Aus einer Hand voll Erde wächst eine Pflanze

Ökologisch, ethisch, sozial Nachhaltig anlegen mit ETFs

Stand: 19.10.2018, 16:12 Uhr

Die Nachfrage nach nachhaltigen Investments steigt auch bei Anlegern. Wer nach ökologischen und ethischen Gesichtspunkten anlegen will, kann inzwischen auch auf eine Anzahl von passiven Indexfonds zurückgreifen. Ein näherer Blick auf die Produkte und die zugrundeliegenden Indizis kann sich lohnen.

Dass es kein Widerspruch ist, in Aktien zu investieren und dabei trotzdem auf Kriterien der Nachhaltigkeit zu achten, ist inzwischen vielen Anlegern bekannt. Viele Großinvestoren wie Kirchen, Universitäten oder Pensionsfonds achten bei den ihnen anvertrauten Mitteln seit Jahren darauf, nicht in bestimmte Firmen oder Branchen zu investieren, die solchen Vorgaben nicht entsprechen.

Auch in Deutschland können große wie kleine Anleger inzwischen aus 641 Fondsprodukten bei der ökologisch, ethisch oder sozial korrekten Anlage auswählen, wie die Fondsrating-Agentur Scope jüngst ermittelte. Das Volumen der in diese Produkte angelegen Mittel lag Mitte bei 158 Milliarden Euro - das ist eine glatte Verdopplung gegenüber dem Vorjahr.

iShares und BNP Paribas als Marktführer

Für Anleger gibt es seit einigen Jahren auch die Möglichkeit, passiv, also über börsengehandelte Indexfonds, nachhaltig zu investieren. Die Produkte folgen, wie alle ETFs, stur einem Index, der die Benchmark bildet. Im Fall der Nachhaltigkeits-ETF stehen eine ganze Reihe von Indizes zur Verfügung. Inzwischen sind rund 50 ETFs verschiedener Anbieter im Angebot. Führend sind die beiden Anbieter iShares, eine Tochter des Vermögensverwalters Blackrock, und die ETF-Sparte der französischen Großbank BNP Paribas.

Für Anleger, die mit "reinem Gewissen" investieren wollen, ist freilich ein näherer Blick auf die passiven Produkte und die zugrundeliegenden Indizes unabdingbar. An den Vorgaben für Nachhaltigkeit scheiden sich die Geister auch bei den Index-Verantwortlichen. Denn, was Nachhaltigkeit ist, und welche Unternehmen in einen solchen Index aufgenommen werden, entscheiden sie - und das durchaus nach unterschiedlichen Kriterien.

Geschäftsbericht oder Fragebogen

Der "MSCI World Socially Responsible Index (SRI)" etwa enthält diejenigen rund 400 Unternehmen aus den Industrieländern der Welt, die das höchste "ESG"-Ranking aufweisen. ESG ist die englische Abkürzung für "Environment Social Governance", also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Der Begriff ist international in Unternehmen als auch in der Finanzwelt etabliert und beschreibt, ob und wie in Unternehmen ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte beachtet werden und ob auch die Art der Unternehmensführung (Corporate Governance) nachhaltig ist. Der Indexanbieter MSCI greift dabei auf öffentlich verfügbare Informationen zurück, also zum Beispiel Geschäftsberichte oder Medienberichte. Bestimmte Branchen scheiden dabei aus: Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Waffen, Atomkraft, Pornografie, Gentechnik. Aber: Energiewerte wie Ölmultis finden sich durchaus im Index wieder.

