Größer werdende Eurozeichen und Aufwärtspfeil, davor Dollarzeichen
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Dollar und Franken werten ab Euro im Sommerhoch

Stand: 28.07.2017, 14:09 Uhr

Was Urlauber freut, ärgert Aktienanleger: Der Euro steigt und steigt. Seit April hat er über zehn Prozent aufgewertet gegenüber dem US-Dollar. Selbst gegenüber dem Schweizer Franken wird er immer stärker.

Wie weit geht der Höhenflug noch? In dieser Woche kletterte der Euro zeitweise bis auf 1,1777 Dollar. Das war der höchste Stand seit zweieinhalb Jahren. Seither pendelt die Gemeinschaftswährung bei um die 1,17 Dollar.

Für neuen Auftrieb hatte am Donnerstag die Fed gesorgt. Die US-Notenbank legt auf ihrem Weg einer strafferen Geldpolitik vorerst eine (Zins-)Pause ein. Wann es einen weiteren Zinsschritt gibt, ist ungewiss.

EZB könnte bald weniger locker werden

Anja Kohl
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Ausstieg wird für EZB zum Drahtseilakt

Derweil steht die Europäische Zentralbank (EZB) vor einer geldpolitischen Wende. Nach der letzten Ratssitzung kündigte Präsident Mario Draghi an, im Herbst über die Anleihenkäufe beraten zu wollen. An den Märkten wurde dies als Signal interpretiert, dass die europäischen Währungshüter bald weniger locker werden und das Anleihenkaufprogramm allmählich herunterfahren.

Die von Draghi geschürten Spekulationen trieben zuletzt den Euro massiv an. Hinzu kommen zwei weitere Gründe: die anziehende Konjunktur im Euroraum und die entwichene politische Unsicherheit. Die Wirtschaftsindikatoren haben sich zuletzt weiter aufgehellt, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Verbraucher und Unternehmen sind in guter Stimmung. Der IWF rechnet mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent in diesem Jahr in der Eurozone.

Politische Unsicherheit im Euro-Raum entwichen

Zudem beendete die Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten die lähmende politische Unsicherheit. "Die Befürchtungen, dass der Brexit in anderen EU-Staaten Nachahmer finden könnte, haben sich nicht bestätigt", sagt Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg. Ebenso wenig habe sich der Siegeszug der Populisten fortgesetzt. Seit der Frankreich-Wahl zog der Euro von 1,06 Dollar auf bis über 1,17 Dollar an.

"Dollar-Bullen kapitulieren"

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ARD-Börse: Schwacher Dollar - ein Problem für Europa?

Der starke Euro spiegle die guten Wirtschaftsaussichten in Europa wider, die viel besser als in den USA seien, meint Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. Denn das Wachstum in Europa sei nicht wie in den USA kreditgetrieben. Hellmeyer spricht von der "Kapitulation der Dollar-Bullen". Er rechnet mit einem weiteren Anstieg des Euro bis auf 1,18 Dollar. Danach werde die Gemeinschaftswährung bis auf 1,12 Dollar zurückfallen. Anfang des Jahres hatte sich der Euro noch in Richtung Parität zum Dollar genähert.

Die Euro-Stärke ist auch eine Dollar-Schwäche. Die schwindende Hoffnung auf eine radikale Steuerreform und ein gigantisches Infrastruktur-Programm in den USA unter Präsident Donald Trump haben zuletzt dem Greenback zugesetzt. "Die Trump-Euphorie ist in einen Trump-Blues umgeschlagen", schreibt die Landesbank Helaba.

Schweizer Franken fällt auf Zweieinhalb-Jahres-Tief

Auch gegenüber anderen Währungen zeigt der Euro inzwischen Stärke. Gegenüber dem Schweizer Franken wertet er zunehmend auf. Am Freitagmittag musste für einen Euro zeitweise 1,1379 Franken gezahlt werden - so viel wie noch nie seit der Aufhebung des Mindestkurses von 1,20 Franken Anfang 2015.

Die Talfahrt des Franken beschleunigte sich in den letzten Tagen überraschend. "Es gab keinen konkreten Treiber für die Kursbewegung", schrieb Experte Manuel Andersch von der BayernLB in einem aktuellen Kommentar. Es sei nicht auszuschließen, dass die Schweizerische Nationalbank mit kleineren Inventionen die Franken-Abschwächung zusätzlich befeuert habe. Kürzlich hatte Notenbank-Chef Thomas Jordan erneut in einem Interview erklärt, der Franken sei zu hoch bewertet.

nb