Marihuana-Plantage

Aufgepasst, Anleger! Erster deutscher Hanf-Aktienfonds startet

von Till Bücker

Stand: 03.12.2018, 15:38 Uhr

Die Marihuana-Branche hat in diesem Jahr einen echten Börsenhype durchlebt. Sicher konnten sich die Anleger aber wahrlich nie fühlen. Dafür schwankten die Aktien zu stark. Ein erster deutscher aktiv gemanagter Fonds will nun für den Einzelnen das Risiko senken. Investoren sollten jedoch vorsichtig sein.

Tilray: Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
102,16
Differenz relativ
+1,91%

Anlässlich der vollständigen Legalisierung von Cannabis in Kanada waren die Aktien der großen Unternehmen in der Branche 2018 wie berauscht: Das Papier des kanadischen Anbieters Tilray war zeitweise an der Technologiebörse Nasdaq so viel wert wie die Commerzbank. So erwiesen sich die Titel überwiegend aller großen Marihuana-Konzerne als Kursraketen für Anleger, die von Anfang an dabei waren - doch eben auch als Teil einer drastischen Achterbahnfahrt.

Dazu ein paar Zahlen und Fakten: Seit ihrem Börsengang im Juli hat die Tilray-Aktie bis zum Rekordhoch im September über 850 Prozent an Wert gewonnen, um seitdem wieder um mehr als die Hälfte abzustürzen. Die bedeutenden Anbieter erwirtschaften alle einen noch eher geringen Betrag und konnten die hohen Erwartungen in der abgelaufenen Quartalssaison nicht erfüllen. Dafür weisen sie aber immer noch unglaublich hohe Wachstumsraten auf.

Nachrichten wie beispielsweise der Rücktritt von Jeff Sessions, ehemaliger US-Justizminister und Cannabis-Gegner, beflügeln die Titel immer wieder kurzfristig stark. Das sorgt für eine erhebliche Volatilität.

Gesamte Wertschöpfungskette der Industrie

Nun stehen Privatanleger mit ihrem Risiko nicht mehr alleine da. Die Hamburger Firma ws-hc Werkshausen & Stehr Hanf Consulting wirbt mit dem ersten deutschen aktiv gemanagten Hanf-Aktienfonds. Der Fonds bilde demnach die gesamte Wertschöpfungskette der Industrie ab: Anbau, Lizenzen, Forschung, Technologie, Distribution und Pharmazie.

Die Anleger investieren gleichzeitig in rund 35 der führenden Unternehmen des nordamerikanischen Marktes. Der Fonds startete offiziell am Montag mit einem Erstausgabepreis von 10,00 Euro.

Laut ws-hc bietet der Fonds eine Risikostreuung durch Diversifikation. "Wer bisher das Risiko bei einzelnen Hanf-Aktientiteln gescheut hat, findet mit unserem Fonds die richtige Lösung", sagte Geschäftsführer Daniel Stehr.

Einstieg bereits zu spät?

Doch ist die Anlage in den Fonds wirklich weniger riskant? Natalia Wolfstetter von der Ratingagentur Morningstar ist da eher skeptisch: "Auch wenn Fonds per se ein gewisses Maß an Diversifikation bieten, müssen Investoren beachten, dass ein eng gefasster Branchen- oder Themenfonds sehr konzentriert sein kann. Es ist daher wichtig zu verstehen, wie das Anlageuniversum für ein bestimmtes Thema definiert wird."

Natalia Wolfstetter, Morningstar

Natalia Wolfstetter. | Bildquelle: Unternehmen

Ein Fonds, der auf ein eng gefasstes Modethema aufgelegt ist, erweise sich häufig als kurzlebig und wenig nachhaltig. Wenn ein Thema breit diskutiert werde, könne es für den Einstieg bereits zu spät sein, warnte die Analystin. Außerdem seien Nischenprodukte volatiler als gestreute Investments. Damit sei auch das Verlustrisiko höher.

Höhere Gebühren nicht unüblich

Auch ein weiterer Punkt könnte für Anleger problematisch sein: die Kosten. "Häufig sind Nischenfonds relativ teuer, insbesondere wenn das Fondsvolumen überschaubar bleibt", sagte Wolfstetter. Beim Hanf-Fonds liegen die jährlich laufenden Kosten für das Risikomanagement, die Administration und den Vertrieb bei 1,65 bis 1,95 Prozent. Dazu kommt ein einmaliger Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent.

Höhere Gebühren seien allerdings bei Branchenfonds nicht unüblich, diese kosteten in der Regel um die 1,8 Prozent. Ein breit diversifizierter globaler Aktienfonds berechnet laut Wolfstetter im Durchschnitt 1,55 Prozent an laufenden Kosten.

Performance Fee im Blick behalten

Eher ungewöhnlich sei dagegen die Erhebung einer Performancegebühr, die sogenannte Performance Fee. Ab einer bestimmten Renditeschwelle, die von dem jeweiligen Fondsmanager erreicht werden muss, bekommt er eine Vergütung. Beim ws-hc Fonds beträgt die Performance-Grenze, die Hurdle Rate, sechs Prozent.

Warum gerade sechs Prozent? Der Wert könne eventuell als Annäherung an die langfristig erwartete Aktienmarktperformance gesehen werden, meint Wolfstetter: "Allerdings können Aktienmärkte stark schwanken und in manchen Jahren deutlich mehr als sechs Prozent zulegen, daher erscheint eine fixe Schwelle, ab der die Performancegebühr erhoben wird, als nicht ideal."

Zum Vergleich: Die Rendite des North American Marijuana Index', der die Entwicklung eines Korbs von Aktien nordamerikanischer Unternehmen repräsentiert, betrug in diesem Jahr über 16 Prozent.

Erfolgsgebühren nach High Watermark-Methode

Erreichen die Fondsmanager der Hamburger Firma also ihr Minimalziel, erhalten sie einen Bonus, eine Performance Fee von 20 Prozent. Somit müssten die Anleger ein Fünftel ihres etwaigen zusätzlichen Gewinns wieder abgeben. Liegt die Performance unter sechs Prozent, fällt die Gebühr weg.

Die Ausgestaltung führe dazu, dass auch dann eine Erfolgsgebühr anfallen könne, wenn die Performance in einem Jahr negativ war, so die Morningstar-Analystin. Die Performance Fee wird an jedem Bewertungstag berechnet, zurückgestellt und grundsätzlich jeweils am Quartalsende erhoben.

Ein Vorteil für die Anleger: Die Gebühren werden nach der High Watermark-Methode berechnet. Wenn der Fonds Werteinbußen erleidet, erhält die ws-hc erst wieder einen performanceabhängigen Bonus, wenn ein neues Allzeithoch erreicht wird.