Italienische Farben im Asphalt

Rückkehr der Finanzkrise? Sorgen um Italiens Schulden

Stand: 14.05.2018, 14:24 Uhr

Im Augenblick sieht es danach aus, als würde Italien demnächst durch ein EU-kritisches Bündnis regiert. Noch bleibt der Devisenmarkt gelassen. Für größere Irritationen dürfte aber bald der hohe Schuldenstand sorgen, spätestens wenn die EZB eine schärfere Geldpolitik verfolgt.

In Italien treibt Präsident Sergio Mattarella die Entscheidung über eine Regierungsbildung voran. Für Montagnachmittag lud er die Chefs der rechtsextremen Lega und der populistischen 5-Sterne-Bewegung zu getrennten Gesprächen in den Präsidentenpalast. Die 5 Sterne unter Luigi Di Maio und die Lega unter Matteo Salvini hatten sich am Wochenende nach eigenen Angaben bei zentralen Projekten angenähert. Wer Chef der neuen Regierung werden soll, ist bislang aber unklar.

Italien im Auge behalten

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Anleger reagierten skeptisch auf die mögliche Koalition. Die Mailänder Börse notierte schwächer, die Kurse zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gingen etwas zurück. Eine Allianz Lega/5 Sterne dürfte für die Märkte wie auch wirtschafts- und europapolitisch die ungünstigste darstellen, schrieben Analysten der DZ-Bank in einem Kommentar. Schließlich eine die beiden vor allem ihre Kritik an der EU und an fiskalischen Sparmaßnahmen.

„Die Entwicklungen in Rom müssen vom Devisenmarkt genau im Auge behalten werden“, hatten die Experten der NordLB unlängst in einem Kommentar zum Devisenmarkt geschrieben. Italien kämpft mit hohen Schulden und hinkt dem Rest der Eurozone beim Wachstum hinterher.

Extrem hoher Schuldenstand

Die höchsten Verschuldungsquoten in der Euro-Zone wurden jüngst in Griechenland (178,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes), Italien (131,8) und Portugal  (125,7) errechnet. In der EU gilt eigentlich eine Obergrenze von 60 Prozent. Italien könnte daher bald mit echten Problemen zu kämpfen haben, wenn die Regierung das Schuldenproblem nicht engagiert angeht.     

Deshalb haben Aussagen des französischen Notenbankchefs Francois Villeroy de Galhau die Furcht vor einer restriktiveren Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) verstärkt. Eine Erhöhung des Leitzinses dürfte einige Quartale nach dem Ende der Anleihekäufe erfolgen. Es werde nicht einige Jahre dauern, sagte der Notenbanker.

Francois Villeroy de Galhau

Francois Villeroy de Galhau warnt auch Italien . | Bildquelle: picture alliance / dpa

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Villeroy de Galhau warnte einzelne Mitgliedsländer mit hohen Schulden, Italien darf sich also angesprochen fühlen. „Keine Regierung sollte erwarten, dass die geldpolitische Normalisierung verschoben wird, um den Schuldendienst in einzelnen Mitgliedsländern zu erleichtern.“ Derzeit will die sich abzeichnende neue Regierung in Italien die Ausgaben sogar massiv nach oben fahren, die Steuern senken und großzügigere Sozialleistungen einführen. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass das verdrängte Thema Schuldenkrise die Finanzmärkte demnächst wieder in Atem halten wird.

ts