Türkische Lira

Harte Zeiten voraus? Türkische Lira: Experten erwarten weitere Abwertung

Stand: 19.12.2019, 16:22 Uhr

Zuletzt hatte sich die türkische Währung recht gut gehalten, nun geht es aber erneut bergab. Die aktuelle Abwertung dürfte aber erst der Anfang sein.

Zu Beginn der Woche senkte die türkische Zentralbank den Leitzins zum vierten Mal in diesem Jahr. Der Zinssatz wurde um zwei Prozentpunkte auf 12,0 Prozent gesenkt, womit der Zinsschritt stärker ausfiel als erwartet. Zunächst reagierte die türkische Lira darauf gelassen, Experten sehen in der "Normalisierung" der türkischen Geldpolitik bei anhaltend hoher Inflation aber eine Gefahr für die Währung.

Leitzins drastisch zurückgefahren

Seit dem Amtsantritt des neuen Zentralbankchefs im Sommer ist der Leitzins um zwölf Prozentpunkte gesenkt worden. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte immer wieder Zinssenkungen gefordert.

Zusätzlich zur Senkung des Leitzinses belasten neue Sanktionsdrohungen der USA im Zusammenhang mit dem umstrittenen Kauf eines russischen Raketenabwehrsystems die türkische Lira. Anleger zogen sich insbesondere am Mittwoch aus der Währung zurück.

Weitere Zinssenkungen erwartet

Die jüngste Erklärung der türkischen Zentralbank deute auf weitere Zinssenkungen hin, so Analyst Tatha Ghose von der Commerzbank. "Sie wird weitere Zinssenkungen auf ihre Inflationsprognose für Ende 2020 von 8,2 Prozent stützen. Dies wird die Realzinsen der Türkei in den kommenden Monaten stark ins Negative treiben", schreibt der Türkei-Experte, der eine deutlich höhere Teuerung erwartet. Im November dieses Jahres war die Inflation von 8,6 auf 10,6 Prozent gestiegen und damit wieder zweistellig geworden.

Inflationsprognose Türkei

Türkische Inflation und Inflationsprognose von Commerzbank Research.. | Bildquelle: Turkstat, Commerzbank, Grafik: boerse.ARD.de

"Es scheint, dass CBT-Chef Murat Uysal nicht mehr die Botschaft senden will, dass der Spielraum für weitere Zinssenkungen kleiner geworden ist", meint der Commerzbank-Analyst.

Inflationsrate weiter hoch

Sollten die Inflationszahlen für Dezember ähnlich hoch ausfallen, wäre das möglicherweise ein weiterer Bremser für die Lira. Im Jahresvergleich liege die Inflationsrate bei rund 14 Prozent, so Ghose. "Die Kombination aus niedrigeren Zinssätzen und einer zugrunde liegenden Inflationsrate von 14 Prozent verheißt nichts Gutes für die mittelfristigen Aussichten der Lira."

ms