Türkische 100- und 200-Lira-Scheine

Radikaler Schritt der Notenbank Türkische Zinssenkung drückt die Lira

Stand: 24.10.2019, 14:46 Uhr

Aller guten Dinge sind drei: Die türkische Notenbank hat ihren Leitzins zum dritten Mal in diesem Jahr reduziert. Die Lira verliert leicht. Zuvor war sie wegen der Aufhebung der US-Sanktionen gestiegen. Wohin steuert die Währung?

In den letzten Tagen ging es rauf und runter mit der türkischen Lira. Mitte Oktober fiel die Lira bis 0,168 Dollar, bevor sie sich wieder etwas aufrappelte. Aktuell notiert die türkische Währung 0,4 Prozent tiefer bei 0,1736 Dollar. Für einen Dollar bekommen Lira-Käufer momentan knapp 5,76 Lira. Zeitweise hatte sich der Dollar der 6-Lira-Grenze angenähert. Der türkische Syrien-Einmarsch hatte die Lira belastet.

Von 24 auf 14 Prozent

Die unerwartet kräftige Zinssenkung setzt der Lira wieder zu. Die Notenbank hat den Leitzins um 2,5 Prozentpunkte auf 14,0 Prozent reduziert. Es ist die dritte Reduzierung, seit der neue Notenbankchef Murat Uysal im Sommer sein Amt angetreten hat. Sein Vorgänger wurde von der Regierung aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die geldpolitische Ausrichtung ersetzt. Seither ist der Leitzins kräftig um insgesamt zehn Prozentpunkte verringert worden.

Die meisten Analysten hatten einen geringeren Zinsschritt erwartet. Im Mittel waren sie von einer Reduzierung um einen Prozentpunkt auf 15,5 Prozent ausgegangen. Commerzbank-Analyst Tatha Ghose hatte mit einer Zinssenkung auf 15 Prozent vorhergesagt.

Inflation nur noch einstellig

Analysten sehen einige Gründe für die starken Zinssenkungen. Zum einen hat sich die Inflation in den vergangenen Monaten deutlich abgeschwächt und ist erstmals seit längerem wieder einstellig. Das verschafft der Notenbank Spielraum für Lockerungen. Hinzu kommt die schwache Entwicklung der Wirtschaft, die von niedrigeren Zinsen profitieren dürfte.

Zudem ist die Volatilität nach dem Waffenstillstand in Nordsyrien zurückgegangen. Damit sei ein Faktor entfallen, der zu einer Verschiebung der Zinssenkung hätte führen können, meint Commerzbank-Experte Ghose. Am Mittwoch hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, die Sanktionen gegen die Türkei aufzuheben. Sie wurden erhoben, weil die türkische Armee eine Offensive in Nordsyrien gestartet hat. Mittlerweile hat sie jedoch eine Waffenruhe verkündet und eine Vereinbarung mit Russland über eine Sicherheitszone in Nordsyrien getroffen.

Türkei plant Steuer beim Kauf ausländischer Devisen

Angesichts klammer Staatskassen plant die Türkei eine Reihe von Steuererhöhungen. Ziel sei es, mehr Mittel bei den "besserverdienenden Gruppen" einzutreiben, heißt es im Gesetzentwurf. Höher besteuert werden sollen neben den Einkommen von Spitzenverdienern auch Topimmobilien, Hotelübernachtungen und digitale Dienstleistungen wie Online-Werbung. Außerdem soll die Steuer auf den Kauf bestimmter ausländischer Devisen angehoben werden. Sie war im Mai eingeführt worden vor dem Hintergrund des Verfalls der Landeswährung Lira. Deren Kurs soll mit der Abgabe gestützt werden.

Der Entwurf sieht zugleich Steuersenkungen für börsennotierte Unternehmen vor. Der Zeitung "Dunya" zufolge ist eine schrittweise Reduzierung des Satzes auf 18 von derzeit 22 Prozent geplant. Das Gesetz soll noch in dieser Woche dem Parlament vorgelegt werden. Die geplanten Maßnahmen dienen dazu, die wirtschaftliche Erholung in der Türkei zu forcieren und gleichzeitig den Staatssäckel zu füllen. Im ersten Halbjahr weitete sich das Haushaltsdefizit von 8,8 Milliarden auf umgerechnet 13,3 Milliarden Euro aus.

nb