Yale Campus

Vom "Yale-Modell" lernen Anlegen wie die Elite-Unis

von Notker Blechner

Stand: 23.01.2018, 11:18 Uhr

Stolze zwölf Prozent Rendite jährlich schafft der Stiftungsfonds der Spitzenuni Yale – dank seiner breiten Diversifizierung. Mehrere Fonds versuchen das Erfolgsmodell zu kopieren. Doch funktioniert die Strategie noch in Zeiten des Börsenbooms wie jetzt?

Wenn David Swensen öffentlich auftritt, wirkt er wie ein zurückhaltender biederer Akademiker, der mit seiner leisen Stimme das Publikum einschläfert. Tatsächlich ist Swensen ein Superstar der Finanzszene, er gehört zu den erfolgreichsten Vermögensverwaltern der Welt. Profi-Investoren von Pensions- und Stiftungsfonds verehren ihn als ihren "Warren Buffett" und hängen an seinen Lippen.

Als Investmentdirektor hat er der Eliteuniversität Yale zu Milliarden verholfen. Seitdem er 1985 den Stiftungsfonds von Yale verwaltet, wuchs das Vermögen von einer Milliarde auf 25 Milliarden Dollar. In den vergangenen 20 Jahren erzielte Swensen eine jährliche Rendite von 12,1 Prozent.

Streuung in Aktien, Immobilien und Hegefonds

Der 63-jährige Amerikaner hat die Stiftungsfonds revolutioniert und ein neues Anlagemodell entwickelt, dem als "Yale-Modell" gehuldigt wird. Es setzt auf eine Streuung der Geldanlagen in Aktien, Anleihen, Immobilien, Wälder, Rohstoffe , Hedgefonds und Private Equity. Zuvor hatten Pensions- und Stiftungsfonds sowie Family Offices vorwiegend in Aktien und Anleihen investiert.

David Swensen

David Swensen. | Bildquelle: Yale University

"Als ich den Fonds in Yale übernahm, war das Geld hauptsächlich in zwei Bereiche aufgeteilt: die Hälfte in US-Aktien, weitere 40 Prozent in amerikanischen Anleihen und Bargeld sowie zehn Prozent in Aktien anderer Länder", erzählte Swensen jüngst auf dem "Lupus Alpha Investment Fokus". "Es war praktisch überhaupt nicht diversifiziert." Nach und nach schichtete er um. Die Strategie bewährte sich. In den ersten 20 Jahren fuhr Swensen eine Rendite von 16 Prozent pro Jahr ein.

Finanzkrise brachte Modell ins Wanken

Doch in der Finanzkrise geriet sein Modell in die Kritik. Erstmals machte sein Fonds im Geschäftsjahr 2008/09 Verluste - von 25 Prozent. Der hohe Anteil illiquider Anlagen wurde nun zum Nachteil. Anleger flohen in sichere amerikanische Staatsanleihen. Das Anlegermagazin "Barron's" zeigte ein Titelbild eines Studenten, dem das Wasser bis zum Halse stand, und warf Swensen vor, die finanzielle Existenz der Universität aufs Spiel zu setzen. Der lange gefeierte Anlagestratege verlor seinen Nimbus. "2008 wurde aus dem Yale-Modell das Swensen-Modell", erinnert sich der Vermögensverwalter.

Schnell aber fing sich der Stiftungsfonds wieder. Swensen reagierte und reduzierte den Anteil illiquider Anlagen im Portfolio von rund zwei Drittel auf die Hälfte - mit Erfolg. "Ab 2010 sprach die Finanzwelt wieder vom 'Yale-Modell'", erzählt Swensen mit gequältem Lächeln in Frankfurt. In den vergangenen zehn Jahren hat er Renditen von durchschnittlich acht Prozent pro Jahr erwirtschaftet - und andere Eliteunis wie Harvard und Stanford erneut abgehängt.

Stanford hängte zuletzt Yale ab

Allerdings waren die Ergebnisse zuletzt nicht mehr allzu berauschend. 2015/16 reichte es nur zu einem Plus von 3,4 Prozent. Das vergangene Geschäftsjahr 2016/17 (Juli 2016 bis Ende Juni 2017) lief besser: die Rendite war mit 11,3 Prozent wieder zweistellig. Allerdings schnitt die Uni Stanford mit einem Plus von 13,1 Prozent etwas besser ab – dank Kursgewinnen mit Aktien. Stanford hat 28 Prozent seines Portfolios in amerikanische und internationale Aktien investiert.

