Italienische Euromünze geht unter

Niedrigster Stand seit Mai 2017 Euro-Schwäche hält an

Stand: 01.10.2019, 11:55 Uhr

Was ist los mit dem Euro? Die Gemeinschaftswährung fällt und fällt. Am Dienstag ist sie auf ein Zweieinhalbjahres-Tief von unter 1,09 Dollar gefallen. Schuld daran ist nicht nur die EZB.

Für die Anhänger des Euro ist 2019 bisher kein gutes Jahr. Ausgerechnet im 20. Jahr seines Bestehens schwächelt die Gemeinschaftswährung. Seit Jahresbeginn hat sie gegenüber dem Dollar gut fünf Prozent eingebüßt. Auch gegenüber anderen Währungen wie dem Schweizer Franken gab der Euro spürbar nach.

Rutsch unter die 1,09 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,0794
Differenz relativ
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Am Montag rutschte die Devise erstmals wieder unter 1,09 Dollar. Am Dienstag erreichte die Gemeinschaftswährung im frühen Handel mit 1,0879 Dollar den tiefsten Stand seit Mai 2017.

Was für Touristen, die ins außereuropäische Ausland fahren, schlecht ist, ist für die europäischen Unternehmen gut. Sie können billiger nach Asien oder Nordamerika exportieren.

EZB wird noch lockerer

Als stärksten Belastungsfaktor für den Euro sehen Devisenexperten derzeit die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Der scheidende Notenbankchef Mario Draghi bekräftigte Anfang der Woche in einem Interview mit der britischen Finanzzeitung "Financial Times" seine Linie, dass die Geldpolitik noch stärker gelockert werden könnte. Zuletzt hatte es innerhalb der Notenbank verstärkte Diskussionen über diesen Kurs gegeben. Kritiker monieren auch Draghis Führungsstil, der zu wenig auf Konsens innerhalb der Notenbank ausgerichtet sei. Ob Draghis Nachfolgerin, Christine Lagarde, den harten Kurs des Italieners fortsetzt, wird sich zeigen.

In der vergangenen Woche war mit Sabine Lautenschläger ein weiterer hochrangiger deutscher Vertreter aus dem EZB-Direktorium zurückgetreten. Sie galt als Gegnerin der Wiederaufnahme der milliardenschweren Anleihenkäufe der EZB. 2011 hatte schon Jürgen Stark als EZB-Chefökonom das Handtuch geworfen. Und auch der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber trat zurück, bevor er zum EZB-Präsidenten gekürzt werden sollte.

Eintrübung der Konjunktur im Euro-Raum

Neben der immer locker werdenden EZB sind es auch die zunehmend düsteren Konjunktursignale, die dem Euro zusetzen. Der Index für die Stimmung der Einkaufsmanager in der Industrie der Eurozone blieb laut zweiter Schätzung klar unter der Wachstumsschwelle und erreichten den tiefsten Stand seit Oktober 2012. Besonders schlecht fiel die Stimmung in der deutschen Industrie aus. "Die Datenveröffentlichungen liefern keine Hinweise auf eine konjunkturelle Stabilisierung im Euroraum, und so bleiben Wachstumssorgen bestehen", erklärte Volkswirt Patrick Boldt von der Helaba in einem Kommentar.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute dürften am Mittwoch voraussichtlich ihre Wachstumsprognosen für Deutschland senken. Die Wirtschaftsleistung werde in diesem Jahr nur noch um 0,5 Prozent und 2020 um 1,1 Prozent wachsen, prophezeien sie laut Insidern. Im Frühjahr hatten die Institute, darunter das DIW und das ifo Institut, noch mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent für 2019 gerechnet.

Trumps "Ukraine-Affäre" hilft dem Dollar

Und dann ist da auch noch US-Präsident Donald Trump, der die Devisenmärkte bewegt. Nutznießer der "Ukraine-Affäre" in den USA, die zum Amtsenthebungsverfahren von Trump führen könnte, ist… der Dollar. Denn von turbulenten Entwicklungen kann oft der Dollar profitieren, weil Anleger Sicherheit suchen - und in amerikanischen Anleihen fündig werden.

Hans Redeker, oberster Devisenstratege der US-Bank Morgan Stanley, sieht bereits eine Verschiebung von Kapital von Europa in die USA. Investoren und ausländische Banken, die mit Negativzinsen im Euro-Raum konfrontiert seien, würden Kapital in den US-Geldmarkt transferieren, sagte er im "Handelsblatt".

Kommt die Parität?

Die Euro-Schwäche könnte noch eine Zeitlang weitergehen, bis US-Präsident Trump wieder der EU und der EZB Währungsmanipulationen vorwerfen wird. Damit könnte er den Dollar wieder schwächen. Ob im derzeitigen "Währungskrieg" der Euro bald die Parität zum Dollar erreicht, ist unwahrscheinlich. Die Mehrheit der Devisenexperten rechnen nicht damit.

nb