Britische Fünf-Pfund-Noten mit dem Porträt der Queen
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Rest-Risiken Was das Pfund über den Brexit-Deal verrät

Stand: 16.10.2019, 08:27 Uhr

Wer die Chancen eines Brexit-Deals bewerten will, der schaue auf den Devisenmarkt. Das Britische Pfund haussiert seit einer Woche. Doch es gibt Rest-Risiken.

Die EU und Großbritannien haben ihre Brexit-Verhandlungen spät in der Nacht unterbrochen. An diesem Mittwoch würden sie fortgesetzt, hieß es am Morgen aus EU-Kreisen. Die Unterhändler beider Seiten stehen unter Druck, soll doch bereits heute Nachmittag ein Vertragsentwurf stehen, damit er beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag und Freitag gebilligt werden kann.

Ziel ist es, einen Kompromiss zu finden, um den EU-Austritt Großbritanniens am 31. Oktober geregelt zu vollziehen.

Britisches Pfund haussiert

Die Chancen, dass ein solcher Kompromiss zustande kommt, sind in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Das zeigt ein Blick auf den Devisenmarkt. So hat das Pfund seit vergangenem Donnerstag, als die Briten ihren neuen Deal-Vorschlag auf den Tisch legten, 4,5 Prozent gegenüber dem Dollar zulegen können. Gegenüber dem Euro gewann die britische Währung im gleichen Zeitraum 4,0 Prozent.

"Damit dürfte der größte Teil des No-Deal-Risikos (der Kombination aus No-Deal jetzt und Verschiebung mit unsicherem Ausgang) ausgepreist sein", schlussfolgert Ulrich Leuchtmann in einer aktuellen Analyse vom Mittwochmorgen.

Der Devisenexperte der Commerzbank sieht allerdings – wie andere Experten auch – Restrisiken. So fehlt offensichtlich weiterhin die Unterstützung der nordirischen DUP. Allerdings hatte der britische Premier Boris Johnson in der umstrittenen Irland-Frage bereits in der vergangenen Woche Zugeständnisse gemacht und am Dienstag offenbar nachgelegt.

"No-Deal-Brexit deutlich unwahrscheinlicher"

Zudem dürfte allen Seiten klar sein, dass dieser Deal-Kompromiss die letzte Chance ist, um einen ungeregelten Brexit zu verhindern. "Selbst wenn es noch Zickerei gibt, No-Deal-Brexit ist deutlich unwahrscheinlicher geworden", meint Devisen-Experte Leuchtmann.

Das Britische Pfund dürfte damit weiterhin Aufwärtspotenzial haben - zumindest so lange es dauern wird, um die Rest-Risiken auszupreisen.

ag