Euromünzen auf einer Wiese

Mehr Rendite, geringere Schwankungen Nachhaltige Fonds sind krisenfester

Stand: 05.05.2020, 15:32 Uhr

In der Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben sich Fondsprodukte mit Nachhaltigkeitsfokus besser geschlagen als die "konventionelle" Konkurrenz. Das gilt besonders für Fonds mit Schwerpunkt Europa.

Der Ergebnisse der Studie der Fondsrating-Agentur Scope sprechen eine eindeutige Sprache: Aktienfonds, bei denen das Fondsmanagement die so genannten ESG-Kriterien beachtet, verloren im ersten Quartal 2020 weniger an Wert als ihre konventionellen Konkurrenten. Und sie schlugen in den meisten Fällen auch die "Benchmark", also die herkömmlichen Aktienindizes.

Unter dem Kürzel ESG sind die Kriterien, Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) zu verstehen. Die Aktien von Unternehmen, die etwa Wert auf ihre Energiebilanz legen, Arbeitnehmerrechte beachten oder auch Korruption bekämpfen, liefen in den ersten drei Monaten das Jahres 2020 besser als der Durchschnitt.

Mehrere Prozentpunkte Outperformance im Quartal

Und auch besser als die Standardindizes, etwa auf den MSCI World, den Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets oder auch den europäischen MSCI Europe. Diese und andere Vergleichsmaßstäbe hatte Scope für insgesamt rund 2.000 Fondsprodukte angelegt, die zusammen mehr als eine Billion Euro an Vermögen verwalten.

Bei global anlegenden Aktienfonds etwa verloren die nachhaltigen Produkte im ersten Quartal 17,2 Prozent, der MSCI World als Benchmark aber 18,9 Prozent. Bei europäisch anlegenden Fonds war die Performancekluft mit minus 20,7 zu 22,3 Prozent noch größer. Nur bei Schwellenländerfonds konnte die Benchmark, der MSCI Emerging Markets (minus 21,6 Prozent zu 22,1 Prozent), ein wenig besser abschneiden.

Verzicht auf Energietitel als Joker

Laut den Analysten von Scope gibt es "strukturelle Gründe" für den Erfolg nachhaltiger Aktienfonds. So seien diese oft "defensiv" positioniert, da sie in Qualitätsunternehmen mit starkem ESG-Profil investieren, die auch in Krisenzeiten relativ stabile Erträge aufweisen. Viele der betrachteten Aktienfonds waren Ende März 2020 kaum oder gar nicht in zyklischen Sektoren wie Energie, Rohstoffe und Industrie investiert.

Ein Verzicht auf Energietitel war besonders günstig, da Energieaktien im ersten Quartal die höchsten Kurseinbußen erlitten. Gleichzeitig zahlte sich aus, dass nachhaltige Aktienfonds zumeist in nicht-zyklischen Sektoren wie Gesundheit und Basiskonsum übergewichtet waren.

Die nachhaltigen Fonds schnitten insgesamt aber nicht nur besser ab als die traditionelle Konkurrenz, sie schafften das auch mit einem geringeren Risiko. Nachhaltige Aktienfonds erlitten im ersten Quartal 2020 in drei Regionen (Welt, Europa, Nordamerika) einen geringeren maximalen Verlust als ihr Vergleichsindex. Nur nachhaltige Schwellenländer-Aktienfonds wiesen im Schnitt einen etwas höheren Drawdown auf als die Benchmark. Bei konventionellen Aktienfonds dagegen fiel der maximale Verlust in allen Regionen höher aus als der des jeweiligen Marktindex.

Aktiv schlägt passiv!

Da die nachhaltigen Aktienfonds in den meisten Kategorien besser als die Vergleichsindizes abschnitten, ergibt sich auch ein eher seltenes Bild im Vergleich der aktiv gemanagten gegenüber den passiven Indexfonds: Die aktiven Fonds mit Nachhaltigkeitsfokus übertrumpften trotz höherer Kosten die passiven ETFs, die auf die konventionellen Aktienbarometer aufgelegt wurden. Für Anleger, die lieber auf Indexfonds setzen, ist das aber nicht wirklich eine schlechte Nachricht. Denn längst gibt es auch ETFs auf Nachhaltigkeitsindizes, und die performen in aller Regel ebenfalls besser als die traditionellen Aktienbarometer.

AB