Ist das "Yale-Modell" also nicht mehr zeitgemäß in der jetzigen Phase des Börsenaufschwungs? Nein, sagt Swensen. Er glaube nach wie vor daran, dass er mit seiner Diversifizierungsstrategie den Markt schlagen könne. Zuletzt hat der Vermögensverwalter sogar die Aktienquote noch reduziert - aus Bewertungsgründen. Ende 2017 lag nur noch neun Prozent des Portfolios in Aktien.

Swensen ist sich der zunehmenden Konkurrenz durch andere Stiftungsfonds, ETFs und Nachahmer-Modelle bewusst. Seit Jahren versuchen andere Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter ihn zu kopieren - mit mäßigem Erfolg. Der BCA Top Alpha Stiftungsfonds wurde wieder eingestellt. Am ehesten gelingt dies noch dem Antea-Fonds, der von führenden deutschen Vermögensverwaltern nach Vorbild des Yale-Fonds gemanagt wird.

"Privatanleger sollten Yale-Modell nicht imitieren!"

Privatanlegern empfiehlt Swensen nicht, das "Yale-Modell" zu kopieren. Schließlich hätten sie nur beschränkte Zeit, um sich mit ihrer Geldanlage zu beschäftigen. Außerdem können sie nicht direkt in Hedgefonds oder Private-Equity-Fonds investieren. Stattdessen rät Swensen Privatanlegern, auf ETFs statt auf aktiv gemanagte Fonds zu setzen. In seinem Buch "The Ivy Portfolio" empfiehlt er amerikanischen Privatanlegern, 30 Prozent des Geldes in heimische Aktien, 20 Prozent in börsennotierte (amerikanische) Immobiliengesellschaften, je 15 Prozent in Auslandsaktien aus Industrieländern, US-Staatsanleihen und inflationsgeschützte US-Staatsanleihen sowie fünf Prozent in Emerging-Markets-Titel zu investieren. "Es gibt eine genügend große Auswahl, sein Portfolio breit zu diversifizieren."

Von Markt-Timing und Einzeltitel-Selektion hält Swensen nichts. Sie seien sehr schwierig und kosten viel Geld. Gerne verweist er auf Studien, die nachweisen, dass Anleger meist zum falschen Zeitpunkt in den Aktienmarkt ein- und ausstiegen. Ein Allheilmittel gegen einen Crash hat auch der Stiftungsfonds-Guru nicht. Anleger, die angesichts stark gestiegener Kurse das Risiko senken wollen, sollten nicht auf Absicherungsstrategien setzen, sondern den Aktienanteil reduzieren.

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Ausgewählte Stiftungsfonds Von Antea bis Warburg

<b>Antea</b><br />Nach dem Vorbild des Yale-Modells wurde der Antea-Fonds konzipiert. Er wird von vier führenden Vermögensverwaltern gemanaged: Bert Flossbach, Hendrik Leber, Jens Ehrhardt und Jean-Louis Laurens. Das Anlagemotto lautet: Zuwachs durch Vielfalt. Der Fonds kann in bis zu zehn Anlageklassen investieren: von Aktien und Anleihen über Immobilien, Private Equity, Wald- und Agrarimmobilien, Edelmetalle und Rohstoffe bis hin zu Wandelanleihen und Absolute Return. Dennoch hinkt der Fonds seinem berühmten Vorbild aus Yale hinterher. Seit der Auflage vor zehn Jahren rentiert er mit "nur" 87 Prozent. Auf Ein-Jahres-Sicht warf der Fonds zuletzt 5,5 Prozent Rendite ab. : Kursverlauf am Börsenplatz Fonds für den Zeitraum 1 Jahr

Antea
Nach dem Vorbild des Yale-Modells wurde der Antea-Fonds konzipiert. Er wird von vier führenden Vermögensverwaltern gemanaged: Bert Flossbach, Hendrik Leber, Jens Ehrhardt und Jean-Louis Laurens. Das Anlagemotto lautet: Zuwachs durch Vielfalt. Der Fonds kann in bis zu zehn Anlageklassen investieren: von Aktien und Anleihen über Immobilien, Private Equity, Wald- und Agrarimmobilien, Edelmetalle und Rohstoffe bis hin zu Wandelanleihen und Absolute Return. Dennoch hinkt der Fonds seinem berühmten Vorbild aus Yale hinterher. Seit der Auflage vor zehn Jahren rentiert er mit "nur" 87 Prozent. Auf Ein-Jahres-Sicht warf der Fonds zuletzt 5,5 Prozent Rendite ab.