Gefüllter, geöffneter Tresor mit Münzstapeln davor

Dickschiffe im Dauertest Die Milliardenfonds

Stand: 19.01.2018, 16:24 Uhr

Sie werden von den Fondsgesellschaften stark beworben und im eigenen Vertrieb der Kundschaft angepriesen: Die milliardenschweren "Flaggschiffe" von DWS, Allianz oder Deka, die zum Teil bereits seit Jahrzehnten am Markt sind. Die Mehrzahl von ihnen schlägt sich wacker, Enttäuschungen gibt es aber auch.

DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen

Klaus Kaldemorgen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Das hatte sich Fonds-Legende Klaus Kaldemorgen wahrscheinlich anders vorgestellt. Der Fondsmanager, der jahrzehntelang einen der besten und größten DWS-Aktienfonds, den Vermögensbildungsfonds I, gemanagt hatte, kam mit seinem "neuen" Fonds im vergangenen Jahr nicht zurecht. Der Concept Kaldemorgen kam 2017 nur auf eine magere Rendite von knapp einem Prozent. Kaldemorgen verfolgt mit seinem seit nun sieben Jahren am Markt laufenden Fonds einen Multi-Asset-Ansatz - und hat damit den Run an den Aktienmärkten im vergangenen Jahr verpasst.

Dabei lockte der Name Kaldemorgen weiter Anleger in Scharen in das Produkt. Allein im vergangenen Jahr verzeichnete der Fonds Zuflüsse von 2,3 Milliarden Euro und ist inzwischen 7,5 Milliarden Euro schwer.

Vertrieb nutzt Fonds-Historie

Viele Fondsgesellschaften werben in ihren Prospekten oder Internet-Auftritten weniger mit den Namen der Fondsmanager, sondern mit dem Alter ihrer Produkte. Viele der Flaggschiff-Fonds sind seit Jahrzehnten im Markt und haben dadurch immenses Vertrauen bei den Kunden erworben. Entsprechend wuchert auch der Vertrieb konsequent mit den Fonds-Dinos, die scheinbar unbeeindruckt die Börsenstürme der Vergangenheit überstanden haben.

Der Zustrom an Mitteln durch renditehungrige Investoren kann aber auch zum Problem für das Fondsmanagement werden. Gerade Produkte, die regional oder branchenbezogen in einem kleineren Universum investieren, haben dann Schwierigkeiten, noch attraktive Aktien für das Portfolio zu finden. Auch ein Ausstieg aus einer Aktie gestaltet sich schwieriger, wenn ein großer Fonds große Stückzahlen am Markt platzieren muss.

Geschlossen wegen zu großem Erfolg

Nicht von ungefähr schloss der DWS Aktien Strategie Deutschland im März 2016 den Fonds für neue Gelder: Das Portfolio. das auch deutsche Nebenwerte enthält, war an seine "Kapazitätsgrenze" gestoßen. Nachdem rund eine Milliarde Euro an Mitteln abgeflossen war, öffnete der Fonds Mitte 2017 wieder. Derzeit verwaltete Mittel: 3,6 Milliarden Euro.

Neben der Größe machen den Portfoliomanagern der Riesen-Fonds aber noch andere Probleme zu schaffen, wenn es um die langjährige Performance geht. Die Gebühren bei den Produkten lassen die erreichte Rendite Jahr für Jahr schmerzlich schmelzen. Kosten von 1,5 Prozent für Portfoliomanagement, Verwaltungsgebühren oder Depotbankgebühren, zusammengefasst in der Total Expense Ratio (TER), machen es immer schwerer, eine Benchmark wie einen Aktienindex gerade auf lange Sicht zu knacken.

Kosten und ETFs als Herausforderung

Das ist für die arrivierten Fonds seit einigen Jahren durch das Aufkommen der passiven Indexfonds (ETF) ein immer drängenderes Problem geworden. Mehr Rendite als der Dax, der EuroStoxx 50 oder der Weltindex MSCI World möglichst jedes Jahr zu erreichen, ist eine Aufgabe, an der auch die Dickschiffe in der Fondsbranche regelmäßig scheitern.

Gegen den Siegeszug der ETFs setzen die Fondsgesellschaften aber dennoch erfolgreich das Vertrauenssignal, das die Flaggschiff-Fonds in Richtung Anleger aussenden. Was über Jahrzehnte gut funktioniert hat, wird auch in der Zukunft für Rendite sorgen, so das Credo der Anbieter. Nicht von ungefähr haben aktiv gemanagte Aktienfonds laut dem Branchenverband BVI im vergangenen Jahr rund 37 Milliarden Euro an Mittelzuflüssen in Deutschland verzeichnet, ein Plus von rund zehn Prozent. Und viele dieser Milliarden sind in die Vorzeigeprodukte der Fondsgesellschaften geflossen (s. unsere Chartserie: Was leisten die Fondsstars?).

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Was leisten die Fondsstars? Chartserie

<b>DWS Vermögensbildungsfonds I</b><br />Einer der Vorzeigefonds der Deutsche-Bank-Tochter DWS ist und bleibt der Fonds, der bereits seit 1970 besteht. Das international (wie "I") ausgerichtete Portfolio wurde lange von Fonds-Ikone Klaus Kaldemorgen gemanagt, seit 2013 macht Andre Köttner den Job ebenso gut. Der Fonds leidet nach Ansicht der Experten von Morningstar ein wenig unter seiner Größe, weil er mit seinen 7,5 Milliaren Euro nur bedingt in mittelgroße Aktien investieren kann. Dennoch konnte der MSCI World 2017 knapp geschlagen werden. Auf Fünf-Jahres-Sicht ist allerdings der Weltindex besser gelaufen.: Kursverlauf am Börsenplatz Fonds für den Zeitraum 5 Jahre

DWS Vermögensbildungsfonds I
Einer der Vorzeigefonds der Deutsche-Bank-Tochter DWS ist und bleibt der Fonds, der bereits seit 1970 besteht. Das international (wie "I") ausgerichtete Portfolio wurde lange von Fonds-Ikone Klaus Kaldemorgen gemanagt, seit 2013 macht Andre Köttner den Job ebenso gut. Der Fonds leidet nach Ansicht der Experten von Morningstar ein wenig unter seiner Größe, weil er mit seinen 7,5 Milliaren Euro nur bedingt in mittelgroße Aktien investieren kann. Dennoch konnte der MSCI World 2017 knapp geschlagen werden. Auf Fünf-Jahres-Sicht ist allerdings der Weltindex besser gelaufen.

AB