Eine Hand hält verschiedenen Lira-Scheinen

Hohes Leistungsbilanzdefizit Lira: Es geht wieder bergab

Stand: 06.08.2020, 13:23 Uhr

Nachdem der Wechselkurs der türkischen Lira zwei Monate lang relativ stabil geblieben war, ist er jetzt wieder unter Druck geraten.

Inzwischen kostet der Dollar wieder mehr als sieben Lira, nachdem er zuvor für 6,85 zu haben war. Dabei hat der türkische Staat Analysten zufolge in den vergangenen Wochen über 60 Milliarden Dollar ausgegeben, um die heimische Währung zu stützen.

Die neuerliche Schwäche der Lira ist umso bemerkenswerter, als der Dollar in den letzten Tagen zu den meisten Währungen auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen ist. Auch wirkt sich ein schwächerer Dollar im Allgemeinen positiv auf die Schwellenländer aus, weil sich ihre Importe dadurch verbilligen.

Anhaltendes Leistungsbilanzdefizit

Analysten machen vor allem das steigende Leistungsbilanzdefizit der Türkei für den Verfall der Lira verantwortlich. Die Türkinnen und Türken konsumieren mehr, als sie produzieren. Auch der Staat gibt mehr Geld aus, als er einnimmt. Hinzu kommt eine zunehmende Verschuldung und eine Kapitalflucht ins Ausland. Auch die geopolitischen Spannungen in der Region, allen voran mit Griechenland, sowie die militärischen Aktionen in Syrien, Libyen und weiteren Regionen belasten die Staatskasse - und schwächen die Währung.

Das milliardenschwere Defizit in der Außenbilanz erklärt die Türkei damit, dass sie auf Öl- und Gaseinfuhren angewiesen sei und diese in Dollar bezahlen müsste.

Zu expansive Geldpolitik

Neben dem Leistungsbilanzdefizit verweisen Ökonomen auch auf die in ihren Augen völlig falsche Geldpolitik der türkischen Notenbank. So sei der Leitzins seit Juli letzten Jahres um 1,575 Basispunkte gesenkt worden, bevor es im Juni wegen der verheerenden Auswirkungen der Corona-Pandemie zu einer Zinspause gekommen sei.

Nun sei eine Zinswende, also ein Wiederanstieg des Leitzinses, unvermeidlich, um eine Finanzkrise zu verhindern. Für Eray Yucel von der Fakultät für Wirtschaft der Universität Bilkent in Ankara wäre eine Zinsanhebung sicher eine der Lösungen in der gegenwärtigen Krise, doch ein solcher Schritt würde nur dem Land nur vorübergehend Luft verschaffen. Viel wichtiger sei es, das Leistungsbilanzdefizit abzubauen.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) zeigte sich jüngst besorgt über die Lage der Türkei. Die geringen Währungsreserven des Landes bei einem gleichzeitig hohen Kapitalbedarf mache das Land anfällig für externe Schocks, heißt es einem Bericht zur Lage der Exportwirtschaft.