Türkische 100- und 200-Lira-Scheine

Währungskrise Erholung für die türkische Lira

Stand: 15.08.2018, 14:06 Uhr

Hohe Inflation, eine angeschlagene Lira: Um die Türkei könnte es wirtschaftlich besser bestellt sein. Nun erholt sich die Lira leicht. Ist das nur eine technische Reaktion oder eine echte Stabilisierung?

Nach dem wochenlangen Kursverfall um rund 42 Prozent in diesem Jahr bäumt sich die Lira seit Dienstag auf. Im Devisenhandel am Mittwoch konnte die türkische Währung die Marke von 6,00 Lira pro Dollar wieder erobern. Analysten zweifeln allerdings, ob die Stabilisierung von Dauer ist - noch ist die Krise nicht ausgestanden.

Beziehungen mit den USA auf dem Tiefpunkt

Nicht zuletzt sorgten die unterschiedlichen Interessen im Syrien-Konflikt für einen Streit zwischen den USA und der Türkei. Der Streit mit Washington beschleunigte den Verfall der türkischen Währung.

Börsenexperte Ulrich Wortberg von der Helaba sieht in dem Erholungskurs der Lira nur geringes Potenzial für einen stärkeren Anstieg. Die Währungskrise der Türkei und eine allgemeine Schwellenländer-Verunsicherung sowie die Themen Geopolitik und Handelskonflikt blieben die dominierenden Faktoren, sagt der Experte.

"Eine glaubwürdige politische Wende würde den negativen Entwicklungen höchstwahrscheinlich ein Ende setzen", sagt Damien Buchet vom Anlagehaus Finisterre Capital. Neben dem Handelsstreit mit den USA werde die Währungskrise dadurch verschärft, dass sich Erdogan massiv in die Wirtschaft und die Währungspolitik einmischen könnte. Wie die Krise ausgehe, das habe die Türkei noch selbst in der Hand. Ein Fortgang der jetzigen Politik werde jedoch eine Belastung für Banken und Unternehmen bedeuten.

Zwist mit den USA findet kein Ende

Das Verhältnis der Türkei zu den USA ist seit längerem angespannt - der Streit um die Inhaftierung des US-Pastors Andrew Brunson verschärfte nun den Streit. Der 50-Jährige sitzt seit Oktober 2016 in türkischer Untersuchungshaft. Der Grund: Ihm werden Spionage und die Unterstützung terroristischer Organisationen vorgeworfen. Neben den Sanktionen gegen zwei türkische Minister versucht Trump seit vergangenem Freitag mit der Verdopplung von Zöllen die Freilassung von Brunson zu erzwingen. Betroffen ist die Einfuhr von Stahl und Aluminium.

Als Gegenmaßnahme verhängte die Türkei nun Zölle auf bestimmte Einfuhren aus den USA - darunter fielen Autos, Reis, Alkohol, Kohle und Kosmetikprodukte. Ankara wirft Washington vor, einen "Wirtschaftskrieg" gegen die Türkei zu führen. Sollte in nächster Zeit keine Einigung erzielt werden können, drohen die USA mit weiteren Maßnahmen, wie ein Vertreter des US-Präsidialamtes mitteilte.

dpa/fh