF drin, was draufsteht. Da können Sie schon sicher sein.”

Kann man aber nicht. Während in Amerika die physischen ETFs den Markt klar beherrschen sind etwa ein Viertel der in Deutschland angebotenen ETFs synthetisch. Angeboten von den Banken, die selbst bei boomenden Märkten mit roten Zahlen zu kämpfen haben.

Bei einer neuen Banken-Krise könnte das zu einem Problem werden, das wieder neue Probleme nach sich zieht.

»Sollten wir extreme Marktentwicklungen haben, wie zum Beispiel vor zehn Jahren, wo eine große Investmentbank, die Lehman Brothers pleite gegangen ist, kann es natürlich zu Schwierigkeiten kommen. Synthetische ETFs können dazu führen, dass einzelne Swap-Partner zum Beispiel ausfallen. Das wiederum führt dazu, dass deren Kontrahenten auch wieder Probleme bekommen und es entsteht eine Kette von Verpflichtungen, die nicht mehr erfüllt werden können, quasi Dominosteine, die nacheinander kippen.«

Prof. Martin Faust (Frankfurt School of  Finance and Management)

Mehr dazu heute Abend, 26.9.2018 bei Plusminus im Ersten.