Etwas anders bestückt Konkurrent Dow Jones Indexes seinen "Dow Jones Sustainability Index World Enlarged". Er enthält die rund 600 nachhaltigsten Unternehmen der Welt inklusive Schwellenländer. Die Auswahl basiert hier auf einem Fragebogen, den die Unternehmen beantworten müssen. Analysten bewerten und gewichten die Kriterien anschließend und errechnen einen "Nachhaltigkeitsscore". Von den nachhaltigsten Unternehmen kommen die 20 Prozent jeder Branche in den Index, die den höchsten Börsenwert haben. In dieser Index-Variante sind umstrittene Industrien ebenfalls ausgeschlossen. Der Anteil US-amerikanischer Aktien liegt bei etwa 40 Prozent.

Small Caps oft außen vor

Ein Blick in die Indexlogik ist damit für Anleger durchaus ratsam. Neben ETFs auf weltweit ausgerichtete Nachhaltigskeitsindizes sind inzwischen auch Produkte erhältlich, die sich explizit auf den europäischen Aktienmarkt oder zum Beispiel auch auf Schwellenländer beziehen. Auch Indexfonds, die sich explizit auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisieren, sind hier Anlagealternativen. Diese Mid- und Small-Caps werden bei den oben beschriebenen Richtlinien systematisch außer Acht gelassen, liefern aber tendenziell sogar bessere Wertentwicklungen (s. unsere Übersicht: Nachhaltigkeits-ETFs im Überblick).

In puncto Rendite müssen sich Nachhaltigkeitsprodukte nicht hinter "normalen" Fonds verstecken, das gilt sowohl für aktiv gemanagte wie auch für passive Fonds. Dies haben die vergangenen Jahre bereits gezeigt. Ähnliche Wertentwicklungen schaffen die Fonds sowohl im weltweiten Maßstab als auch bei kleineren Anlageregionen wie Europa oder Japan.

Gleiche Rendite, eher weniger Diversifikation

Allerdings fällt die Diversifikation bei Nachhaltigkeits-ETF in der Regel geringer aus als bei Fonds, die das gesamte Anlageuniversum eines großen Index' abbilden. So enthält der MSCI World rund 1.600 Unternehmen, ein ETF auf den MSCI World Socially Responsible Index aber nur etwa 400 Aktienwerte.

Und nicht zuletzt lassen sich Indexanbieter genau wie die ETF-Emittenten ihre Mühe mit dem Thema Nachhaltigkeit etwas kosten. Am Ende stehen bei einem weltweit anlegenden ETF mit Nachhaltigkeitsansatz etwa 0,4 Prozent pro Jahr auf der Kostenseite, ein "gewissenloser" ETF kostet zwischen 0,1 und 0,2 Prozent. Ein gutes Anlegergewissen hat also auch hier seinen, kleinen, Preis.

AB

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Nachhaltigkeits-ETFs im Überblick Chartserie

<strong>UBS ETF MSCI World Socially Responsible UCITS ETF A</strong><br/>Kein Alkohol, kein Tabak, keine Waffen, keine Pornogprahie: Der Indexfonds aus dem Hause UBS legt dennoch in rund 500 Titel weltweit an. Der Fonds basiert auf dem MSCI Social Responsible Index (SRI), bei dem öffentlich zugängliche Quellen aller Unternehmen aus dem Weltindex MSCI World ausgewertet werden. Die Performance ist annähernd deckungsgleich im der von üblichen ETFs auf den Weltindex. Die jährlichen Kosten von 0,40 Prozent liegen allerdings deutlich höher.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra ETF für den Zeitraum 1 Jahr

UBS ETF MSCI World Socially Responsible UCITS ETF A
Kein Alkohol, kein Tabak, keine Waffen, keine Pornogprahie: Der Indexfonds aus dem Hause UBS legt dennoch in rund 500 Titel weltweit an. Der Fonds basiert auf dem MSCI Social Responsible Index (SRI), bei dem öffentlich zugängliche Quellen aller Unternehmen aus dem Weltindex MSCI World ausgewertet werden. Die Performance ist annähernd deckungsgleich im der von üblichen ETFs auf den Weltindex. Die jährlichen Kosten von 0,40 Prozent liegen allerdings deutlich höher.