Ein-Dollarschein und Ein-Euro-Münze
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US-Reformstau schwächt den Dollar Euro nimmt nächste Hürde

Stand: 18.07.2017, 10:09 Uhr

Die 1,15 ist geknackt, der Euro notiert am Dienstag so hoch wie seit 14 Monaten nicht mehr. Ob die Reise weiter aufwärts geht, bestimmen derzeit die US-Politik und die EZB.

Den Anlass haben die Devisenhändler gleich in eine kräftige Marktbewegung im Euro-Dollar-Verhältnis umgesetzt; der Euro kletterte am Morgen bis auf 1,1538 Dollar, den höchsten Stand seit Mai 2016: Der Versuch der Republikaner unter dem US-Präsidenten Donald Trump, die Gesundheitsreform des Vorgängers Obama auszubremsen, scheint gegen die Wand zu fahren. "Obamacare" zurückzudrehen hatte sich Trump vorgenommen, doch nun scheint es, als komme die Umkehrung der Reform nicht zum Zug. Am Abend wurde bekannt, dass zwei republikanische Senatoren Widerstand gegen den Entwurf des Mehrheitsführers Mitch McConnell angekündigt haben. Damit scheint das Projekt nicht mehr vor der Sommerpause mehrheitsfähig, und vielleicht weit darüber hinaus.

Reformstau stellt US-Politik infrage

Die Pleite bei dem wichtigen Reformprojekt lässt das Vertrauen in die Trump-Administration weiter sinken, und damit verliert reflexartig auch die US-Währung an Wert. Der Reformstau in den USA nimmt damit an Brisanz zu. Einsparungen im Gesundheitssektor sollten in Steuererleichterungen für Unternehmen und auch in mögliche weitere Konjunkturspritzen fließen, all das ist verzögert sich nun weiter.

Die anhaltende Stärke des Euro ist also vor allem eine Schwäche des "Greenback". Der war gestern auch die Daten aus der US-Industrie weiter gedrückt worden. Im für die US-Wirtschaft wichtigen Bundesstaat New York hatte sich die Stimmung nach einer aktuellen Umfrage deutlich eingetrübt.

Im Gegensatz zur US-Wirtschaft hatte Euroland zuletzt positive Konjunktursignale gesendet, auch das verhilft der Gemeinschaftswährung zu einem guten Stand gegenüber dem Dollar.

EZB könnte den Euro-Höhenflug stoppen

Ob allerdings der zeitweilige Höhenflug im Euro-Dollar-Verhältnis von Dauer bleiben wird, daran haben etwa die Experten der Commerzbank Zweifel. Denn die Währungshüter könnten die weitere geldpolitische Straffung, also das Auslaufen des Anleihe-Rückkaufprogrammes zurückhaltender angehen, um den Euro zu entlasten. EZB-Chef Mario Draghi habe sich bereits "nicht glücklich" darüber gezeigt, dass der Euro stark aufgewertet habe, nachdem die Notenbank einen vorsichtigen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik angekündigt hatte. Ein allzu starker Euro, der die Exportwirtschaft in der Eurozone belastet, ist kaum im Interesse der Währungshüter.

AB