Devisen

Zinssenkungsfantasien und Wirtschaftsdaten Euro kommt schwer in Mode

Stand: 03.03.2020, 15:20 Uhr

Der Dollar als Fluchtburg scheint inmitten der Corona-Krise erst einmal ausgedient zu haben. Der Euro jedenfalls hat, überraschend auch für viele Experten, deutlich Boden gegenüber dem "Greenback" gut gemacht. Aus mehreren Gründen.

Eine kleine Wiedergeburt hat die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar erlebt, und das mitten in einer handfesten Krisensituation. Üblicherweise reagieren die Investoren am Devisenmarkt umgekehrt, die US-Währung gilt in turbulenten Zeiten als Fluchtburg für Anleger aus allen Regionen und Währungsräumen der Welt.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
1,0914
Differenz relativ
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Der Euro hatte Anfang Februar zunächst eine Talfahrt von 1,11 bis auf und 1,08 Dollar vollführt. Seit dem 21. Februar zeigt der Trend nun wieder in die andere Richtung. Heute wurden zeitweise Kurse von 1,1156 Dollar erreicht, der höchste Stand seit Mitte Januar. Währenddessen streicht unvermindert ein Hauch von Panik durch den globalen Finanzmarkt.

Fed vor Zinssenkung?

Eine Reihe von Faktoren begünstigen derzeit den Euro. Vor allem die Aussicht auf Zinssenkungen in den USA sorgt für eine Bewegung in Richtung Euro. Am Freitagabend hatte die US-Notenbank (Fed) in einer seltenen außerplanmäßigen Erklärung durch Notenbankchef Jerome Powell Unterstützung signalisiert. Die Fed stehe kurz vor einer Zinssenkung, schrieb Volkswirt Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ein Zinsschritt von mindestens 0,25 Prozentpunkten auf der Sitzung Mitte März sei sehr wahrscheinlich.

Eine Zinssenkungswelle könnte rund um den Globus gehen, um die Volkswirtschaften vieler Staaten zu stützen. Die australische Notenbank hat am Dienstagmorgen bereits eine Senkung vorgenommen. Da der Leitzins für den Euroraum seit 2016 praktisch bei null liegt, wird der Zinsabstand zum Dollar im Fall einer Zinssenkung durch die Fed geringer.

Euro-Shorties auf dem falschen Fuß

Währungsanalyst Wolfgang Kiener von der Landesbank BayernLB begründet die aktuellen Kursgewinne beim Euro aber auch mit Eindeckungskäufen von Anlegern, die Mitte letzter Woche noch auf einen sinkenden Eurokurs gewettet hätten und nun die Notbremse ziehen müssen.

Gegen den Dollar hätten zuletzt aber auch schwache Konjunkturdaten aus den USA gesprochen. So hatte sich die Stimmung in der Industrie im Februar überraschend deutlich eingetrübt. Dagegen kamen aus der Eurozone robuste Konjunkturdaten: Die Stimmung in der Industrie hellte sich im Februar deutlich auf. Die jüngste verstärkte Ausbreitung des Coronavirus auf Europa ist in die vom 12. bis 21. Februar erhobenen Daten aber noch kaum eingegangen.

Geld fließt zurück in den Euro

Nicht zuletzt sorgt auch der Crash am Aktienmarkt für einen indirekten Auftrieb für den Euro. Denn durch die massiven Verkäufe insbesondere bei den Börsengiganten aus den USA entstehen Rückflüsse an "Cash" in den Euroraum. Und der Rückgang am Aktienmarkt zieht auch die Rückabwicklung von Risiko-Investments in außereuropäischen Währungen nach sich, die mit der Aufnahme von Euro-Krediten finanziert wurden, sie werden auch als Carry Trades bezeichnet. Sollte die Erholung an den Aktienmärkten anhalten, würde dies dann wohl mit einer Gegenbewegung in Richtung Dollar einhergehen.

AB