Euro-Münze und Eindollar-Note

Analyse Ist ein steigender Euro-Dollar-Kurs schlecht für den Dax?

Stand: 23.11.2017, 14:15 Uhr

"Euro-Rally belastet den Dax" heißt es heute mal wieder zur Begründung für die überwiegend fallenden Aktienkurse. Tatsächlich hat der Euro zum US-Dollar zuletzt leicht zugelegt. Doch stimmt die Börsen-Regel "Euro rauf, Dax runter" wirklich?

Zum US-Dollar verbesserte sich die Euroland-Währung in den vergangenen zwei Tagen um etwa einen Cent – der Dax rutschte parallel zeitweise um 300 Punkte. Zur Begründung für die Kursbelastung bei Dax und Co. wurden das Ringen um eine Regierungsbildung in Berlin und ein stärkerer Euro genannt. Die vielversprechende Wirtschaftsentwicklung im Euro-Raum wurde hingegen kaum beachtet.

Ja, ein zu starker Euro-Kurs ist schlecht für unsere Exportindustrie, weil die Produkte außerhalb des Euroraums dann teurer werden. Deshalb leiden die Gewinne der Unternehmen mit Absatz-Schwerpunkt außerhalb Europas, vor allem die Firmen des Maschinen- und Anlagenbaus, der Chemie und Pharmazie und auch der Informationstechnologie.

Euro-Abhängigkeit begrenzt

Aber die gleichen Unternehmen profitieren oft auch von einer Euro-Stärke, weil sie ihre Zuliefer-Produkte dann günstiger einkaufen können. Außerdem sichern sich die Konzerne gegen zu starke Währungsschwankungen mit Termingeschäften ab. Damit wird an speziellen Börsen in Wertpapiere investiert, bei dem Kauf bzw. Verkauf, Abschluss und Erfüllung zu zukünftigen Zeitpunkten erfolgen. Die Profis kaufen zum Beispiel Optionen mit einem in sechs Monaten deutlich höheren Euro-Kurs. Steigt der Euro tatsächlich, gewinnen sie über ihre Termingeschäfte.

Also ist die Angst vor einem zu starken Euro nur ein vorgeschobenes Argument?

Wahrscheinlich. Betrachtet man die Dax-Entwicklung nicht auf Tages- sondern etwas längerfristig auf Jahres-Basis, fällt auf, dass beide Kurven tendenziell steigen (siehe Charts). Der Deutsche Aktienindex notierte beispielsweise bei einem Euro-Kurs von gut 1,20 Dollar (Anfang September) etwa 1000 Punkte niedriger als heute.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
1,1674
Differenz relativ
+0,03%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
12.219,02
Differenz relativ
+0,50%

Tatsächlich fehlen dem Aktienmarkt derzeit neue Argumente. Die gute Konjunkturlage scheint eingepreist, ebenso eine baldige weitere Zinserhöhung in den USA. Aber: Fed-Chefin Janet Yellen hatte sich am Mittwoch wegen der recht geringen Inflation überrascht gezeigt. Einige Anleger legten die Äußerungen im Fed-Protokoll nun so aus, dass 2018 vielleicht doch weniger Zinsschritte kommen könnten als gedacht.

Stimmung am Aktienmarkt angeschlagen

Jerome Powell

Jerome Powell . | Bildquelle: Imago

Zudem wird es in der ersten Jahreshälfte 2018 wohl eine "Powell-Pause" geben. Der neu ernannte Fed-Vorsitzende Jerome Powell wird nicht direkt mit großen Zinsentscheidungen aufwarten. Die Aussicht auf längerfristig weniger stark steigende Zinsen in den USA machen nun dem Dollar zu schaffen.

Euro hin, Dollar her – die Stimmung am europäischen Aktienmarkt bleibt angeschlagen. Der Dax rutschte am Donnerstag unter die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten. Und ohne frischen Wind von der Wall Street, die aktuell mit Thanksgiving und Black Friday zu tun hat, bleiben die Umsätze hierzulande überschaubar.

Letztlich wird es für den Dax in den kommenden Wochen und Monaten wichtiger, wie sich die US-Konjunktur entwickelt. Sollten sich weitere negative Meldungen wie zuletzt ein schwacher Auftragseingang in der US-Industrie häufen, würde der Dollar noch deutlich schwächer werden.

Nicht wenige Devisen-Experten sehen vor diesem Hintergrund den Euro wieder auf über 1,20 Dollar steigen. Die Analysten von JP Morgan glauben an diese Marke - noch im Dezember. Und im Laufe des nächsten Jahres prognostizieren die Amerikaner sogar Euro-Kurse von über 1,30 Dollar. Und das täte dann wohl auch dem Dax weh.

mmr