Recep Tayyip Erdogan

Türkischer Wahlausgang Türkei: Erdogans Kampf um Istanbul schwächt Lira

Stand: 08.04.2019, 11:41 Uhr

Das Bestreben von Erdogans Regierungspartei AKP, die Stimmen zur Kommunalwahl in der Metropole Istanbul neu auszählen zu lassen, belastet erneut die türkische Lira. Auch in naher Zukunft dürfte es die Währung eher schwer haben.

Zum Wochenstart steht die türkische Lira unter Druck. Zu Euro und Dollar verlor sie jeweils gut ein Prozent an Wert. Marktteilnehmer führten die Verluste darauf zurück, dass die AKP die Stimmen zur Kommunalwahl in Istanbul neu auszählen lassen will. Auch gegen die Bürgermeisterwahl in der Hauptstadt Ankara legte die AKP Einspruch ein.

Die AKP, die Partei von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, hatte in den Kommunalwahlen Ende März in zahlreichen großen Städten ihre Mehrheit eingebüßt. Der Wahlausgang in Istanbul war besonders knapp gewesen. Das Bürgermeisteramt in Istanbul hat für Erdogan eine besondere Bedeutung, weil er dort einst selbst Bürgermeister war.


Erdogan hatte vor den Wahlen auch den Westen pauschal scharf verurteilt, den er für die jüngsten Währungsturbulenzen in der Türkei verantwortlich macht. Zugleich hatte er der heimischen Notenbank nahelegt, die hohe Inflation im Land mit einer Senkung des derzeit bei 24 Prozent liegenden Leitzinses zu bekämpfen. Als übliches geldpolitisches Mittel in solchen Situationen gelten allerdings Zinserhöhungen.

Die Tendenz: Lira dürfte schwach bleiben

Auch seitens der Jahresteuerung kommt kaum Entlastung für die Lira. Im März war die Inflation auf 19,71 Prozent wieder leicht gestiegen, blieb aber unter der magischen Marke von 20 Prozent. Analysten hatten jedoch mit einem Rückgang auf 19,57 von 19,67 Prozent im Vormonat gerechnet. Angesichts der Lira-Abwertung in den vergangenen Wochen und des steigenden Ölpreises sei ein Ende dieser Entwicklung nicht in Sicht, warnten Marktteilnehmer.

Sollte die Notenbank dem Druck von Präsident Recep Tayyip Erdogan nachgeben und den Leitzins zur Ankurbelung der schwächelnden Konjunktur senken, müsse mit einem erneuten Lira-Ausverkauf gerechnet werden.

Unterdessen kündigte die türkische Notenbank an, ihr herkömmliches einwöchiges Refinanzierungsgeschäft zum Leitzins von 24 Prozent wieder aufzunehmen. Die Zentralbank hatte das Geschäft vor wenigen Wochen ausgesetzt, um die türkische Lira zu stabilisieren.