Ein-Dollarschein und Ein-Euro-Münze

Fed signalisiert vorsichtigere Zinspolitik Das gibt dem Euro Kraft

Stand: 29.11.2018, 08:51 Uhr

Geht der Zinserhöhungszyklus in Amerika schon dem Ende zu? Solche Signale hat die US-Notenbank Fed gesendet. Das setzt dem Dollar zu, stärkt aber umgekehrt den Euro - und die Aktienkurse.

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Die amerikanische Notenbank hat an den Finanzmärkten einiges Gewicht. Jetzt hat ihr Chef Jerome Powell ein noch vorsichtigeres Vorgehen bei künftigen Leitzinserhöhung signalisiert. Zinsanlagen in den USA werden also tendenziell unattraktiver, weshalb der Dollar gestern Verluste verbuchte. Dem Euro verlieh das im Gegenzug Auftrieb - er legte einen Cent zu. Zudem reagierten die Aktienmärkte positiv, gelten doch Zinserhöhungen als Konjunkturkiller. In den USA schoss der Leitindex Dow Jones in die Höhe. Auch Anleger in Japan bewog Powells Rede zu Aktienkäufen. Der japanische Leitindes Nikkei legte deutlich zu.

Was hat Powell genau gesagt?

Powell hatte gestern gesagt, dass das aktuelle Zinsniveau in den USA liege nur leicht unter dem so genannten neutralen Zins. Bei dem neutralen Zinssatz wird die Konjunktur durch die Geldpolitik weder gebremst noch angeschoben, und die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass die Fed ihren Leitzins nicht über dieses Niveau hinaus anheben wird. Daher wurden Powells Worte entsprechend als Hinweis für ein langsameres Tempo bei künftigen Zinserhöhungen in den USA gedeutet.

Schließlich hatte Powell noch am 3. Oktober das Leitzinsniveau als weit von einem neutralen Niveau entfernt bezeichnet. Diese Veränderung im Wortlaut wird an den Finanzmärkten genauestens registriert, weil die Notenbank mit ihren Formulierungen die Finanzmärkte auf ihren künftigen Kurs vorsichtig vorbereitet.

Zinspause im nächsten Jahr?

"Wir wissen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen unserer Zinserhöhungen unsicher sind", sagte Powell weiter. Es könne bis zu einem Jahr oder mehr dauern, bis die Wirkungen sichtbar werden.

Beobachter halten eine Zinspause im kommenden Jahr nach den jüngsten Aussagen für möglich. Die Märkte gehen aber weiterhin fest von einer Leitzinsanhebung im Dezember aus. Dann dürfte der Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von dann 2,25 bis 2,5 Prozent steigen.

Die aktuelle Wirtschaftslage bewertet Powell weiterhin als sehr günstig. Er erwarte weiterhin ein "solides" Wirtschaftswachstum. Die Arbeitslosigkeit dürfte niedrig bleiben und die Inflationsrate in der Nähe von zwei Prozent verharren. Die Fed strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Im bisherigen Jahresverlauf hatte die Fed angesichts der starken Konjunktur bereits drei Mal den Leitzins angehoben.

bs