Wirecard-Logo auf einem Smartphone vor Kurstafel

Kursverlust belastet viele Portfolios Fonds mit Wirecard-Schäden

Stand: 23.06.2020, 15:32 Uhr

Der Fall Wirecard hat auch den Profis in vielen Fondsgesellschaften Kopfzerbrechen bereitet - und tut es weiterhin. Sie müssen sich der Frage stellen, warum sie an der Aktie des Zahlungsdienstleisters festgehalten haben, obwohl die Ungereimtheiten stetig wuchsen.

Tim Albrecht, DWS

Tim Albrecht. | Bildquelle: Deutsche Bank

Der Fall Wirecard habe dem Image des aktiven Fondsmanagements geschadet, gab Fondsmanager Tim Albrecht vor wenigen Tagen gegenüber der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zu Protokoll. Seinem Ruf als Star-Fondsmanager hat er wohl ganz sicher geschadet, denn Albrecht hatte im Flaggschiff-Fonds der Deutsche-Bank-Tochter, dem DWS Deutschland, lange auf die Aktie des Zahlungsdienstleisters gesetzt. Deutlich zu lange und mit viel zu großem Gewicht im Fonds-Portfolio, wie sich in den vergangenen Tagen herausgestellt hat. In der Spitze machte Wirecard mehr als neun Prozent des Fondswertes aus, im wahrsten Sinne des Wortes ein "Klumpenrisiko". Noch Ende Mai lag die Position bei 4,4 Prozent, wie der Finanzmediendienst Citywire ermittelt hat.

Benchmark enteilt

Albrecht korrigierte seine Entscheidung für Wirecard spät und warf die letzten Anteile mit großen Verlusten aus dem Fonds. Der DWS Deutschland, der es in den vergangenen Jahren immer wieder geschafft hatte, Leitindizes wie den Dax hinter sich zu lassen, muss nun erst einmal hinter seiner Benchmark her trotten. Albrecht hat zudem angekündigt, auf seinen diesjährigen Bonus verzichten zu wollen.

Nicht nur im DWS Deutschland (WKN 849096), sondern auch im DWS Invest German Equites (DWS099) war Wirecard stark vertreten. Und sogar der DWS ESG Investa (WKN 847400) hatte Wirecard lange an Bord. Fondsmanager Christoph Ohme räumte sogar im letzten Update des Managements ein, dass ein "Übergewicht" an Wirecard das Februar-Ergebnis des Fonds belastet habe. Dabei ist der Fonds eigentlich den ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) verpflichtet. Und, dass in Sachen "Governance" bei Wirecard etwas schief lief, war im Markt längst bekannt. Das ESG-Rating von Wirecard gehörte ohnehin nicht zu den besten. Der Rating-Anbieter MSCI hatte zuletzt nur die mittelmäßige Note "BBB" ausgewiesen. Eigentlich kein Grund, Wirecard unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten im Portfolio zu haben.

Engagements trotz erster Zweifel

Die DWS war allerdings nicht die einzige Fondsgesellschaft, die mit der Wirecard-Aktie lange eine riskante Wett einging. Laut einer Übersicht des Finanz-Blogs "Finanz-Szene" hatten Mitte 2019 unter anderen die Privatbanken Berenberg und Metzler, die französische Fondsgröße Amundi und auch Deka und Union Investment noch mit nennenswerten Anteilen an der Wirecard-Aktie festgehalten. Bereits zu diesem Zeitpunkt waren wiederholt Zweifel an der Herkunft von Umsätzen des Unternehmen und der Bilanzpolitik von Wirecard umgegangen.

Einen weiten Bogen um das Dax-Unternehmen hatten damals bereits Allianz Global Investors und die SEB in ihrem Deutschland-Fonds gemacht: Anteil null Prozent. Und beileibe nicht nur deutsche Fondshäuser hatten sich mit Wirecard eine kleine Zeitbombe ins Portfolio geholt. Nach der Citywire-Statistik hatte etwa der CS Equity Lux Small and Midcap Fonds (WKN 972882) der Schweizer Credit Suisse noch Ende Mai einen Anteil von 4,4 Prozent Wirecard im Depot, obwohl das Unternehmen als Dax-Mitglied eigentlich weder als Small- noch als Midcap gilt.

Wirecard-Wetten in Small-Cap-Fonds

Den Vogel abgeschossen hat danach die britische Fondsboutique Alken: Sie hatte Ende des vergangenen Monats noch einen 9,3-prozentigen Wirecard-Anteil in ihrem Alken Small Cap Europe (WKN A1W1YD), auch hier lässt der Fondsname kein Engagement bei einem Dax-Konzern vermuten. Die Auswirkungen auf die Fondsperformance sind entsprechend verheerend: Seit Jahresbeginn liegt der Fonds rund 30 Prozent im Minus.

AB