Türkischer 5-Lira-Schein und verschiedene Münzen
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Neues Rekordtief Türkische Lira im freien Fall

Stand: 21.11.2017, 14:03 Uhr

So wenig wert wie derzeit war die türkische Landeswährung Lira noch nie. Die Investoren ziehen sich in immer schnellerem Tempo gleich aus mehreren Gründen zurück. Ein Trend, der schon lange anhält.

Charts lügen nicht. Die türkische Landeswährung Lira verliert schon seit Jahren immer mehr an Boden gegenüber Euro und Dollar. Innerhalb von nur fünf Jahren hat sich der Wert halbiert. Und das Ende der Fahnenstange ist nicht erreicht, wie der heutige Tag zeigt.

Mit über 4,65 Lira gegen den Euro wurde ein neues Rekordtief markiert. Auch zum Dollar ging es heute kräftig bergab auf 3,96 Lira für den Greenback. Wenn Devisenkurse im akademischen Idealfall die Stärke einer Volkswirtschaft widerspiegeln, dann sieht es nicht gut aus für das Land am Bosporus.

Der Feind der Zinsen

Apropos Idealfall: Kein geringerer als der allmächtige Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seinen Anteil zur Verunsicherung der Investoren beigetragen. Denn Erdogan kritisiert schon seit langem die Höhe der Zinsen in seinem Land. Bei einer Inflationsrate, die im Oktober zuletzt mit 11,8 Prozent ausgewiesen wurde, liegt der Schlüsselsatz der Notenbank bei 8,0 Prozent. Zehnjährige türkische Staatsanleihen werfen derzeit 12,75 Prozent ab.

Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan. | Bildquelle: picture alliance / abaca

Erdogan ist nun der Meinung, dass der hohe Zins die Inflation anheize und bezeichnet sich selbst als "Feind der Zinsen". Zudem würden Investitionen gedämpft. Damit stellt er sich gegen die herrschende Lehrmeinung, da hohe Zinsen üblicherweise dämpfend auf die Inflation wirken.

Auch die Notenbank kommt bei Erdogan nicht gut weg. Es sei nur zu der jetzt schwierigen Situation gekommen, da die Regierung nicht eingegriffen habe, wird der Präsident zitiert. Da könnte sich für die unabhängige Notenbank des Landes also was zusammenbrauen, zumal die türkische Zeitung "Habertürk" Erdogan mit den Worten zitiert: "Wir sind entschlossen, uns die Zinslobby und die Zinsen vorzunehmen." Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank aber kommen bei Investoren nicht gut an.

Schon im September waren auch Zweifel an der Zuverlässigkeit der türkischen Wirtschaftsdaten aufgetaucht. Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz hielt die Daten gar für politisch beeinflusst. Das Statistikamt in Ankara hatte bekanntgegeben, dass das Bruttoinlandsprodukt vom ersten zum zweiten Quartal um 2,1 Prozent gestiegen sei.

Drohender Prozess in den USA

Unmittelbar belastet auch ein in den USA angesetzter Gerichtstermin die Lira. Denn es wird befürchtet, dass sich der Prozess gegen den iranisch-türkischen Geschäftsmann Reza Zarrab und den stellvertretenden Vorsitzenden der türkischen Halkbank, Mehmet Hakan Attila, negativ auf die Wirtschaft auswirken könnte. Beide sind vor einem Gericht in New York angeklagt, gegen die Iran-Sanktionen der USA verstoßen zu haben. Der zuständige Richter Richard Berman will am 27. November die Jury aussuchen und am 4. Dezember mit der Verhandlung beginnen.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass in der Türkei neue Regeln für die "Fusion, Teilung und Übertragung von Vermögenswerten sowie den Tausch von Bankanteilen" in Kraft getreten, was ebenfalls zur Verunsicherung von Investoren beigetragen hat. Dies solle aber nicht die Fusion der Halkbank mit einer anderen halbstaatlichen Bank vorbereiten, erklärte Vize-Ministerpräsident Mehmet Simsek am Montag.

rm