Größer werdende Eurozeichen und Aufwärtspfeil, davor Dollarzeichen

Spannung an den Devisenmärkten Schafft der Euro 2020 sein Comeback?

Stand: 02.01.2020, 11:58 Uhr

Was Reisende ärgert, freut so manchen Investor: Seit Anfang 2018 hat der Euro gut acht Cent gegenüber dem US-Dollar eingebüßt. Zuletzt hat sich die europäische Gemeinschaftswährung etwas erholt. Geht der Aufwärtstrend 2020 weiter?

Zum Jahreswechsel vor drei Jahren sah es noch nach einer Parität zwischen Euro und Dollar aus. Danach drehte die europäische Gemeinschaftswährung auf und überwand Anfang 2018 die Marke von 1,20 Dollar. Doch das war nur ein kurzes Strohfeuer. Seither hat der Euro kontinuierlich nachgegeben. 2019 verlor die Gemeinschaftswährung über zehn Prozent gegenüber dem Greenback und rutschte zeitweise unter die Schwelle von 1,10 Dollar.

Fonds bauen Leerverkaufspositionen ab

Immerhin: In den vergangenen Wochen hat sich der Euro wieder etwas aufgerappelt und ist auf gut 1,12 Dollar gestiegen. Das ganze Jahr sei die Stimmung beim Euro negativ gewesen, meint Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Das lasse nun nach, glaubt er.

Spekulanten, die auf einen weiter fallenden Eurokurs gesetzt hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Sie bauten nun zum Jahresende ihre Leerverkaufs-Positionen ab. Händler sprechen aktuell von einer breit angelegten Dollar-Schwäche.

Devisenstrategen optimistisch für den Euro

Dieser Trend könnte sich 2020 fortsetzen. Zahlreiche Devisen-Experten sind für den Dollar pessimistisch und für den Euro optimistisch gestimmt. Die Credit Suisse sieht in ihrem Jahresausblick den "Dollar am Zenit" und prognostiziert für das zweite Halbjahr eine Aufwertung des Euro. Nach Einschätzung der UBS wird die Gemeinschaftswährung im Jahresverlauf wieder bis auf 1,20 Dollar klettern, Zum Jahresende dürfte sich der Kurs dann bei 1,15 Dollar einpendeln, prophezeien die Schweizer.

Ähnlich sehen das die Devisenanalysten vom Bankhaus Metzler und von Morgan Stanley. Sie rechnen mit einem Anstieg des Euro bis auf 1,16 Dollar Ende 2020. Allerdings traut Devisenstratege Hans Redeker von Morgan Stanley dem Euro nur im ersten Halbjahr 2020 Kursgewinne zu. In der zweiten Jahreshälfte stehe der US-Dollar vor dem Rebound – wegen der US-Wahlen und Risiken aus dem späten Konjunkturzyklus. Sollte Donald Trump erneut das Rennen ums Weiße Haus gewinnen, dürfte der Dollar wieder zulegen.

Euro als neue Carry-Währung?

Tatsächlich ist der Euro längst keine harte Währung mehr. Laut einer Studie der Deutsche Bank Research weist die Gemeinschaftswährung im Vergleich zu den G10-Staaten mit die niedrigsten Renditen auf. Nach Ansicht von Stratege George Saravelos will niemand "Euro-Cash als ein Asset halten". Stattdessen verschuldeten sich die Anleger lieber in Euro. Der Euro entwickle sich zum neuen Carry Trade für die Welt, meint die DB Research.

Wie sich die europäische Gemeinschaftswährung letztlich entwickelt, hängt vom Kurs der Notenbanken und natürlich auch von den Konjunkturdaten ab. Zuletzt signalisierten die Frühindikatoren wieder eine leichte Aufhellung der Konjunktur in Deutschland und der Eurozone an. Doch das Bild könnte sich rasch wieder eintrüben, wenn Frankreich als Motor der europäischen Konjunktur schwächelt. Oder wenn Italien wieder in die Rezession rutscht. Andererseits würde eine Abschwächung der US-Konjunktur den Dollar wohl unter Druck setzen. 2020 wird ein spannendes Jahr am Devisenmarkt.

nb