Amerikanische Dollarscheine

Maßnahmen zum Dollar-Ausstieg Russland im Würgegriff des Dollar

von Till Bücker

Stand: 09.11.2018, 06:45 Uhr

Die US-Regierung hat wegen des Ukraine-Konflikts neue Sanktionen gegen Russland verhängt. Doch Trump hat noch eine viel mächtigere Waffe zur Verfügung, um Russland in die Knie zu zwingen: den starken Dollar.

Erst vor kurzem warnte Russlands Präsident Wladimir Putin, Trump könne mit seinen Sanktionen gegen Länder wie den Iran und eben auch Russland einen "strategischen Fehler begehen". Die Vereinigten Staaten würden mit ihren Strafmaßnahmen das Vertrauen in den Dollar als universelle Reservewährung untergraben. Washington säge damit am Ast, auf dem das Land sitze.

Die Dominanz der US-Währung

Donald Trump und Wladimir Putin

Alphatiere unter sich: Donald Trump und Wladimir Putin. | Bildquelle: picture alliance/Sergey Guneev/Sputnik/dpa

Dabei wäre für Russland ein Sturz der amerikanischen Währung alles andere als schlecht: Kein anderes wirtschaftliches Druckmittel ist so gefährlich für andere Staaten wie der Dollar. Dieser hat den Welthandel fest im Griff. Fast 40 Prozent der weltweiten Zahlungen werden laut Bloomberg in Dollar getätigt. Zwei Drittel der internationalen Schulden macht die Leitwährung nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Beinahe alle Rohstoffgeschäfte der Welt werden in Dollar abgerechnet und bezahlt.

Nach Meinung Putins setzen die USA ihre finanzielle Macht für politische Zwecke ein - Stichwort Iran-Sanktionen. Gerade Russland tut sich besonders schwer, die Dollar-Abhängigkeit abzuschütteln. Bei Geschäften mit dem Ausland ist der Dollar die mit Abstand wichtigste Währung für das Land. Wegen des instabilen Rubels halten russische Privatleute und Unternehmen die US-Währung, um sich gegen den Verfall der heimischen Währung abzusichern. Bevor es zuletzt wieder etwas bergauf ging, hatte der Kurs des Rubels seit April extrem an Wert verloren.

Eine entscheidende Rolle spielt auch der Energiemarkt. Russland, einer der wichtigsten Gasexporteure der Welt, ist wirtschaftlich extrem abhängig von Rohstoffen, Erdöl und Erdgas. Auf diesen Märkten wird mit dem stabilen Dollar gehandelt. Westeuropäische Staaten gehören zu Russlands größten Abnehmern - wohl kaum werden diese sich auf einen Handel mit dem volatilen Rubel einlassen.

Maßnahmen zum Dollar-Ausstieg

Dennoch will Russland weg vom US-Dollar. Zuletzt tüftelte die Regierung um Finanzminister Anton Siluanow ein Maßnahmenpaket aus. Demnach sollen Händler, die ihre Verträge mit Partnern in Rubel vereinbaren und künftig in Rubel abrechnen, Steuervorteile erhalten. Darüber hinaus entbindet das Dokument Unternehmen bis 2024 schrittweise davon, ihre Exporterlöse im Ausland nach Russland zurückzuführen. "Wir werden ein Präferenzsystem schaffen, um die Teilnehmer des Außenhandels dazu zu stimulieren, die einheimische Währung zu benutzen" sagte Siluanow. Allerdings plane die russische Regierung keinen sofortigen Ausstieg. Dieser solle schrittweise erfolgen und auch keine Zwangsmaßnahmen enthalten. Mehrere Konzerne prüfen bereits Möglichkeiten, Geschäfte ohne Verwendung des Dollars im Ausland abzuschließen.

Schon seit Jahren arbeitet der Kreml daran, sich vom Dollar unabhängiger zu machen. Im Zuge der Sanktionen rund um die Krimkrise sperrten die US-Konzerne Visa und Mastercard im Frühjahr 2014 ohne Vorwarnung die Kreditkarten zehntausender Russen für zwei Tage. Die Beschränkungen führten dem Kreml vor Augen, wie stark die USA das russische Finanzsystem stören können. Ein Jahr später startete Russland ein nationales Zahlungssystem. Seit Juli 2018 dürfen alle Behörden ihre Löhne ausschließlich auf Konten mit russischen Bankdaten überweisen - rund 30 Millionen Menschen sind beim Staat angestellt.

