ETFs in Euro

Ausland oder Inland, ausschüttend oder thesaurierend ETF-Besteuerung, gewusst wie

Stand: 25.05.2016, 14:10 Uhr

Das ETF-Universum wächst weiter. In verschiedenste Branchen und Länder und sogar unterschiedliche Strategien kann man mit den Indexfonds investieren. Immer gleich allerdings bleibt die unerfreuliche und verzwickte Frage nach der Besteuerung.

Erträge sind zu versteuern, das ist bei den kostengünstigen Indexfonds nicht anders als bei Investmentfonds. Immerhin hat der Gesetzgeber mit der Einführung der Abgeltungssteuer eine gleichförmige Besteuerung aller Ertragsarten eingeführt: Zinsen, Dividenden und Kursgewinne werden seit 2009 pauschal mit 25 Prozent (zuzüglich Solidaritäts-Zuschlag und ggf. Kirchensteuer) belegt.

Vier Kriterien

Ebenfalls wie bei Investmentfonds muss auch der ETF-Anleger einerseits zwischen Fonds unterscheiden, die in Deutschland oder im Ausland aufgelegt wurden. Das zweite wesentliche Unterscheidungs-Kriterium ist die Verwendung der Erträge seitens des Fondsmanagements: Werden diese an den Anleger regelmäßig ausgeschüttet oder im Fondsvermögen wieder angelegt (thesauriert)? Die unterschiedlichen Kombinationen beider Merkmale machen die Besteuerung für den Anleger nicht einfacher. Vor allem, wenn im Depot ETFs mit ganz unterschiedlicher Ausgestaltung enthalten sind.

Deutschland, Ausschüttung

Am klarsten ist die Besteuerung bei ETFs mit Fonds-Domizil in Deutschland, die ihre Erträge ausschütten. Hier greift der Fiskus - für den Anleger offensichtlich - bei den Ausschüttungen an den Anleger zu. Dabei handelt es sich um Zinserträge und Dividenden, bei denen die Besteuerung greift. Der Anleger muss hier nicht tätig werden, ein solcher Fonds wird auch als "steuereinfach" bezeichnet.

Deutschland, Thesaurierung

Das gilt im Steuersprech nicht für die thesaurierende Variante eines ETFs. Obwohl der Anleger beim Fonds-Domizil in Deutschland ebenfalls nicht tätig wird. Die Erträge werden hier zwar direkt wieder im Fondsvermögen angelegt, zum Geschäftsjahresende werden diese "ausschüttungsgleichen" Erträge aber ebenfalls automatisch vom Fonds versteuert.

Beide genannten Varianten gelten als "steuertransparent", weil die Erträge regelmäßig den deutschen Behörden gemeldet und im Bundesanzeiger veröffentlicht werden.

Komplizierter wird es, wenn ein Fonds zwar in Deutschland zum Handel zugelassen ist, aber im Ausland aufgelegt wurde. In der Welt der ETFs sind dies oft Luxemburg oder Irland.

Ausland, Ausschüttung

Prinzipiell werden auch hier bei ausschüttenden ETFs mit Sitz im Ausland die Erträge automatisch abgeführt. In einigen Fällen gibt es jedoch bei solchen Fonds auch Teilbeträge, die thesauriert werden. Ob dies der Fall ist, kann der Anleger nur bei seiner Fondsgesellschaft oder den Besteuerungsunterlagen des Fonds im Bundesanzeiger entnehmen.

Ausland, Thesaurierung

Die kniffligste Variante ist die des thesaurierenden ETFs mit Sitz im Ausland. Hier muss der Anleger in jedem Fall tätig werden. Denn die thesaurierten ausschüttungsgleichen Erträge sind hier prinzipiell in der Steuererklärung (in der Anlage KAP) anzugeben.

Synthetisch oder physisch?

Allerdings, keine Regel ohne Ausnahme, und in diesen Fall gibt es davon viele: Werden nämlich die Erträge in "synthetisch" replizierenden ETFs mit ausländischer (wie auch inländischer) Herkunft thesauriert, dann sind dies keine "ausschüttungsgleichen" Erträge. Denn diese Art der Index-Abbildung erfolgt über so genannte "Swap"-Geschäfte. Die Folge: Der Anleger muss diese nicht in seiner Steuererklärung gesondert angeben, und die Besteuerung erfolgt erst beim Verkauf der Anteile. Im Gegensatz zu "physisch" replizierenden ETFs entsteht hier also ein Steuerstundungs-Effekt, der sich gerade bei längerer Haltedauer durchaus positiv auf die Wertentwicklung im Depot auswirken kann (lesen Sie dazu auch unseren Hintergrund zu: "Synthetisch oder echt").

AB