Ein-Dollarschein und Ein-Euro-Münze

Angst vor der Euro-Krise Der Fall des Euro geht weiter

Stand: 28.05.2018, 15:04 Uhr

Misstrauensvotum in Spanien, Hängepartie in Italien: Es gab schon mal bessere Zeiten für den Euro.

Der Euro seit einigen Wochen einen schweren Stand. Seit Mitte April geht es beständig abwärts. Zwar ist dies auch das umgekehrte Bild eines erstarkenden Dollar. Sei es nun die Konflikte mit Nordkorea, oder die Unsicherheit in der Türkei: Anleger griffen eher bei den als sicher geltenden US-Staatsanleihen zu, was den Dollar-Kurs stärkte. Aber zuletzt waren die Euro-Verluste auch hausgemacht. Vor allem mit Blick nach Italien.

Das Land ist groß genug und verschuldet genug, um eine neue Eurokrise auszulösen. Und die neue italienische Regierung ließ klar erkennen, dass sie trotz hoher Schulden weiter die Ausgaben steigern und die Steuern senken will. Das lastete zunehmend auf dem Kurs der europäischen Währung.

"Eine neue systemische Krise schien wieder vorstellbar", kommentierte Devisen-Analyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Vor allem am Freitag: In Italien ließen die Pläne der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtspopulistischen Lega die Bilanzreparatur heimischer Banken zunichte machen könnten. Und dann kam auch noch Spanien als Sorgenkind hinzu: Die Sozialisten reichten einen Misstrauensantrag gegen Ministerpräsident Mariano Rajoy ein.

Problem nur vertagt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1584
Differenz relativ
+0,02%

Heute machte die Euro-Talfahrt kurz Pause angesichts des gescheiterten Versuchs der Italiener, eine Regierung zu bilden. Doch dann machten Ökonomen klar: "Aus heutiger Sicht ist der Amtsantritt einer italienischen Regierung, die auf Konfrontationskurs zur EU geht und deren Regeln missachtet, nur aufgeschoben", so Commerzbank-Chefvolkswirt Ralph Solveen. Tatsächlich darf die rechtspopulistische Lega laut Umfragen bei Neuwahlen auf kräftige Stimmengewinne hoffen. Außerdem droht eine Verfassungskrise, weil die Fünf-Sterne-Bewegung ein Amtsenthebungsverfahren gegen Staatspräsident Mattarella einleiten will, da er die Regierungsbildung blockiert hat.

Der Euro verlor am Nachmittag weiter an Boden. Er sank bis auf 1,16 Dollar und war damit so schwach wie seit sechs Monaten nicht mehr. Da die Unsicherheit noch weiter anhält, lastet auf dem Euro eine schwere Bürde. Hinzu kommen Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung hierzulande, wie beispielsweise der Ifo signalisiert. Die Konjunktur in den USA überzeugt Investoren eher.

bs