Theresa May im Britischen Unterhaus am 22. Mai 2019
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Weitere Ministerin geht Gerüchte um May-Rücktritt drücken Pfund

Stand: 23.05.2019, 09:10 Uhr

Die Brexit-Chaostage in Großbritannien gehen weiter. Nach der breiten Ablehnung ihrer Vorschläge steht Premierministerin Theresa May Presseberichten zufolge kurz vor ihrem Rücktritt. Das britische Pfund gibt nach.

Wie die Zeitung "The Times" berichtet, wird damit gerechnet, dass May am Freitag ihren Rückzug als Regierungschefin ankündigen werde. May werde allerdings im Amt bleiben, bis die Konservative Partei einen Nachfolger ausgewählt habe.

Bereits am Mittwochabend hatten Rücktrittsgerüchte für vorübergehende Unruhe an den Finanzmärkten gesorgt. May scheiterte vor dem Parlament erneut mit ihren Plänen für den EU-Austritt. Die von ihr Aussicht gestellte Abstimmung über ein Referendum über ihr Austrittsabkommen stieß auf negative Reaktionen.

May verliert weitere Ministerin

Am Ende trat sogar ihre wichtige Mitstreiterin, die Ministerin für Parlamentsfragen, Andrea Leadsom, aus Protest gegen Mays Pläne zurück. "Die Ratten verlassen das sinkende Schiff", unkte die britische Presse. Bald stehe May ohne Kabinett da.

Der konservative Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Parlament, Tom Tugendhat, rief May dazu auf, ihren Rücktritt nach der britischen Wahl zum Europaparlament anzukündigen. "Es gibt noch eine letzte Gelegenheit, es richtig zu machen und in geregelter Weise zu gehen", schrieb Tugendhat in der "Financial Times". Umfragen sagen eine krachende Niederlage für Mays Konservative bei der Europawahl voraus. Großer Wahlfavorit ist die EU-feindliche Brexit-Partei von Nigel Farage, die nach Umfragen bei 38 Prozent liegt. Ein solches Ergebnis könnte Mays Sturz beschleunigen.

Kommen bald Neuwahlen?

Sollte May stürzen, gilt eine Neuwahl als wahrscheinlich, weil die Konservativen keine eigene Mehrheit im Parlament haben und für Nachverhandlungen mit der EU politischer Spielraum fehlt. Ein Ausweg könnte ein zweites Referendum über den Brexit sein. Theoretisch könnte Großbritannien den Brexit auch einfach absagen, und sei es nur, um Zeit für eine bessere Vorbereitung des EU-Austritts zu bekommen.

Die Rücktrittsgerüchte um May setzen dem britischen Pfund zu. Die Währung fällt am Morgen um 0,3 Prozent und notiert bei 1,1322 Euro. Seit Anfang Mai hat das Pfund fast vier Prozent gegenüber dem Euro verloren. Ähnlich groß sind die Verluste gegenüber dem US-Dollar.

Die Briten hatten vor fast drei Jahren in einem Referendum für den EU-Austritt gestimmt. Sie nehmen nur deshalb an der Europawahl teil, weil May im Parlament bisher keine Mehrheit für das Austrittsabkommen bekam. Der EU-Austritt wurde deshalb auf spätestens 31. Oktober verschoben.

nb