ETF-Kosten

Preiskampf unter Indexfonds ETFs: Geht es noch günstiger?

Stand: 22.11.2018, 14:12 Uhr

Unter den Exchange Traded Funds (ETFs) ist der Preiskampf ausgebrochen. Nachdem sie in der Vergangenheit immer begehrter wurden, gibt es mittlerweile bereits die ersten Gratis-ETFs. Ob die passiven Fonds nun wirklich besser sind als aktive Manager? Darüber wird reichlich diskutiert.

Zuletzt gingen zumindest den Aktien-ETFs, die als breit gestreute Fonds üblicherweise einen gesamten Index als Benchmark abbilden, etwas die Puste aus. Die Fonds-Ratingagentur Morningstar berichtete vor kurzem von Mittelabflüssen in Europa von knapp fünf Prozent. Das Volumen sei im Oktober von 491 auf 467 Milliarden Euro zurückgegangen. Nichtsdestotrotz sind die passiven Indexfonds in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden.

Gigantisches Wachstum

Laut der Deutschen Bundesbank belief sich das weltweit ausstehende Vermögen aller Investmentfonds auf 37,1 Billionen Dollar im ersten Halbjahr 2018. 5,1 Billionen Dollar flossen dabei in die ETFs, das sind 13,7 Prozent. Klingt noch relativ wenig, ist im Vergleich zum Jahr 2009 aber gigantisch: Damals waren es lediglich 0,7 Billionen Dollar. Allein 2017 wuchs der ETF-Sektor um fast 19 Prozent, schreibt die Bundesbank. Bis 2025 soll der Anteil nach einer Schätzung der Ratingagentur Moody's auf 22 bis 27 Prozent wachsen.

Unter den zehn größten ETF-Anbietern verzeichnete die Blackrock-Tochter iShares im Oktober laut Morningstar die höchsten Nettozuflüsse. Das meiste Anlegergeld floss in den iShares Core MSCI World ETF (460 Millionen Euro) und den iShares Core S&P 500 (340 Millionen Euro).

ETFs werden immer günstiger

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Was ist ein ETF?

Die Fonds werden passiv gemanagt. Das spart Kosten. Seit Jahren schrauben die Anbieter in Europa die Gebühren herunter. ETFs auf US-Aktien gibt es bereits ab einer Gesamtkostenquote von 0,05 Prozent pro Jahr. Auch in Deutschland betragen die laufenden Gebühren laut einer Studie der Unternehmensberatung von Deloitte durchschnittlich nur noch 0,2 Prozent im Jahr und sind damit zusammen mit Portugal so niedrig wie in keinem anderen Staat der EU. Aktive Fonds liegen deutlich höher bei 1,5 bis zu zwei Prozent jährlich.

In den USA ist der Preiskampf noch aggressiver. Seit Anfang August gibt es dort bereits zwei gebührenlose Indexfonds der Fondsgesellschaft Fidelity Investments. Zwar gab es vorher bereits amerikanische ETFs mit 0,03 Prozent Kosten pro Jahr, doch der Sprung auf null hat eine gewisse Signalwirkung.

Wie verdienen die Anbieter?

Die beiden Fonds laufen dementsprechend sehr erfolgreich, schon nach einem Monat hatten sie laut Fidelity ein Volumen von insgesamt einer Milliarde Dollar. Amerikanische Anbieter locken darüber hinaus damit, auf ihren Plattformen komplett auf Kommissionen beim ETF-Handel zu verzichten.

Doch lohnt es sich für die Anbieter bei immer niedrigeren Verwaltungsgebühren und weniger Handelskommissionen überhaupt noch? Vor allem auf die Größe kommt es an: Selbst bei kleinen Gebühren machen die Gesellschaften mit milliardenschweren ETFs noch hohe Einnahmen pro Jahr. Außerdem können die Anbieter Wertpapiere an Leerverkäufer verleihen und so zusätzliche Erträge generieren.

Vor allem aber bieten die Gesellschaften geringe Gebühren, um die Kunden an sich zu binden. Sie sollen dazu verleitet werden, auch Produkte mit höheren Margen wie zum Beispiel aktive Fonds zu kaufen.

Nicht nur der Preis entscheidend

Abgesehen von den Gebühren gibt es weitere Entscheidungskriterien für Anleger, zum einen die Handelbarkeit. Wenn ein ETF nur wenige Male am Tag gehandelt wird, drohen in turbulenten Zeiten von Kursstürzen finanzielle Einbußen. Für den Verkauf der Anteile muss länger gewartet werden. Das ist meist bei kleineren ETFs der Fall, die dafür aber oft günstiger sind.

Neben der Zahl der Preisfeststellungen pro Tag ist das sogenannte Xetra-Liquiditätsmaß (XLM) ein Maß für die Handelbarkeit. Je kleiner das XLM, umso besser für die Anleger. Bei teuren ETFs sind die Werte wegen ihrer Größe am besten.

Auch die Qualität des Index-Nachbaus ist wichtig. Nicht immer zeigt ein ETF die gleiche Entwicklung wie der dahinter liegende Index. Grund dafür sind Währungsschwankungen und Tracking Errors, also Fehler oder Verzögerungen bei der Nachbildung. Ein halbes Prozent pro Jahr können die Unterschiede ausmachen. Steuereffekte und Einnahmen aus dem Verleih der erworbenen Aktien können die Wertentwicklung ebenfalls verändern.

Diskussion in der Konkurrenz mit Managern

Bei der Frage, ob passive Indexfonds oder Fondsmanager besser abschneiden und den Anlegern höhere Renditen bringen, sind sich Marktbeobachter uneins. So gab der ETF-Anbieter Lyxor jüngst bekannt, dass die Quote derjenigen Fondsmanager, die ihre Benchmark nicht schlagen, wohl 2018 noch höher ausfallen wird als im Vorjahr. Dafür wurden rund 6.000 aktiv gemanagte Fonds geprüft. Laut Lyxor schafften es in den ersten drei Quartalen dieses Jahr nur 31 Prozent der aktiven Fonds, die jeweilige Messlatte mindestens zu erreichen, im Gesamtjahr 2017 waren das noch 44 Prozent.

Die österreichische Zeitschrift "Konsument" des Vereins für Konsumenteninformationen (VKI) hält nun dagegen. Sie habe die Performance von vergleichbaren Indizes, ETFs und aktiv gemanagten Fonds über einen Zeitraum von zehn Jahren untersucht und festgestellt, dass die ETFs zwar besser als die Indizes, aber nicht immer besser als gut gemanagte Fonds abgeschnitten hätten. Meistens liege die ETF-Performance innerhalb der Bandbreite aktiv gemanagter Fonds. Geringere Kosten garantierten also nicht automatisch eine höhere Rendite.

Außerdem können Fondsmanager - anders als die passiven Indexfonds - in heiklen Börsenzeiten auch einmal "aus dem Markt" gehen, also Kasse machen und bessere Einstiegszeitpunkte abwarten.

tb