Fonds

Darstellung eines Roboterarms

Quant-Fonds Der Computer als Fondsmanager

von Andreas Braun

Stand: 29.04.2016, 16:44 Uhr

Menschliche Schwächen sind am Finanzmarkt oft ein Hindernis. Gier, Angst, moralische Bedenken, all das kennt ein computergesteuertes Anlagesystem nicht. "Quantitativ" ausgerichtete Fonds können gerade in turbulenten Zeiten eine Alternative für Anleger sein.

Ganz alleine handeln die Computer in den Etagen der Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter in aller Regel freilich nicht. Menschen haben die Programme schließlich erdacht und programmiert, nach denen so genannte "Quant-Fonds" ihre Titelauswahl zum Beispiel im Aktienbereich treffen.

"Algos" auf Einkaufstour

Doch einmal in Gang gesetzt, ist das Urteil des Algorithmus unbestechlich: Eine Aktie, bei der zum Beispiel das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nicht mehr den Vorgaben entspricht, wird emotionslos über Bord geworfen. Ein Titel, dessen Chart eine bestimmte Widerstandsmarke nach oben durchbrochen hat, wird - bei einem entsprechend programmierten - "Algo" umgehend gekauft. Wenn der Mensch ihn lässt.

Quant-Fonds sind beileibe keine neue Erfindung. Produkte, die maßgeblich mit computerbasierten Modellen arbeiten, haben zum Teil einen "track record" von über einem Jahrzehnt (s. dazu auch das Interview mit Volker Engelbert von Lingohr Asset Management).

Analysen und Anlagemodelle

Seit Jahren nehmen Computer im Portfolio-Management in den Fondsgesellschaften generell eine immer wichtigere Rolle ein. Die Analyse von großen Datenmengen gehört dazu. Volkswirtschaftliche Indikatoren werden maschinell ausgewertet und in entsprechende Anlagemodelle gegossen. Gleiches gilt für die Analyse und Bewertung von Unternehmensdaten und -bilanzen, die früher eine große Zahl von Experten "händisch" bewältigen mussten. Die Hamburger Berenberg Bank etwa hat bereits vor einigen Jahren ihr gesamtes Asset Management auf "Quant"-Ansätze umgestellt.

Quant-Fonds machen einen Anlage-Algorithmus, mit dem diese Daten verbunden sind, zum wesentlichen Akteur im Portfolio-Management. Eine solche Strategie wird dann konsequent und ohne Veränderungen am Markt umgesetzt, die menschliche Komponente besteht dann nur noch in der Ausführung der entsprechenden Handelsanweisung und im "Controlling" des gesamten Prozesses.

Nachrichten und Social Media

In den vergangenen Jahren sind für quantitativ orientierte Fonds-Anbieter neue "Betätigungsfelder" entstanden und damit auch Fondsprodukte. Dazu gehört zum Beispiel die blitzschnelle Auswertung von Nachrichten, die etwa über die großen Nachrichtenagenturen wie Bloomberg oder Reuters über die Ticker laufen. In Sachen Handlungsgeschwindigkeit sind entsprechend programmierte Handelscomputer dem Menschen weit überlegen.

Auch die neuen Nachrichtenquellen des Social-Media-Zeitalters geraten dabei zunehmend in den Blick der Quant-Fonds-Macher. Über Twitter oder Facebook abgesetzte Informationen machen längst einen Gutteil des gesamten Nachrichtenuniversums aus. Auch die so genannte "künstliche Intelligenz", also selbst lernende Algorithmen, werden hier inzwischen eingesetzt. Ein Anbieter eines solchen Quant-Fonds ist etwa die Frankfurter Fondsboutique Tungsten.

Fondsauswahl bleibt - menschlich

Beim Blick auf das Abschneiden der Quant-Fonds in den vergangenen Jahren trennt sich die Spreu vom Weizen. Viele der computerbasierten Produkte können die hohen Erwartungen in die Rechenpower nicht in Rendite umsetzen. Andere allerdings trumpfen mit Outperformance über einen längeren Zeitraum auf - oder aber sie bieten als "Total Return"-Strategien eine niedrige Korrelation mit dem Aktienmarkt und können damit das Risiko für ein gesamtes Anlegerdepot senken. Auszuwählen, welcher Quant-Fonds für welchen Anleger im Einzelfall geeignet ist, das bleibt freilich eine sehr menschliche Angelegenheit (s. unser Überblick zu Quant-Fonds).

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Quant-Fonds im Überblick Rendite per Roboter?

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Beim Inveso-Fonds sorgt ein striktes Regelsystem für die Titelauswahl. Relative Stärke, das Management und mögliche Änderungen bei den Unternehmens-Prognosen wertet ein Computer aus. Neben fundamentalen Faktoren wird auch die Charttechnik vollautomatisch berücksichtigt.

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