Mann mit starkem Oberarm stemmt eine Dollar-Hantel

Massive Aufwertung gegenüber Euro und Schwellenländer-Devisen Warum ist der Dollar so stark?

von Notker Blechner

Stand: 25.03.2020, 13:11 Uhr

Leitzinsen auf fast null Prozent, Liquiditätsspritzen von hunderten Milliarden Dollar, Zwei-Billionen-Dollar-Konjunkturpaket: Nirgendwo wird so viel Geld im Kampf gegen die Corona-Krise ausgegeben wie in den USA. Trotzdem hat der Dollar zuletzt kräftig aufgewertet. Warum bloß?

"Der Dollar ist unsere Währung, aber Euer Problem", sagte einst der amerikanische Finanzminister John Connally. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Immer wenn der Dollar zu stark wird, schrillen in vielen Teilen der Welt, insbesondere in den Schwellenländern die Alarmglocken.

So scheint es auch diesmal wieder zu sein - in der Corona-Krise. In den letzten zwei Wochen hat der "Greenback" massiv an Wert gewonnen, insbesondere gegenüber den Schwellenländer-Währungen. Zu Wochenbeginn stürzte die indische Rupie gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand aller Zeiten. Für einen Dollar mussten rund 76 Rupie gezahlt werden. Und auch die indonesische Rupiah war im Vergleich zum Dollar so wenig wert wie zuletzt in der Asien-Krise 1998.

Euro zeitweise auf Dreijahres-Tief zum Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1928
Differenz relativ
+0,11%

Der Euro büßte seit dem 9. März gut sieben Cent ein. Am vergangenen Freitag rutschte er zeitweise auf ein Dreijahres-Tief von 1,0653 Dollar. Seither hat sich die europäische Gemeinschaftswährung ein bisschen erholt und notiert bei rund 1,08 Dollar.

Alleine in der vergangenen Woche gewann der Dollar-Index, der die Devise zu anderen wichtigen Währungen misst, über drei Prozent - so viel wie seit den Turbulenzen nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 nicht mehr. Auf Zehntages-Sicht betrug das Kursplus sogar rund acht Prozent.

Investoren hamstern Dollar wie Klopapier

Wie bei den meisten anderen früheren Krisen flüchten Anleger in den Dollar als letzter sicherer Hafen. Laut DZ-Bank-Analyst Stefan Grothaus handelt es sich um die "Suche nach der ultimativen Sicherheit der Dollar-Liquidität". Manche Händler und Investoren sprachen schon von "Hamsterkäufen". "Jeder hamstert jetzt Dollar – genau so wie sich viele Leute weltweit mit Klopapapier eindecken", sagt Masayuki Murati, Portfoliomanager des Versicherers Sumitomo Life. "Die Leute wollen Bargeld, weil sie nicht wissen, wo die nächsten Einnahmen herkommen und Zahlungen anstehen", meint Finanzmarkt-Experte Stuart Oakley von der Investmentbank Nomura.

Der Run auf den Dollar war zeitweise so groß, dass die Welt-Leitwährung knapp wurde. Deshalb musste die Fed mit zahlreichen anderen Notenbanken große Dollar-Linien vereinbaren, um sie mit Liquidität zu versorgen und um die schwierige Lage an den Devisenmärkten zu entspannen. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, erhalten künftig Banken, Unternehmen und große Investoren auch außerhalb der USA Zugang zum Dollar.

Dollar war zeitweise knapp

Federal Reserve in Washington

Federal Reserve in Washington. | Bildquelle: Imago

Die neuerlichen massiven Geldspritzen der Fed und die Einigung auf ein zwei Billionen Dollar schweres Hilfspaket der US-Regierung haben jetzt den Höhenflug des "Greenbacks" etwas gebremst. "Jetzt wird die fiskalische Bazooka in Position gebracht, und das sollte dazu beitragen, den Finanzierungsstress des Dollars zu verringern", glaubt Moh Siong Sim, Währungsanalyst der Bank of Singapore. Doch Experten bezweifeln, dass durch die Geldflut der Run auf die Weltleitwährung nachhaltig abebbt.

Zumal durch die drastische Leitzinssenkung der Fed auf fast null Prozent andere Währungen als Flucht-Devisen unattraktiver geworden sind. Gerade der Euro war wegen der Nullzinsen in den letzten Monaten als Carry-Trade-Währung gefragt, weiß Feri-Investmentchef Heinz-Werner Rapp. Nun sind Euro und US-Dollar in Sachen Leitzinsen fast wieder auf demselben Niveau.

Droht eine neue Emerging-Markets-Krise?

Indonesischer 5000- Rupien-Schein

Indonesische Rupien. | Bildquelle: colourbox.de

So könnte der starke Dollar bald wieder zum Problem werden - nicht nur für die US-Wirtschaft, sondern auch für die Schwellenländer. Denn immer noch hängen sie am Tropf des US-Dollars. Steigt die Währung, verteuern sich die Einfuhren. Zudem ziehen die Investoren ausländisches Kapital aus den Emerging Markets ab. Das passiert bereits in Teilen Asiens: Aus Indien flossen im ersten Quartal mehr ausländische Gelder ab als im gesamten Jahr 2018, schreibt die FAZ. Und in Indonesien wurden in den letzten Wochen über 100 Billionen Rupiah (über sechs Milliarden Euro) abgezogen. Die Investoren warfen Aktien, Anleihen und Gold aus den Depots und kauften Dollar, erzählt Notenbank-Gouverneur Perry Warjiyo. Der Kursverfall der Emerging-Markets-Börsen und –Währungen weckt inzwischen schon Erinnerungen an die Asien-Krise 1998.

Nur in China stabilisiert sich die Lage

Einziger Lichtblick ist momentan China. Da sich die Corona-Krise im Reich der Mitte inzwischen entschärft hat, haben sich die Aktienkurse wieder stabilisiert. Chinesische Aktien sind zuletzt besser gelaufen als europäische Titel. "Der chinesische A-Aktienmarkt in Shanghai und Shenzhen hat in diesem Jahr eine sehr deutliche Outperformance gegenüber dem Rest der Welt erzielt", sagt Fabrice Jacob, Chef von JK Capital Management in Hongkong. Ähnlich sehen das die Schwellenländer-Experten von M&G Investments. "China hat im globalen Vergleich am wenigsten unter den Turbulenzen der letzten Wochen gelitten", schreiben sie. Seit seinem Höchststand im Januar hat der CSI 300, in dem die 300 größten Titel in Shanghai und Shenzhen versammelt sind, nur rund 13 Prozent eingebüßt. A-.Aktien fielen seit dem Januar-Hoch um knapp 20 Prozent - und damit weniger stark als der MSCI Emerging Markets Index, der Topix in Japan oder auch der deutsche Dax.