Eine Hand hält verschiedenen Lira-Scheinen

Experten warnen Türkischer Lira droht weiterer Verfall

Stand: 11.02.2020, 13:06 Uhr

Ungeachtet der hohen Inflation im Land hat die türkische Nationalbank den Leitzins seit vergangenem Juli von 24 Prozent auf zuletzt 11,25 Prozent gesenkt - Tendenz weiter fallend. Dabei ist die Lira bereits jetzt deutlich gesunken.

Glaubt man den Analysten der Investmentbank Goldman Sachs, wird der türkische Leitzins in den kommenden Monaten in den einstelligen Bereich abgesenkt. "Die Verantwortlichen werden Wachstum priorisieren und den Leitzins so weit wie möglich reduzieren", zitierte die Agentur Bloomberg die Experten.

Damit werde aber auch die türkische Lira wieder unter Druck geraten. "Die jüngste Inflationsdynamik und das Wachstum der Geldmengen erhöhen unserer Ansicht nach das Risiko neuer Lira-Volatilität", so das Urteil der Analysten.

Sie erwarten, dass der Leitzins bis zum Ende des ersten Quartals auf 10,75 Prozent sinken wird, bis Ende Juni dann auf nur noch 10,00 Prozent, und schließlich auf 9,75 zum Ende des dritten Quartals. Dort dürfte der Leitzins dann bis Jahresende verharren, so die Erwartung. Frühere Schätzungen waren noch von einem Leitzins von elf Prozent bis zum Ende des zweiten Quartals ausgegangen.

Inflation steigt unerwartet stark

Sollte die Inflation aber langsamer fallen als der Leitzins, wird der Realzins in der Türkei weiter negativ bleiben. Im Januar betrug der Preisauftrieb 12,15 Prozent, die höchste Rate der letzten fünf Monate und war damit höher als der bei 11,25 Prozent liegende Leitzins.

Der deutliche Anstieg der Inflation im Januar ließ den Kurs der türkischen Währung Anfang Februar unter 6,00 Lira je Dollar fallen - zum ersten Mal seit Mai letzten Jahres. Auch zum Euro verlor die Lira zuletzt. Heute ist ein Euro 6,60 Lira wert. Noch vor etwas weniger als einem Jahr hatte der Euro weniger als 6,00 Lira gekostet. Allerdings ist das Währungspaar noch ein gutes Stück von seinem Hoch vom September 2018 entfernt, als für einen Euro knapp 8,00 Lira bezahlt werden mussten.

Obergrenze festgelegt

Zu der jüngsten Schwäche der türkischen Währung dürfte auch die neue Eskalation in Syrien beigetragen haben. In den vergangenen Tagen kam es in der umkämpften Provinz Idlib zu direkten Konfrontationen türkischer und syrischer Streitkräfte.

Um eine weitere Schwächung der Lira zu verhindern, hat die türkische Bankenaufsicht gestern die Obergrenze für Devisen-Swap-, Kassa- und Termingeschäfte türkischer Banken mit ausländischen Unternehmen auf zehn Prozent ihres Eigenkapitals gesenkt. Zuvor lag die Obergrenze bei 25 Prozent. Kurzfristig könnte ein solcher Eingriff die Währung stabilisieren, so Experten. Aber langfristig dürften staatlich verordnete Obergrenzen wohl eher einen Vertrauensverlust bei ausländischen Investoren verursachen.

Es ist Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, der die Notenbank immer wieder dazu drängt, die Zinsen zu senken. Beobachtern zufolge hängt das einerseits mit Erdogans religiösen Ansichten zusammen, da Zinswucher im Islam geächtet wird. Auf der anderen Seite ist Erdogan aber auch davon überzeugt, dass niedrige Zinsen effektiv gegen Inflation wirken – aus Sicht der meisten Ökonomen und Notenbanker ein Irrglaube.

lg