Türkische Lira

Entspannung vorerst vorbei Türkische Inflationsrate wieder über zehn Prozent

Stand: 03.12.2019, 11:35 Uhr

Nach leichter Entspannung im September und Oktober hat die Türkei wieder mit einer starken Inflation zu kämpfen. Die Teuerung in dem Schwellenland hat sich im November erstmals seit Juli wieder verstärkt.

Im Jahresvergleich seien die Verbraucherpreise im November um 10,6 Prozent gestiegen, wie die Statistikbehörde der Türkei am Dienstag in Ankara mitteilte. Im Oktober war die Inflationsrate auf 8,6 Prozent gesunken. Der damalige Rückgang wird von Experten mit einem Basiseffekt wegen der Lira-Krise vor einem Jahr erklärt. Damals hatte ein rasanter Kursverfall der türkischen Währung zu einem enormen Anstieg der Inflation geführt, weil sich importierte Waren stark verteuert hatten. Die Teuerungsrate war im Herbst 2018 zeitweise bis auf 25 Prozent gestiegen.

Inflationsrate dürfte weiter steigen

Experten rechnen in den kommenden Monaten mit einem weiteren Anstieg der Teuerung. So gehen Ökonomen der US-Bank Morgan Stanley davon aus, dass die Inflationsrate im Dezember bei 11,3 Prozent liegen dürfte. Im kommenden Jahr rechnet Morgan Stanley weiterhin mit Inflationsraten im zweistelligen Bereich.

Schwächelnde Wirtschaft

Während die Inflation wieder steigt, schwächelt die türkische Wirtschaft. Zu Beginn der Woche war bekannt geworden, dass die Konjunktur in den Sommermonaten deutlich an Fahrt verloren hatte. Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,4 Prozent gestiegen. Analysten wurden von der Entwicklung überrascht. Sie hatten im Schnitt für die Monate Juli bis September eine Zunahme um 1,1 Prozent erwartet. Außerdem war das Wachstum im zweiten Quartal schwächer als bisher bekannt ausgefallen. Politische Unsicherheiten und die Sorge vor Wirtschaftssanktionen durch die USA belasten die Wirtschaft.

"Für die Lira sind diese Nachrichten negativ. Denn hierdurch wird neuerlicher Druck auf die türkischen Zentralbank (VBT), die Zinsen parallel zu einer just wieder steigenden Inflation zu senken, wahrscheinlicher", schreibt Tatha Ghose, Türkei-Experte bei der Commerzbank.

Rückschlag für Erdogan

Die Nachricht über das abgeschwächte Wachstum ist ein Rückschlag für Präsident Erdogan, hatte er mit seinem Kurs der strikten Leitzinssenkung in den vergangenen Monaten doch Erfolg. Im zweiten Quartal dieses Jahres hatte sich die Wirtschaftsleistung erstmals seit zwei Quartalen verbessert. Auch die Lira hatte sich in dieser Phase stabilisiert.

ms/rtr