Vereinbarungen mit Handelspartnern

Wladimir Putin

Wladimir Putin. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bisher waren die Maßnahmen beinahe wirkungslos. Um die Dominanz des Dollars wirklich zu brechen, braucht es das Ausland. Anfang September vereinbarte Putin auf dem Wirtschaftsforum in Wladiwostok mit Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping, bei gegenseitigen Geschäften die Landeswährungen Rubel und Yuan stärker in den Fokus zu rücken. Diese außenpolitische Einigung kann sich durchaus auszahlen. China ist inzwischen der wichtigste Handelspartner Russlands mit einem Handelsvolumen von rund 100 Milliarden Dollar in diesem Jahr.

Mit dem Iran und der Türkei will Putin ähnliche Maßnahmen vereinbaren. Es sei an der Zeit, die Dominanz zu beenden, sagte auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einem Treffen der drei Staatschefs. Die Kopplung der internationalen Zahlungssysteme an den Dollar sei das Hauptproblem der Weltwirtschaft.

Weitere westliche Staaten schließen sich an. Bundesaußenminister Heiko Maas forderte im August im "Handelsblatt" eine Alternative zum internationalen Zahlungssystem und warb für eine Stärkung der europäischen Autonomie. "Absurd" nannte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im September, dass europäische Unternehmen europäische Flugzeuge in amerikanischer Währung kaufen.

Zentralbank verkauft US-Anleihen

Am offensichtlichsten wehrt sich die russische Zentralbank gegen den Würgegriff des Dollars. In den vergangenen Monaten verkaufte sie im großen Stil amerikanische Staatsanleihen. Ende August hielt Russland nur noch 14 Milliarden Dollar - allein zwischen Mai und April schrumpfte der Anleihebestand laut Bloomberg um über 80 Prozent. Damit ist das Land nicht mehr unter den größten 50 Gläubigern der USA, betonen russische Analysten. Anfang des Jahres hatte die russische Zentralbank noch knapp 100 Milliarden Dollar in Anleihen gehalten, 2011 gar 180 Milliarden Dollar. Damals war Russland noch einer der größten US-Gläubiger.

Auch andere Staaten wie China und Indien vermindern ihre Reserven in US-Dollar. Japan reduzierte seine Bestände an US-Wertpapieren auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2011 und die Türkei ist aus der Top-30-Liste der Gläubiger gefallen.

Obwohl der Dollar auf dem Devisenmarkt weiterhin dominiert, könnte die Vorherrschaft langsam bröckeln. Der Dollaranteil an den weltweiten Währungsreserven im zweiten Quartal 2018 sank nach Angaben des IWF zwar lediglich von 62,5 auf 62,3 Prozent, zeigt aber dennoch eine starke Verschiebung. Eigentlich hätte der Anteil nämlich um einige Punkte steigen müssen, hat der Dollar doch von April bis Juni gegenüber den anderen Devisen im Schnitt um fünf Prozent aufgewertet.

Reserven-Verteilung nach Währung

Reserven-Verteilung nach Währung. | Bildquelle: International Monetary Fund, Grafik: boerse.ARD.de

Gewonnen haben im Gegensatz dazu der chinesische Yuan und der japanische Yen. Der Yuan habe inzwischen den gleichen Stellenwert wie Austral-Dollar oder Kanada-Dollar, sagte Steven Englander, Währungsexperte bei Standard Chartered.

Trend zum Gold?

Russland tendiert seit 2007 immer mehr zu Investitionen in staatenloses Gold. Der Anteil der Edelmetalle an den Währungsreserven des Landes hat mittlerweile einen Rekord von knapp 17 Prozent erreicht. Im September erhöhte die russische Notenbank ihren Goldbestand um 37 Tonnen, teilte die Bank of Russia mit. Bis dahin war das der höchste monatliche Zuwachs 2018.

Im dritten Quartal sollen die Zentralbanken gegenüber dem Vorjahreszeitraum weltweit 22 Prozent mehr Gold erworben haben, berichtete der World Gold Council. Das sei die stärkste Aufstockung seit 2015. Die Verantwortlichen scheinen trotz der eher negativen Entwicklung in den vergangenen Jahren an ein Comeback zu glauben.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 10 Jahre
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Gold in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 10 Jahre
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Experten sind sich jedoch einig, dass sich an der Dominanz des Dollar in der kurzen Frist wenig ändern wird. Laut der russischen Zentralbank verliert die Weltwährung zwar an Bedeutung, aber nur sehr langsam. Denn der Dollar ist nicht nur weit verbreitet, er wird gestützt durch Institutionen, die Rechtssicherheit und die große Wirtschaftskraft der USA.