100-Euroscheine in einer Mausefalle

Währung auf Zwei-Monats-Tief Euro in der Italien-Falle

Stand: 10.10.2018, 11:45 Uhr

Droht eine neue Euro-Krise? Mit seinen Haushalts-Plänen sorgt Italien seit Tagen für Unruhe am Devisenmarkt. Der Euro ist auf den tiefsten Stand seit Mitte August gerutscht. Die Renditen für italienische Staatsanleihen steigen und steigen.

Mamma mia, bella Italia! Es vergeht fast kein Tag ohne neue Hiobsbotschaften aus dem Land, wo die Zitronen blühen. Vor allem der stellvertretende Ministerpräsident Italiens, Matteo Salvini, bringt die Märkte immer wieder ins Wanken. Am Mittwoch warnte er Investoren vor Spekulationen gegen das schuldengeplagte Land. Die Regierung werde im Streit über den Haushalt für 2019 nicht nachgeben, versicherte der Chef der rechtsextremen Lega gegenüber dem staatlichen TV-Sender Rai. Einige große Finanzinstitutionen wetteten auf Zugeständnisse aus Rom. "Sie liegen falsch", sagte Salvini.

Stufen die Ratingagenturen Italien ab?

Der Vize-Regierungschef hatte zuletzt mehrfach betont, dass sich die Regierung auch nicht vom Druck der Finanzmärkte von ihren Plänen abbringen lasse. Salvini hofft, dass die Ratingagenturen bei der Überprüfung der Kreditwürdigkeit Italiens "unvoreingenommen" ans Werk gingen. Manche Politiker scheinen sich schon mit einer Herunterstufung abgefunden zu haben. Alberto Bagnai von der Lega sagte, eine Absenkung der Bonitätsnote durch die großen Ratingagenturen sei im aktuellen Umfeld möglich. S&P und Moody's dürften Ende Oktober ihre Ratings für Italien überprüfen. Sollten sie das Rating auf Ramschniveau senken, hätte dies schlimme Auswirkungen auf die Finanzmärkte.

Der Countdown läuft: Bis zum 15. Oktober muss Rom den vollständigen Entwurf für den Haushalt 2019 nach Brüssel senden. Die neue Regierung aus Lega und populistischer 5-Sterne-Bewegung plant für nächstes Jahr mit einem Haushaltsdefizit von 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung - drei Mal so viel, wie es die Vorgängerregierung vorgesehen hatte. Damit stößt die Koalition auf Widerstand der EU-Kommission, die weniger Ausgaben anmahnt. Vizepremier Salvini erklärte nach der Kritik der EU-Kommission, Europa sei ihm "völlig egal".

Anleiherenditen auf Viereinhalb-Jahreshoch

Der Haushaltsstreit zwischen Rom und Brüssel treibt seit Tagen die Renditen der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen nach oben. Am Dienstag erreichten sie mit 3,72 Prozent zeitweise den höchsten Stand seit Anfang 2014. Der Risikoaufschlag zu deutschen Staatsanleihen wird immer größer.

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Die Turbulenzen in Italien belasten zunehmend auch den Euro. Die Gemeinschaftswährung sackte zuletzt auf unter 1,15 Euro ab. Mit 1,1431 Dollar erreichte der Euro am Dienstag den tiefsten Stand seit drei Monaten. Zum Mitte August markierten Jahrestief von 1,1301 Dollar fehlt nicht mehr viel.

Manche Banken sehen eine Korrelation zwischen der Rendite-Entwicklung bei den Anleihen und dem Euro-Kurs. Vergrößert sich der Renditeabstand zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen um 0,1 Prozentpunkte, werte der Euro um 50 Cent ab, hat die US-Investmentbank JPMorgan ermittelt.

Euro dürfte weiter schwächeln

Anlagestrategen, Ökonomen und Rating-Agenturen rechnen für die kommenden Monate mit weiterem Gegenwind für die Gemeinschaftswährung. Der Euro werde bis Mitte 2019 schwach bleiben gegenüber dem Dollar, prophezeit die Ratingagentur S&P. Fondsmanager Martin Stürner von PEH glaubt, dass der Euro schon Ende dieses Jahres auf 1,10 Dollar fallen wird.

Zwar beteuern die italienischen Populisten, dass sie keinen "Italexit" planen. Seine Kinder würden "mit dem Euro in der Tasche aufwachsen", sagte Vizepremier Salvini dem Sender RTL 102,5. Ein Abschied aus der Eurozone stehe "nicht heute, nicht morgen oder übermorgen" auf der Agenda.

Sorge um den "Italexit"

Doch so richtig glauben kann das keiner. Zumal vereinzelt aus der zweiten Reihe Stimmen zu einem Austritt aus der Euro-Zone kommen. So erklärte vor einer Woche Claudio Borghi, Wirtschaftsexperte der Lega, dass Italien mit einer eigenen Währung in der Lage wäre, die gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme besser zu lösen. Der Euro hingegen reiche nicht aus, um die Probleme Italiens zu bewältigen. Mamma mia!