Am monatlichen Banktag zahlen Mikrofinanzkunden Geld beim Komitee der Dorfbank ein

Kleinstkredite im Fondsgewand Mikrofinanzfonds: Ernsthafte Anlagealternative?

Stand: 16.08.2019, 16:07 Uhr

Entwicklungshilfe leisten und dabei Rendite per Investmentfonds erzielen: Die Idee hinter der inzwischen wachsenden Fonds-Kategorie spricht immer mehr Privatanleger an. Die Zahl der verfügbaren Produkte ist noch gering. Der Investor sollte die Stuktur und Eigenarten der Fonds beachten.

Geld für eine Nähmaschine in einer kleinen Schusterwerkstatt auf den Philippinen oder einen Ofen in einer Bäckerei in Tadschikistan: Mit Kleinstkrediten in Höhe von wenigen Hundert oder Tausend Dollar können Menschen weltweit investieren: In ihre Mini-Unternehmen, die ihnen und ihren Mitarbeitern eine wirtschaftliche Existenz sichern helfen.

Bonität schlecht, Zahlungsmoral gut

Mikrokredite werden in der Regel von entsprechenden Mikrofinanzinstituten (MFI) in den Ländern selbst vergeben. Im Gegensatz zum klassischen Bankkredit erhalten solche Gelder auch Menschen oder kleine Unternehmen, die nach üblicher Bonitätsprüfung nicht kreditwürdig sind. In vielen Ländern haben die Kreditnehmer nicht einmal ein eigenes Bankkonto. Die Rückzahlungsquoten sind dennoch überraschend gut, Kreditausfälle bewegen sich im Bereich zwischen einem und vier Prozent.

Die Institute, die die Kredite vergeben, sind oft staatlich oder von multinationalen Organisationen wie der UN oder Non-Profit-Organisationen getragen. Auch die Kirchen haben sich bereits seit Jahrzehnten in dieser Form der Entwicklungshilfe engagiert. Bei neuen Fondsprodukten arbeiten Spezialisten wie der Schweizer Investmentmanager Blue Orchard etwa mit der deutschen Förderbank KfW zusammen und betreuen einen regionalen Bildungsfonds für Afrika.

Stetige Wertentwicklung, geringe Schwankungen

Einige wenige Fondsprodukte, die eine Vielzahl von Mikrokrediten bündeln, gibt es ebenfalls schon seit Jahrzehnten. Die Anlageform ist aber erst in den vergangenen Jahren auch für Privatanleger interessant geworden. In Deutschland ist derzeit nur eine Handvoll Produkte zum Vertrieb zugelassen (s. unsere Chartserie Mikrofinanzfonds fürs Depot).

Trotz der vermeintlich "unsicheren" Kredite, die tausendfach über die Mikrofinanzinstitute vergeben werden, weisen die allermeisten Fonds eine stetige Wertentwicklung auf. Und das bei einer minimalen Schwankungsbreite (Volatilität). Diese ist üblicherweise ein Maß für das Risiko, das Anleger bei einem Investment eingehen (s. dazu auch unsere Grafik des Branchenindex' SMX). Und dieses Risiko scheint in den vergangenen Jahren bei den verfügbaren Produkten eher klein zu sein. Vor allem wegen der Streuung des Ausfallrisikos über eine große Zahl von Mikrokrediten und durch die überraschend geringen Ausfallraten ist dieser Effekt zu beobachten.

Symbiotics Microfinance Index

SMX. | Bildquelle: SMX, Grafik: boerse.ARD.de

Unter Renditegesichtspunkten sind Mikrofinanzfonds damit eher als Ersatz zu Staatsanleihen oder Immobilienfonds zu betrachten. Die jährlichen Wertzuwächse liegen zwischen einem und zwei Prozent. Für Anleger dürfte aber auch die "soziale Rendite" eine wichtige Rolle beim Investment spielen.

Alternative Depotbeimischung

Mikrofinanzfonds "korrelieren" nicht mit anderen Asset-Klassen. Sind also relativ unabhängig von der Entwicklung am Aktien-, Renten- oder Rohstoffmarkt. Damit eignen sie sich, das Gesamtrisiko eines breit aufgestellten Anlageportfolios zu senken.

Die laufenden Kosten bei Mikrofinanzfonds liegen in aller Regel deutlich über denen "normaler" Investmentfonds. Dies ist im hohen Verwaltungsaufwand des Fondsmanagements begründet. Es muss seine Mittel über viele Länder und dortige Finanzinstitute streuen und diese und ihre Kreditvergabe überprüfen. Die Total Expense Ratio (TER) der Fonds liegt damit bis zwei bis 2,5 Prozent.

Liquidität: Relativ

Anteile an Mikrofinanzfonds werden in der Regel nur über die Fondsgesellschaften gehandelt. Eine Rückgabe der Fondsanteile ist in der Regel nur quartalsweise, zum Teil auch monatlich möglich. Damit werden die Kreditnehmer vor einem schnellen Kapitalabzug geschützt, der Kreditvergaben behindern könnte. Für Anleger heißt dies, gewisse Vor- und Nachlaufzeiten einzukalkulieren.

Nicht zuletzt ist der Trend zur Mikrofinanzfonds, der seit einigen Jahren stärker wird, auch mit einer stärkeren Kommerzialisierung des Sektors verbunden. Das kann in einzelnen Ländern oder Regionen sogar zu Überschuldungen von Kreditnehmern führen, wie eine Studie der KfW für Kambodscha herausgefunden hat. Wer als Anbieter von Mikrokrediten nur auf die Erträge schaut, kann leicht den sozialen Zweck des Projekts aus dem Auge verlieren. Anleger sollten sich daher vor einem Kauf eines Fonds möglichst umfassend über den Emittenten und die Zielrichtung der Mikrokredite informieren.

AB

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Mikrofinanzfonds fürs Depot Chartserie

<strong>IIV Mikrofinanzfonds</strong><br/>Einen der Pioniere im Mikrofinanzfonds-Bereich gibt es bereits seit 2011. Der Fonds weist seitdem eine stetige, schwankungsarme Wertentwicklung auf. Um das Fondsmanagement des bei Hansainvest aufgelegten Produktes kümmert sich die Frankfurter Gesellschaft Invest in Visions. Das Management will nach eigener Aussage "aggressives Profitstreben" vermeiden und konzentriert sich auf kleine und mittlere Mikrofinanzinstitute aus ländlichen Regionen. Am stärksten ist der Fonds derzeit in Ecuador (14 Prozent) investiert. Weitere Schwerpunkte sind Kirgisistan, Kambodscha, Usbekistan und die Mongolei.: Kursverlauf am Börsenplatz Fonds für den Zeitraum 1 Jahr

IIV Mikrofinanzfonds
Einen der Pioniere im Mikrofinanzfonds-Bereich gibt es bereits seit 2011. Der Fonds weist seitdem eine stetige, schwankungsarme Wertentwicklung auf. Um das Fondsmanagement des bei Hansainvest aufgelegten Produktes kümmert sich die Frankfurter Gesellschaft Invest in Visions. Das Management will nach eigener Aussage "aggressives Profitstreben" vermeiden und konzentriert sich auf kleine und mittlere Mikrofinanzinstitute aus ländlichen Regionen. Am stärksten ist der Fonds derzeit in Ecuador (14 Prozent) investiert. Weitere Schwerpunkte sind Kirgisistan, Kambodscha, Usbekistan und die Mongolei.