Regnende Euroscheine

FAQ zur Trendfolge-Strategie Managed Futures trotzen der Krise - mal wieder

Stand: 31.03.2020, 13:40 Uhr

Einige Managed Futures-Fonds haben während der Corona-Krise einen Schub bekommen. In früheren Krisen war das ähnlich. Was sind Managed Futures überhaupt, warum sind sie so krisenfest und was sind die Risiken? Wir klären auf.

Offenbar bewähren sich Managed Futures gerade dann, wenn die traditionellen Anlageklassen Aktien und Anleihen stark an Wert verlieren. Der führende Index BTOP50, der die größten handelbaren Fonds enthält, hat seit Jahresbeginn nach Angaben von BarclayHedge zwar 2,83 Prozent verloren. Doch im Vergleich zu den Aktienindizes wirkt das fast wie ein Gewinn. Der Dax hat im gleichen Zeitraum etwa 25 Prozent verloren.

Einige Fonds aus dem Index haben sich in der Coronakrise sogar positiv entwickelt. Man AHL Trend Alternative ist ein Fonds der Man-Tochter AHL, der in Deutschland vom Dortmunder Unternehmen Apano vertrieben wird. Deutschlandweit und weltweit gehört er zu den größten Fonds im Bereich Managed Futures. Das Volumen beträgt laut Apano im Euroraum etwa 600 Millionen Euro.

Seit Jahresbeginn bis zum 16. März konnte der Fonds ein Plus von 2,3 Prozent erzielen. Anschließend ging es bis zur vergangenen Woche weiter hoch auf 4,8 Prozent. Zuletzt verzeichnete der Fonds eine kleine Talfahrt, liegt aber immer noch deutlich über dem Kurs von Anfang Januar - im Gegensatz zu den Aktienmärkten.

AHL Trend vs. MSCI World und Dax

AHL Trend vs. MSCI World und Dax.

Was sind Managed Futures?

Managed Futures sind eine bestimmte Hedgefonds-Anlageklasse. Sie bezieht sich besonders auf den Handel mit Derivaten, zum Beispiel Futures oder Optionen. Mit einer bestimmten Laufzeit ausgestattet berechtigen diese zum Kauf oder Verkauf eines Basiswerts - zum Beispiel Aktien oder Indizes - zu einem bestimmten Preis. Bei Futures sind beide Seiten dazu verpflichtet, das Geschäft zu erfüllen. Bei Optionen nicht.

Die gehandelten Terminkontrakte bilden bei Managed Futures in der Regel ein sehr breites Spektrum der globalen Märkte ab. Vor allem seit der Einführung von computergestützten Handelssystemen wurden die Managed Futures beliebter. Das Marktvolumen betrug 2019 laut BarclayHedge rund 318,4 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 war die Branche mit rund 38 Milliarden Dollar noch wesentlich kleiner.

Marktvolumen Managed Futures in Mrd. US-$

Marktvolumen Managed Futures.

Wie funktioniert der Handel?

Die Managed Futures-Manager, traditionell unter Commodity Trading Advisors (CTA) bekannt, verwalten die Gelder in sogenannten Managed Accounts. Beim Handel setzen sie mithilfe einer statistischen Auswertung von Marktpreisen auf ausgeprägte Trends an den Futures-Märkten. Dabei helfen bestimmte Algorithmen.

Die Trendfolgestrategie basiert auf technischen Analysen und Indikatoren wie historischen Kursverläufen, gleitenden Durchschnitten, Widerstands- sowie Unterstützungslinien. Werden bestimmte Marken erreicht, unter- oder überschritten und damit ein Trend gebrochen, trifft das Modell eine Entscheidung. In steigenden Märkten sollen in Erwartung weiter steigender Preise durch Long-Positionen Renditen erzielt werden. In fallenden Märkten funktioniert das mit Short-Positionen ähnlich. Ein Großteil der Fonds setzt auf mittel- bis langfristige Trends.

Apano-Geschäftsführer Markus Sievers

Markus Sievers. | Bildquelle: Apano

"Das Herz der Managed Futures ist ein mathematisch-statistisches Computerprogramm, das mit Echtzeitdaten arbeitet", erklärt Markus Sievers, Geschäftsführer von Apano im Gespräch mit boerse.ARD.de. Der Prozess funktioniere sehr automatisiert. So fälle der Computer die Entscheidungen und führe diese auch zu 70 Prozent aus - das seien fast 1.000 Positionsanpassungen pro Tag. Manager überwachten lediglich und führten einige Orders aus, die nicht via Internet möglich sind.

Im Gegensatz zu Trendfolgemodellen gibt es im Bereich der Managed Futures auch Strategien, bei denen Umkehrpunkte identifiziert und eben genau auf die gegensätzliche Entwicklung des bestehenden Trends gewettet wird (Countertrend-Modelle). Ein kleinerer Teil der Manager nutzt zudem fundamentale Analysen von Angebot und Nachfrage (diskretionäre Strategien).

Wie können Privatanleger teilhaben?

