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Smarte Indexfonds gegen Klassiker ETF: Pur oder "smart"?

Stand: 22.06.2018, 16:32 Uhr

Der Markt für Indexfonds ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Viele Spielarten von ETFs machen die Produktgattung inzwischen spannender. Nicht immer schlagen sich die "smarten" Wetten der Fonds auf bestimmte Strategien allerdings in höherer Rendite nieder.

Mehr als 1.200 Indexfonds finden sich in Suchplattformen wie "JustETF" inzwischen. Längst sind ETFs, die einfach nur einen Leitindex wie den Dax, den US-Index S&P 500 oder den MSCI World abbilden, dabei in der Minderheit. Für Emittenten deutlich einträglicher, weil mit höheren Gebühren versehen, sind Indexfonds, die sich auf bestimmte Branchen oder Sektoren beziehen oder sogar bestimmte "Strategien" beinhalten.

Viele der ETFs haben sich von den ursprünglichen Benchmarks vollständig gelöst und folgen bestimmten Ansätzen oder Algorithmen, die von Marktexperten erdacht wurden, und die den einfachen Index in puncto Rendite oder Schwankungsanfälligkeit übertrumpfen sollen.

Harte Jahre für Dividendenstrategien

Solche "Smart Beta"-Konzepte können ganz unterschiedliche Zielrichtungen haben. In allen Fällen werden bestimmte Annahmen unterstellt, wie eine Aktienauswahl "sinnvoller" sein kann, als sie in einem vorgegebenen Index vorgenommen wird. Als Beispiel kann eine Dividendenstrategie auf deutsche Aktien dienen. Unternehmen mit hohen Erträgen, deren Aktien eine imposante Dividendenrendite aufweisen, sind die besseren Investments, so der Gedanke hinter dem Konzept. "Dividendenkönige" wanderten in den vergangenen Jahren nicht nur in viele aktiv gemanagte Fonds mit Milliardenvolumen. Auch ETFs auf Dividendenindizes fanden reißenden Absatz bei Privatanlegern. Der Erfolg hielt sich in den vergangenen Jahren allerdings in Grenzen (siehe unsere Übersicht: Wer schlägt die Benchmark?). Der Grund: In vielen Dividenden-Indizes sind Technologie-Unternehmen unterrepräsentiert. Zum anderen entsteht eine hohe Dividendenrendite ja zuweilen auch durch den Kursrückgang eines gar nicht so attraktiven Unternehmens.

Höhere Schwankungen bei Branchen-ETFs

Bei Indexfonds, die auf eine bestimmten Aspekt wie Dividendenausschüttungen zielen, ist also eine bestimmte Marktmeinung des Emittenten quasi im Produkt enthalten. Das gilt ebenso für ETFs auf Branchenindizes. Wer auf "Financials" oder die Autobranche per ETF setzt, unterstellt in der Regel, das sich dieser Sektor in der Zukunft besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Damit wird aber eine breite Streuung über verschiedene Branchen, wie bei einem "normalen" Indexfonds ausgeschlossen. Entsprechend hoch ist einerseits die Schwankungsanfälligkeit, andererseits die Gefahr, dass die Strategie einfach nicht den erhofften Erfolg bringt.

Das ETF-Universum hat sich in den vergangenen Jahren aber längst über derart schlichte Grundannahmen hinaus entwickelt. Mit verschiedensten Produkten und Algorithmen versuchen die Anbieter etwa diejenigen Aktien herauszufiltern, die die geringsten Schwankungsbreiten aufweisen (Low volatility) oder die in Hausse-Phasen des Aktienmarktes das stärkste "Momentum" entwickeln.

Growth oder Value? Auch per ETF erhältlich

Analog zu zwei uralten Börsen-Philosophien kann man als Anleger entweder auf "Growth"-Titel oder auf "Value"-Aktien im Gewand eines ETF setzen. Der Anleger kauft sich dann entweder in Unternehmen mit grundsolider Bilanz oder aber mit möglichst dynamischem Wachstum ein.

Freilich ist auch in einem üblichen Index eine gewisse "strategische" Komponente enthalten. In den Dax etwa werden nur die Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung des Streubesitzes (free float) und der höchsten Handelsaktivität an den Börsen aufgenommen. Und die Aktien werden im Index entsprechend ihres Börsenwertes gewichtet. Wer diese Gewichtung für eine Verzerrung hält, wird ebenfalls bei Smart Beta-ETFs fündig. Über einen "equal weight"-Ansatz kann dieser Effekt ausgeblendet werden. Bei den entsprechenden Indexfonds werden die Indexmitglieder gleichgewichtet im "smarten" Index berücksichtigt.

Je smarter, desto teurer

Smarte ETFs sind aber nicht zuletzt auch aus Sicht des Emittenten eine clevere Sache. Denn in der Regel liegen die Gebühren deutlich über denen von Indexfonds-Klassikern. Während ein schlichter Dax-ETF schon für weniger als 0,1 Prozent Management Fee pro Jahr zu haben ist, läppern sich die Gebühren für Dividenden- oder Smart-Beta-Produkte bei den großen Anbietern wie iShares, Lyxor oder Xtrackers auf das Drei- bis Vierfache. Ob sie diesen Zusatzpreis wert sind, muss jeder Anleger für sich entscheiden.

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Wer schlägt die Benchmark? "Smarte" ETFs im Indexvergleich

Deka DaxPlus Maximum Dividende vs. Dax

Im Vergleich zum klassischen Dax hat die Deka-Dividendenstrategie in den vergangenen Jahren klar das Nachsehen. Der Grund liegt hier vor allem darin, dass dividendenstarke Aktien wie etwa Versorger in ihrer Kursentwicklung klar hinter dem Gesamtmarkt herhinkten. Dagegen waren Tech-Aktien beim ETF unterrepräsentiert.

AB