Eingang der Türkischen Zentralbank, TCMB, Türkei

Geldpolitik gelockert Türkei: Zentralbank senkt Leitzins weiter

Stand: 16.01.2020, 13:03 Uhr

Die türkische Notenbank setzt ihre Politik sinkender Zinsen fort und erfüllt damit die Wünsche des Staatspräsidenten. Die geringeren Zinsen sollen die Wirtschaft ankurbeln.

Die türkische Notenbank senkt den Leitzins um 0,75 Punkte auf 11,25 Prozent. Das entspricht in etwa den Erwartungen des Marktes, der mit einer moderaten Zinssenkung gerechnet hatte. Für die dortigen Währungshüter gelte es, die zuletzt erneut merklich gestiegene Inflationsrate gegen den anhaltenden politischen Druck, den Leitzins erneut deutlich zu senken, abzuwägen, schreiben die Experten der DZ Bank.

Inflation stieg zuletzt wieder an

Durch die Zinssenkung blieben die Realzinsen - die Differenz zwischen dem Leitzins und der Inflation - im negativen Bereich, ähnlich wie in anderen Ländern wie beispielsweise Großbritannien und Japan, wie Salah-Eddine Bouhmidi, Marktbeobachter bei IG Markets, unterstreicht. Das mache die Erträge aus der Anlage in Lira-Anleihen weniger attraktiv und könnte die weitere Dollarisierung der Wirtschaft fördern, lautet seine Einschätzung.

Die Inflationsrate des Landes lag im Dezember 2019 gegenüber dem Vorjahresmonat bei 11,84 Prozent. Im Dezember 2018 hatte sie noch bei 20,30 Prozent gelegen. Allerdings deuten die Daten der vergangenen Monate wieder auf steigende Verbraucherpreise hin. Im Oktober hatte die Rate noch bei 8,55 Prozent gelegen.   

Wie von Erdogan bestellt

Damit führt die Zentralbank den Zinssenkungskurs konsequent fort. Im Juli des vergangenen Jahres hatte der Leitzins noch bei 24 Prozent gelegen. Präsident Recep Tayyip Erdogan, der mit der Zinspolitik der türkischen Zentralbank unzufrieden war, hatte den Zentralbankchef deshalb ausgetauscht und durch den bisherigen Vize Murat Uysal ersetzt, der als Befürworter einer lockeren Geldpolitik gilt.

Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan, Staatspräsident. | Bildquelle: picture alliance/Xinhua

Präsident Erdogan vertritt die Ansicht, dass hohe Leitzinsen die Inflation nicht bekämpfen, sondern fördern. Diese Meinung wird von den allermeisten Ökonomen nicht geteilt, weil sie der Lehrbuchmeinung widerspricht.

Lira zunächst kaum bewegt

Die türkische Lira reagierte zunächst kaum auf die Zentralbankentscheidung. Analysten hatten in etwa mit einer Reduzierung in diesem Ausmaß gerechnet. Mittlerweile fällt der Dollar deutlicher zurück. Auf Jahressicht zeigt sich aber durchaus ein Trend hin zu einer schwächeren türkischen Währung.    

Im vergangenen Jahr war die türkische Wirtschaft um lediglich 0,3 Prozent gewachsen. Von Reuters befragte Analysten rechnen für das laufende und das kommende Jahr mit einem Plus von drei Prozent. Die türkische Regierung ist mit plus fünf Prozent optimistischer.    

ts