Derivate werden an Terminbörsen gehandelt. Für Privatanleger sind Future- oder Optionsgeschäfte offen. Die wichtigste Börse für deutsche Anleger ist die deutsch-schweizerische Eurex. Es ist möglich, ein individuelles Portfolio aus Futures und anderen Instrumenten selbst zusammenzustellen. Dafür benötigen Anleger allerdings viel Erfahrung, Zeit und Informationen.

Der geläufigste Zugang für private Investoren sind Fonds. Eine Reihe von Anbietern bieten solche Managed Futures-Fonds an, die täglich unter den üblichen Richtlinien handelbar sind. Dazu zählen große Unternehmen wie AQR Capital, Aspect Capital, Lynx Asset Management und eben die Man Group mit ihrer Tochter AHL, die allesamt im Index BTOP50 enthalten sind. Den AHL-Fonds können Privatanleger bei Apano, aber auch bei anderen Brokern kaufen - für eine Jahresgebühr von bis zu 2,5 Prozent plus eine gewisse Performance Fee.

Was sind die Vorteile?

Mit einem Managed Futures-Fonds können Anleger von steigenden oder fallenden Kursen profitieren. Institutionelle Investoren nutzen sie als Beimischung, da sie besonders in sehr volatilen Märkten und Krisen eine positive Performance bringen.

So konnten die CTAs in der Finanzkrise 2008/2009 laut dem Bundesverband Alternative Investments anders als die tiefroten Aktienmärkte mit einem Plus von neun Prozent glänzen. Blickt man noch weiter in die Vergangenheit, gibt es noch beachtlichere Erfolge. Als der MSCI World-Index von 2000 bis 2003 um fast 48 Prozent absackte, legten etwa die AHL-Anteile um über 70 Prozent zu.

"In 18 von 20 schwierigen Aktienperioden der letzten Jahre haben Managed Futures positive Erträge erwirtschaftet", betont Gerd Gwiss, Partner von FTC Capital, in einem Artikel zum Österreichischen Fondsforum 2019.

Im Gesamtportfolio können sie die Volatilität und somit das Risiko senken. "Die Stärke von Computern ist, dass sie emotionslos sind und ihnen egal ist, wann sie einen Wert gekauft oder verkauft haben", so Finanzexperte Sievers. Außerdem seien die Fonds breit diversifiziert und keine konzentrierte Wetten. Sie beinhalten demnach Aktien, Anleihen, Rohstoffe und auch Währungen.

Warum haben sich die Managed Futures gerade in der Coronakrise so gut geschlagen?

"Krisenzeiten haben gemein, dass viele Märkte zeitgleich starke Trends zeigen. Das macht die Trendfolger besonders erfolgreich", sagt der Apano-Chef. Neben den fallenden Aktienmärkte sei momentan auch eine Flucht in den Dollar, in sichere Anleihen sowie in Gold zu beobachten.

"Jeder, der Aktien hat, sollte auch Managed Futures haben", meint er. Denn sie würden die Performance glätten und das Risiko in Krisen dämpfen. Immer, wenn der Computer falsch liegt und andere Trends erkennt, baue er die alten Positionen ab sowie neue auf.

Nach Meinung von Sievers sind Managed Futures ein Pflichtbestandteil im Portfolio. Denn es sei nur eine Frage der Zeit, bis nach der Corona-Pandemie die nächste Krise kommt: "Ich erwarte eine Eurokrise 2.0. Schon jetzt gibt es in Europa eine Diskussion um Schulden."

Was sind die Nachteile?

Managed Futures sind wie alle Derivate-Geschäfte mit Risiko behaftet und mit Vorsicht zu genießen. Experten raten daher Privatanlegern oft von davon ab. Besonders wenn in Märkten keine klaren Trends zu erkennen sind und sie sich über einen längeren Zeitraum hinweg seitwärts bewegen, haben es die Trendfolgemodelle schwer. Die computergestützten Systeme stoßen dann an ihre Grenzen.

Das sieht Sievers ähnlich: "Die kritische Phase von Trendfolgern sind Zick-Zack-Märkte. Bei Trendbrüchen bewegen sie sich seitwärts." Aufgrund vieler Rettungsmaßnahmen sei das beispielsweise während der Eurokrise so gewesen.

Die Strategien wiesen daher zeitweise hohe Schwankungen auf: Im Jahr 2012 mussten die Managed Futures laut des Hedge Fund Indizes von Credit Suisse und Dow Jones einen durchschnittlichen Verlust von vier Prozent hinnehmen. Der Salus Alpha Managed Futures der Vermögensverwaltung Salus Alpha Capital aus Liechtenstein stürzte um rund 45 Prozent ab. Ende 2012 war die Zahl der Anbieter schließlich von 800 im Jahr 2007 auf die Hälfte geschrumpft.

Zudem haben die Managed Futures einen gewissen "Black-Box-Charakter", so Sievers. Die Trendfolger seien auf 450 Märkten aktiv. Privatanleger können also kaum nachvollziehen, welche Positionen eingegangen werden.

tb