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Kursverluste und Kapitalabflüsse Hartes Jahr für Hedgefonds

Stand: 22.01.2019, 15:36 Uhr

Fallende Aktienmärkte? Das hätte eigentlich ein Fest für die hoch spekulativen und wenig regulierten Fonds und ihre Manager sein müssen. Denn Hedgefonds können auch auf fallende Kurse setzen. Doch die Realität sah im Jahr 2018 anders aus.

Bei minus 4,5 Prozent lagen die Kursverluste im Schnitt in der Branche, wie der Finanzdatenanbieter HFR ermittelte. Das war für die Hedgefonds das schlechteste Jahr seit 2011. Und in einer weiteren Hinsicht lief es für die einstigen Krösusse der Fondsindustrie mit ihren Milliardenportfolios in Dollar, Euro oder Yen nicht berauschend: Die Fonds verzeichneten den stärksten Mittelabfluss seit zwei Jahren: 34 Milliarden Dollar.

Mieses Q4

Allein im vierten Quartal verlor die Branche rund 22,5 Milliarden Dollar. Auch Schließungen prominenter Fonds wie Jabre Capital trugen einen Teil dazu bei. Viele große Investoren, darunter auch Pensionsfonds, waren mit der Performance der Hedgefonds in ihren Portfolien nicht zufrieden und zogen die Reißleine.

Warum die Hedgefonds vielfach die Chancen, die sich auch im fallenden Aktienmarkt im vierten Quartel geboten haben, nicht nutzten, darüber darf spekuliert werden. Nach Ansicht einiger Experten setzten die Kurseinbrüche im Spätherbst so abrupt ein, dass viele der hochbezahlten Fondslenker auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Durch die lange Hausse-Phase an den Aktienmärkten hätten zudem viele der Fonds einen gewissen "Long Bias" entwickelt - zu deutsch: Die Manager hätten allzu sorglos auf weitere Gewinne im Aktienmarkt gesetzt.

Die Mittelabflüsse führen Beobachter darauf zurück, dass Hedgefonds zusammen mit klassischen Aktienfonds in der Phase des Kursverfalls auf der Verkaufsliste gestanden hätten. Viele Investoren wollten wohl schlicht ihre Verluste begrenzen.

Branche wächst langfristig

Nach wie vor zeigt der Trend für die Fondsgattung in Sachen "Assets under management" eigentlich nach oben. Gut 3,2 Billionen Dollar werden in den Fonds weltweit verwaltet. Das ist eine Verdopplung binnen zehn Jahren. Hedgefonds können anders als klassische Fonds auch Leerverkäufe bei Aktien tätigen, können auf Übernahmen und Fusionen spekulieren, minimale Kursdifferenzen an den Finanzmärkten ausnutzen oder auch auf ökonomische Entwicklungen setzen.

Wenige Manager haben allerdings die zur Verfügung stehenden Instrumentarien so genutzt, dass das Jahr 2018 mit erklecklichen Gewinnen abgeschlossen wurde. Eine der Ausnahmen war Investorenlegende Ray Dalio, der mit seinem Bridgewater Fund sogar 15 Prozent Plus erwirtschaftete. Dalio setzte bereits ab der Jahresmitte auf fallende Aktienkurse, vor allem bei europäischen Titeln.

AB