Aktentasche, umgeben von Prozentzeichen und ETF-Schriftzug auf dem Schloss

Bringen Spezial-Themen mehr Rendite? ETFs mit dem Extra-Dreh

Stand: 14.06.2019, 16:18 Uhr

Der Markt für Indexfonds wird seit einigen Jahren um Produkte bereichert, mit denen Anleger auf Nischen-Themen oder besondere Auswahlkriterien bei Unternehmen setzen können. Doch bringen die "speziellen" ETFs auch wirklich mehr Chancen? Oder sind sie nur clevere Verkaufsideen?

Der Markt für Indexfonds ist, 19 Jahre nach seinem Anfang, gewaltig geworden: Rund fünf Billionen Dollar an Anlegergeldern liegen in den ETFs, die anders als traditionelle Investmentfonds stur einem Index folgen. Die Idee gewinnt auch 2019 immer neue Anhänger. Denn für Fondsmanager ist der Index als Benchmark oft nicht zu erreichen. Und es gibt kaum eine Möglichkeit, günstiger in eine zum Teil sehr große Anzahl von Einzeltiteln zu investieren als über einen ETF. Die Diversifikation über Branchen- oder auch Ländergrenzen hinweg ermöglicht es, Rendite mit moderatem Risiko im Aktien-, aber auch Anleihe- oder Rohstoffmarkt zu erzielen.

Freies Spiel der ETF-Anbieter

Die Emittenten der Indexfonds haben auf der Suche nach neuem Geschäft längst auch ETF-Spielarten ausgetüftelt, die über die Abbildung klassischer Indizes wie Dax, Dow oder der Weltaktienindizes von MSCI hinausgehen. Einen Index kann man auf beliebig viele Kriterien im Finanzmarkt "erfinden" - und darauf einen Indexfonds begeben.

Ob damit die Ursprung-Idee des reinen "Index-Trackers" nur erweitert oder pervertiert wird, das muss jeder Anleger für sich entscheiden. Ausgerechnet der Erfinder der Index-Produkte, Vanguard-Gründer John Bogle, hat sich in den vergangenen Jahren kritisch zum ausufernden Erfindergeist mancher ETF-Anbieter geäußert. Dadurch würden "Index-Investments ins aktive Management" geführt, mit allen damit einhergehenden Problemen, wie erhöhten Transaktionskosten und Timing-Problemen. "Ich kann nicht glauben, dass das eine solide langfristige Strategie darstellt. Viele dieser Nischen-Player werden wieder vom Markt verschwinden", so der im Januar verstorbene Vanguard-Gründer vor wenigen Monaten.

ETF auf den Handelskrieg

Teilweise schießen die ETF-Macher geradezu aktionistisch über das Ziel hinaus. Das zeigt etwa ein Indexfonds auf den "Handelskrieg", den das Unternehmen M-Cam International gerade gestartet hat. Der ETF mit dem treffenden Tickersymbol TWAR bildet den "Martin Global Innovation Equity Trade War Index" nach. Dieser enthält Unternehmen, die einen Wettbewerbsvorteil bei Handelskonflikten bieten sollen.

Indizes und ETFs auf Branchennischen, Unternehmen, die nur bestimmte Kriterien erfüllen oder sogar auf regelrechte Handelsstrategien setzen, bergen potenziell ein höheres Risiko, so viel scheint klar. Diversifikation ist kaum mehr möglich, wenn etwa per ETF auf einen explizit kleinen Markt wie etwa den der Robotik gesetzt wird. Auch auf der Kostenseite hat Bogle im Prinzip Recht: Ein ETF, der auch eine Nische oder ein Spezialthema setzt, kostet in der Regel deutlich mehr als ein "klassischer" Indexfonds auf einen Leitaktienindex.

Mehr Risiko! Mehr Kosten! Mehr Performance?

Die Anbieter lassen sich ihre Mühe, neue Spielarten des Index-Investments zu ersinnen, auch bezahlen. Kostet ein ETF auf den Dax oft unter 0,1 Prozent jährlich, muss für ein Produkte auf das Trendthema "Robotik" zum Beispiel das Vier- bis Achtfache an jährlichen Gebühren berappt werden. Das ist aus ihrer Sicht durchaus nachvollziehbar, denn bei den "Core"-ETFs auf Dow oder Dax sind für die Player der Branche wie Lyxor, iShares oder Vanguard die Margen durch den Wettbewerb im Markt dramatisch geschmolzen.

Für private Anleger können Nischen- oder Themen-ETFs dennoch sinnvoll sein, um etwas breiter gestreut in neue Themen oder kleinere Branchen investieren zu können. Dazu gehören beispielhaft etwa Branchen wie eben die der Robotik, das Thema Digitalisierung oder auch der Bereich "Alternde Gesellschaft". Aktien aus diesen Bereichen haben in den vergangenen Jahren den breiten Markt zum Teil durchaus beträchtlich geschlagen (s. unsere Übersicht: Investieren in der ETF-Nische). Mit diesen Themen sollten sich Investoren allerdings auch genauer beschäftigen, und ein Gefühl dafür entwickeln, ob in dieser Nische oder Branche wirklich längerfristig Substanz steckt. Rein passives Investieren und dann zurücklehnen ist bei dieser Form des ETF-Kaufs weniger ratsam.

AB

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Investieren in der ETF-Nische Chartserie

<strong>Robotik und Automatisierung</strong><br/>In den vergangenen Jahren ist Robotik eines der wichtigsten Themen unserer Gesellschaft geworden. Der iShares-ETF (WKN A2ANH0) setzt auf Firmen, die mindestens die Hälfte ihrer Erträge aus diesem Bereich erwirtschaften. Fast zwei Drittel des Portfolios bestehen zurzeit aus amerikanischen und japanischen Aktien. Mit jährlichen Kosten von 0,4 Prozent ist der Indexfonds noch relativ "preiswert".: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra ETF für den Zeitraum 1 Jahr

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In den vergangenen Jahren ist Robotik eines der wichtigsten Themen unserer Gesellschaft geworden. Der iShares-ETF (WKN A2ANH0) setzt auf Firmen, die mindestens die Hälfte ihrer Erträge aus diesem Bereich erwirtschaften. Fast zwei Drittel des Portfolios bestehen zurzeit aus amerikanischen und japanischen Aktien. Mit jährlichen Kosten von 0,4 Prozent ist der Indexfonds noch relativ "preiswert".