Euro im Höhenflug Wer braucht einen Währungskrieg?

Stand: 05.02.2013, 14:22 Uhr

Die rasanten Bewegungen am Devisenmarkt sind glänzende Zeiten für Währungsspekulanten. Aber für die europäischen Unternehmen kann der starke Euro zu einer großen Belastung werden. Ist der Währungskrieg die Fortsetzung des Wettbewerbs mit anderen Mitteln?

Auf einem Seil balancierende Euromünze

Euro. | Bildquelle: colourbox.de

Der Yen ist im freien Fall, auch zum Dollar steigt der Euro von Hoch zu Hoch. Noch im Juli entsprach ein Euro etwas mehr als 94 Yen. Seitdem kletterte er bis auf einen Stand von mehr als 125 Yen. Zuletzt hatte der Euro dieses Niveau im Frühling des Jahres 2010. Auch gegenüber dem Dollar begann der Höhenflug des Euro im Juli. Von knapp über 1,20 Dollar kletterte er bis über die runde Marke von 1,37 Dollar.

Gestern gab es zwar einen Rücksetzer. Marktbeobachter glauben aber an weiter steigende Euro-Notierungen. EZB-Präsident Mario Draghi hatte Ende Juli das Signal für den steilen Anstieg der Gemeinschaftswährung gegeben: Die Europäische Zentralbank wolle "alles Erforderliche tun, um den Euro zu erhalten", versprach er seinerzeit im Sommer. Die Aktienindizes notieren aktuell auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren. Auch der Dax profitierte. Zudem kauft die EZB ebenfalls Staatsanleihen auf.

Ein bequemer Wettbewerbsvorteil

Was von vielen Experten und Anlegern durchaus als Rückkehr europäischer Stärke und als neues Vertrauen in den Fortbestand der Eurozone interpretiert wird, hat jedoch auch negative Folgen für die Wirtschaft der Euro-Zone.

Die niedrige Währung ist für Japan und die USA natürlich eine bequeme Methode, um die Attraktivität der eigenen Produkte gegenüber der ausländischen Konkurrenz zu steigern und dadurch Wachstumsimpulse zu erzeugen. Und das gibt es gewissermaßen gratis: Die Unternehmen müssen dafür nicht einmal effizienter wirtschaften.

"Aktive Eingriffe in die Wechselkurse"

Euro in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Aber: Die "ultra-expansive Geldpolitik" trägt im Keim Inflationierungsgefahren in sich, erklärt Eberhard Unger von Fairesearch: "Die Geldmarktzinsen liegen bei null Prozent, die Kapitalmarktrenditen auf historischem Tiefstand. Das alles hat nicht geholfen, um den Volkswirtschaften entscheidende Wachstumsimpulse zu vermitteln, jetzt hat als letztes Mittel ein Abwertungswettlauf an den Devisenmärkten eingesetzt." Ist das also beabsichtigt?  

Seit Wochen geistert deshalb Begriff "Währungskrieg" durch die Medien. In der vergangenen Woche nahm sich sogar die "Bild" des Themas an. Auch der britische Notenbankchef Mervyn King warnte jüngst davor. "Meine Sorge ist es, dass wir 2013 mehr aktive Eingriffe in die Wechselkurse sehen werden", sagte King. Man könne von Monat zu Monat erkennen, dass immer mehr Länder die aktiv gesteuerten Wechselkurse zu spüren bekämen, so der Notenbanker.

Abe öffnet die Schleusen

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Er ist nicht die einzige kritische Stimme. Der Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnte, der stellvertretende Präsident der chinesischen Zentralbank, Yi Gang, ebenso wie der Investor George Soros. Drängender wird das Thema, seit die neue japanische Regierung auf den Spuren der US-Notenbank Fed unter Ministerpräsident Shinzo Abe mit einer aggressiven, lockeren Geldpolitik die Wirtschaft ankurbeln will. Seit dem Amtsantritt Abes hat der Yen zu vielen Währungen deutlich abgewertet. Den Nikkei trieben die Maßnahmen vor kurzem bereits auf einen neuen Höchststand.  

"It's our currency, but it's your problem", stellte 1971 der amerikanische Finanzminister John Connally fest. Und damit hat er Recht. Denn ob diese Abwärtsspirale beabsichtigt ist, oder gewissermaßen als Nebeneffekt in Kauf genommen wird, mag ohnehin dahinstehen. Denn praktisch macht es keinen Unterschied und man wird so oder so mit den Folgen leben müssen. "Die US-Notenbank hat mit ihren Kaufprogrammen eine Dollar-Abwertung vermutlich wohlwollend in Kauf genommen, ob dies aber der Hauptzweck war, kann bezweifelt werden", schreibt Helaba-Analyst Christian Appelt.

"Deutschland belastbarer"

Und was sind die Folgen? "Der Grad, um den die verschiedenen Länder mit einem höheren Wechselkurs umgehen können, hängt von dem Umfang ab, zu dem sie mit der Qualität oder dem Preis konkurrieren können", sagt Keith Wade, Chefvolkswirt bei Schroders. Staaten wie Deutschland seien in dieser Beziehung belastbarer als die europäischen Peripherie-Staaten wie Italien. Als Konsequenz könnte der Anstieg der Einheitswährung den Druck in der Euro-Zone wieder erhöhen."

Die Fachleute von Morgan Stanley errechneten, dass ein Euro-Anstieg um zehn Prozent das BIP der Eurozone im ersten Jahr um rund 0,5 Prozent schrumpfen lässt. Das aktuelle Wechselkursniveau des Euro sei noch unproblematisch, das Tempo der Aufwärtsbewegung dagegen schon eher, beschreibt Metzler-Chefökonom Edgar Walk die Lage.

Eberhard Unger von Fairesearch glaubt nicht an eine zeitnahe Beruhigung an der Währungsfront: "An den Devisenmärkten haben die Turbulenzen erst begonnen."