Türkische Lira

Abwärtsstrudel Türkische Lira fällt und fällt

Stand: 07.08.2020, 14:10 Uhr

Die Wertentwicklung dürfte der türkischen Regierung nicht schmecken. Seit geraumer Zeit propagiert sie niedrige Zinsen, was die Lira belastet. Werden die Zinsen nun steigen?

Euro in Türkischer Lira: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Lira verlor am Freitag gegenüber dem Euro und dem US-Dollar an Wert. Für einen Dollar gab es bis zu 7,37 Lira und für einen Euro sogar bis zu 8,72 und damit so viel wie nie zuvor.

Für die Türkei ist die Entwicklung alles andere als erfreulich. Durch die niedrigen Lira-Kurse werden Importe in die Türkei teurer. Das treibt die Inflation, was wiederum die Unternehmensgewinne und der Kaufkraft der Verbraucher beeinträchtigt.

Zudem droht eine Bankenkrise. Die Türkei ist im Ausland stark verschuldet. Die Ratingagentur S&P schätzt, dass mehr als ein Drittel aller Kredite in Fremdwährungen aufgenommen wurden. Der Schwächeanfall der Lira verteuert deshalb die Rückzahlung. Kommt es als Folge der Abwertung der heimischen Währung zu massenhaften Kreditausfällen, haben die Banken ein Problem. Sie würden in diesem Fall auf einem Teil ihrer Forderungen sitzen bleiben und könnten selbst in Schwierigkeiten geraten.

Für ausländische Investoren hat die Lira insbesondere durch die Zinsentwicklung massiv an Attraktivität eingebüßt. Lag der Leitzins vor weniger als einem Jahr noch bei 24 Prozent sind es nun nur noch 8,25 Prozent. Das für eine Währung wie die Lira offenbar zu wenig Risikoprämie. Schon wird darüber spekuliert, dass die türkische Notenbank den Leitzins wieder anheben könnte, um die Währung zu stützen. Ein Ansinnen, das Präsident Recep Tayyip Erdogan strikt ablehnt.

20 Prozent Wertverlust

Seit Jahresauftakt hat die Währung rund ein Fünftel an Wert verloren. Zudem schwinden die Devisenreserven der Türkei. Laut Schätzungen sind sie durch Eingriffe der Notenbank am Devisenmarkt von 81 auf 51 Milliarden Dollar gesunken.

"In diesen weltweit schwierigen ökonomischen Zeiten steigt der Druck auf die Währungen von Schwellenländern wie die türkische Lira", sagte Thilo Pahl, Geschäftsführer der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer. "Die wegbrechenden Einnahmen aus dem Tourismus, die negative reale Verzinsung und die schwindenden Währungsreserven der türkischen Zentralbank lasten auf dem Lira-Kurs", sagte er. Die Finanzmärkte seien skeptisch, dass sich die türkische Wirtschaft rasch erholen könne.

Im ersten Halbjahr 2020 brach die Zahl ausländischer Besucher um 75 Prozent auf 4,51 Millionen ein. Sie bringen normalerweise viel Geld und harte Devisen ins Land. Geld das nun der Türkei fehlt.

ME/dpa/rtr