Boris Johnson
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Schneller Brexit droht Johnson eine Belastung für das Pfund?

Stand: 23.07.2019, 14:22 Uhr

Ein Nachfolger für Theresa May als britischer Regierungschef ist gefunden. Boris Johnson, leidenschaftlicher Befürworter eines Austritts Großbritanniens aus der EU, wird aller Voraussicht nach die Geschicke des Landes lenken. Mit unklaren Auswirkungen auch auf die britsche Währung.

Der Devisenmarkt hatte die Kür von Boris Johnson zum Nachfolger von May, zunächst als Chef der konservativen Partei, "eingepreist", wie etwa Esther Reichelt von der Commerzbank urteilte. "Alles andere als ein Sieg Johnsons wäre überraschend", meinte auch Stefan Kipar von der BayernLB.

So kam es denn auch. Der Brexit-Hardliner setzte sich bei der Wahl zum neuen Chef der Tories deutlich gegen den amtierenden Außenminister Jeremy Hunt durch. Johnson erhielt in der Urabstimmung um den Tory-Vorsitz 92.153 von rund 159.000 Stimmen. Hunt kam auf rund 46.700 Stimmen. Der 55-Jährige war von Anfang an als haushoher Favorit für die Nachfolge von May gehandelt worden, die Anfang Juni nach zahlreichen herben Niederlagen den Parteivorsitz niedergelegt hatte.

Johnson-Wahl war "eingepreist"

Das Britische Pfund reagierte auf die Verkündung der Entscheidung sogar mit leichten Aufschlägen gegenüber dem Dollar. Allerdings war die britische Währung an den vorangegangenen Tagen auch deutlich bis auf 1,2418 Dollar zurückgefallen. Inzwischen stabilisiert sich das Pfund bei Kursen um 1,2480 Dollar.

Auf eine erste Erleichterung über das glatte Zustandekommen der Entscheidung in der Regierungspartei könnte aber in den kommenden Tagen und Wochen ein Kater folgen. Denn Johnson hat unmittelbar nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses seine Ankündigung erneuert, den EU-Austritt Großbritanniens bis zum 31. Oktober vollzogen zu haben. "Wir werden den Brexit am 31. Oktober erledigt haben", sagte er. 

ARD-Börsenstudio: Dieter Reeg
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ARD-Börse: Droht jetzt ein Chaos-Brexit?

Wie es nun aber wirklich weitergeht, ist mit einigen Fragezeichen versehen, und könnte der britischen Währung in den kommenden Monaten weiter zu schaffen machen. "Unsicherheiten, mögliche Nachverhandlungen und das Säbelrasseln könnten damit erst richtig weitergehen", meint etwa Coba-Experte Kipar.

Viele Szenarien denkbar

Auch die Beobachter von der VP Bank stellen sich auf eine neue Hängepartie ein: "Vermutlich wird Boris Johnson seinen harten Kurs aufweichen müssen. Da sich die Gespräche mit Brüssel nicht einfach gestalten werden und die Zeit davon läuft, dürfte eine weitere Verschiebung der Austrittsfrist eine naheliegende Option sein." Nach Ansicht von Markus Häfele, Chief Investment Officer der UBS, steht es nun wieder 50:50, dass es einen "No-Deal-Brexit" geben könnte. Dazu kommt aus der Sicht von Häfele, dass Johnson auf die frisch gekürte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen trifft, mit der es wenige Spielräume für Kompromisse geben dürfte.

Die UBS hat daher gleich drei Szenarien für den künftigen Kurs des Pfundes ausgearbeitet: Im Fall eines Brexit ohne Deal sieht sie die britische Währung bis auf 1,15 Dollar fallen. Bei einer weiteren Verschiebung des Austritts könnte das Pfund dagegen auf 1,35 Dollar steigen. Und sollte der Brexit ganz ausfallen, wären sogar Kurse von 1,45 Dollar möglich. Alle Varianten bleiben aber mit dicken Fragezeichen versehen.

AB