John C. Bogle

Investieren wie ein "Boglehead" Die Drei-Fonds-Strategie

Stand: 10.05.2019, 16:02 Uhr

John Bogle, der "Erfinder" der Indexfonds, war einer der größten Innovatoren in der Finanzindustrie der vergangenen Jahrzehnte. Sein Credo, möglichst einfach und kostengünstig zu investieren, lebt auch in einem "Drei-Fonds-Konzept" fort, das vor allem in den USA sehr beliebt ist.

Von einer "majestätischen Einfachheit" bei der Geldanlage mit Indexfonds sprach der im Januar verstorbene Gründer des Fondshauses und ETF-Anbieters Vanguard gerne. Bogle, der es als Investor zu aufwendig und kostenintensiv fand, ein komplexes Aktien-Portfolio aufzubauen und zu steuern, bot als erster mit seiner Fondsgesellschaft Vanguard 1975 einen Indexfonds für Privatanleger an. Mit einem Indexfonds bekomme man etwas, "ohne dafür zu bezahlen", nämlich Performance der im Index enthaltenen Aktien, bei minimalen Gebühren (siehe unser Porträt von John Bogle).

Bogle im "Kopf"

Bogles Ansatz, einfach und günstig in einen breiten Markt zu investieren, hat in den USA eine ganze Anlegergemeinde entstehen lassen. Die "Bogleheads" füllen mit ihren Diskussionen Tausende Forumsseiten, entwickeln einfache Anlagestrategien, die zur Vermögensbildung und Altersvorsorge von vielen Amerikanern auch so oder so ähnlich umgesetzt werden.

Die vielleicht bekannteste Strategie propagiert den Einsatz von nur drei Fonds, in der Regel werden dabei aus Kostengründen Indexfonds eingesetzt, der ein "komplettes" Portfolio abdecken soll. Die drei Fonds sind: Ein ETF, der den gesamten US-Aktienmarkt abdeckt, ein ETF, der den "internationalen Aktienmarkt" enthält, und dazu kommt ein ETF, der den gesamten Dollar-Anleihenmarkt abbildet.

Wenig Kosten, viel Rendite

Die Vorteile des Drei-Fonds-Konzeptes liegen auf der Hand. Es ermöglicht eine enorme Diversifikation über die beiden klassischen Anlageklassen, Aktien und Anleihen hinweg. Alle Unternehmen, von kleinen Nebenwerten bis zu den großen Blue Chips sind im Aktiensegment enthalten. Durch einen mehr oder weniger großen Anteil im Anleihenmarkt werden Börsen-Krisen "abgepuffert". Dazu kostet die Strategie jährliche Gebühren im Promillebereich. Das "Rebalancing", also das Zurücksetzen auf die Ausgangsverteilung zwischen Aktien und Anleihe-Bestandteilen ist sehr leicht zu bewerkstelligen.

Wie die Verteilung zwischen US-Aktien, internationalen Aktien und Bonds idealerweise aussehen soll, diese Frage überlassen die "Bogleheads" dem Investor selbst. Als Faustregel werden etwa "Alter in Anleihen" oder "Aktienanteil = 100 minus Lebensalter" propagiert. Im ersten Fall würde ein 35-jähriger Anleger also 35 Prozent des Portfolios in Bonds anlegen, die zweite Regel würde zu 65 Prozent Aktien führen - mit einem gleichen Anleihenanteil von 35 Prozent im Drei-Fonds-Konzept.

In puncto Rendite soll das Konzept mit vielen aufwändiger konstruierten Anlagestrukturen locker mithalten können. Viele Performance-Vergleiche, die Zeiträume über mehrere Jahrzehnte betrachten, legen das nahe.

Starker US-Schwerpunkt

Für einen Anleger außerhalb der USA bleibt freilich die starke Konzentration auf amerikanische Aktien und Anleihen mit einigen Fragezeichen versehen. Sollte nicht der europäische, asiatische, oder lateinamerikanische Aktien- und Anleihemarkt stärker berücksichtigt werden? Führt der "Total Market"-Ansatz, der "alle" Aktien enthält, also auch kleine Nebenwerte, nicht zu stärkeren Schwankungen der Aktienfonds? Und entgehen dem Anleger durch den Verzicht auf Anlageklassen wie Rohstoffe und Immobilien nicht langfristig Rendite und Sicherheit?

Fragen, die jeder Anleger für sich beantworten muss. Wer aber etwa statt der empfohlenen Aktienaufteilung in US-Aktien und "International" etwa auf einen Index wie den MSCI World per ETF setzen will, der hat derzeit einen Anteil mit US-Aktien von 60 Prozent im Depot, der größte Aktienmarkt der Welt ist hier naturgemäß stark vertreten. Ob Rohstoff- und Immobilieninvestments per ETF dem Gesamtportfolio mehr Rendite und weniger Risiko verschaffen, darüber diskutieren auch Experten. Letztlich scheint eine Konzentration auf Aktien und Anleihen langfristig weiterhin vielversprechende Renditen abzuwerfen. Gut für die Bogleheads und alle Anleger, die ihnen nacheifern wollen (siehe unsere Chartserie: Die Drei-Fonds-Strategie).

AB