Hintergrund

Zwei volle Bierkrüge

Investmentclubs - eine Art Privatfonds Auf eine Aktie in die Kneipe!

Stand: 30.03.2016, 17:08 Uhr

In Investmentclubs suchen Anleger Gemeinsamkeit. Sie wollen gemeinsam Geld anlegen. Gemeinsam fühlt man sich stärker. Gemeinsam wird das Risiko kleiner - ähnlich wie bei einem Fonds. Nur eins ist anders. Beim Aktienclub trinkt man auch mal ein Bier gemeinsam.

Allein ist man als Anleger schwächer als im Verbund. Man hat von allem weniger: Weniger Geld, weniger Wissen, weniger Erfahrung. Gerade wer nur kleine Anlagesummen zur Verfügung hat, hat es schwer, sein Geld einigermaßen gewinnbringend anzulegen. In dieser Niedrigzinsphase läuft die Anlageentscheidung oft auf die Entscheidung hinaus, entweder mickrige bis null Rendite zu kassieren oder aber ein hohes Risiko einzugehen.

Vielleicht denkt da so mancher, sich mit Freunden und Bekannten zusammenzutun, gemeinsam Geld anzulegen und einen Investment- oder Aktienclub zu gründen? Derer gibt es viele in Deutschland, um die 6.000 Stück, schätzt Marc Tüngler vom Anlegerschutzverein DSW, der zugleich der Dachverband der Investmentclubs ist.

Man kreiert seinen eigenen Fonds

"Investmentclubs sind eine tolle Einrichtung", sagt Tüngler im Interview mit boerse.ARD.de. Für Privatanleger wird der Einstieg in die Finanzwelt leichter, man tauscht sich aus, debattiert, lernt aus den Fehlern der andern. "Wie schnell ist man verliebt in eine Aktie oder seine eigene Entscheidung?!", sagt der DSW-Mann. "Da sind die anderen Clubmitglieder ein gutes Korrektiv."

Ein solcher Club funktioniert im Prinzip wie die Investmentfonds der Profis: Viele Anlegern zahlen viele kleine Beträge ein. Mit dieser deutlich größeren Summe hat man größere Möglichkeiten: Mehr Chance auf Rendite, und zugleich weniger Risiko: Denn das Risiko wird verteilt auf mehrere Aktien und Anlageprodukte. Geht eine davon baden, können andere Positionen den Verlust ausgleichen.

"Man kreiert quasi seinen eigenen Fonds", so Tüngler. Nur ist alles ganz privat – jedenfalls solange der Club nicht gewerblich betrieben wird. Und wenn er klein bleibt.

Wann ist ein Club ein Club?

Der Club darf nicht mehr als 50 Mitglieder haben, diese dürfen nicht mehr als 500.000 Euro Kapital einzahlen und sie dürfen auch keinen bezahlten Vermögensverwalter engagieren. Sonst ist der Club kein Club mehr. Er wird dann von der BaFin als Finanzdienstleister eingestuft und braucht die Erlaubnis der Behörde. Dann sind allerlei Pflichten fällig, um weiterhin tätig sein zu können. Dazu gehört beispielsweise die Erstellung eines Quartalsberichts und eines Verkaufsprospekts, die der BaFin übermittelt werden.

Die europäische Richtlinie AIFM macht den Aktienclubs das Leben noch einmal schwerer. Sie schreibt den größeren Aktienclubs die Anbindung an einen exterenen Geldverwalter vor. Das kostet: Geld und Verwaltungsaufwand. Meist lohnt es sich erst ab einem Club-Vermögen von fünf Millionen Euro. Das bedeutet: Beim Sprung vom Privaten ins Gewerbliche müsste der Club mit seinem Vermögen auf einen Schlag von 500.000 auf fünf Millionen Euro springen - für die meisten kaum machbar. Da bleibt man lieber klein. Mancher Club gibt aber auch auf.

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