Münzen fallen von einem Münzstapel

Geldpolitik und Katalonien belasten Euro bleibt angezählt

Stand: 30.10.2017, 11:53 Uhr

Die Gemeinschaftswährung hat Ende Oktober einen schweren Stand. Der Trend scheint spätestens seit der vergangenen Woche gebrochen zu sein. Die Ursachen für die Euro-Schwäche sind vielfältig.

Gut zwei Cent tiefer notiert der Euro gegenüber dem US-Dollar im Vergleich zum Niveau der vergangenen Woche. Das Jahreshoch bei knapp 1,21 Dollar stammt vom 8. September, am 22. September notierte die Gemeinschaftswährung vorerst zu letzten Mal über der wichtigen Hürde von 1,20 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Mit 1,1633 Dollar hat sich der Euro zwar wieder vom Zwischentief von 1,1574 Dollar vom Freitag erholt. Doch dynamisch sieht die kleine Erholungsbewegung nicht aus, eher wie eine Konsolidierung auf dem weiteren Weg nach unten.

Achtung vor der Unterstützung

Charttechnisch versierte Analysten sehen die nächsten Unterstützungen an der Marke von 1,16 Dollar. Die Experten der DZ Bank verweisen auf einen möglichen Test der Marke von 1,1556 Dollar - hier liegt die unsere Trendlinie im neuen Abwärtskanal.

Der Devisenmarkt steht ingesamt weiter unter dem Eindruck der Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi vom Donnerstag. Die Notenbank wird ihre extrem lockere Geldpolitik nur langsam zurückfahren. Auch im kommenden Jahr werden Anleihen gekauft, dann aber nur noch im Volumen von 30 Milliarden Euro, statt bislang 60 Milliarden Euro monatlich. Für die Ankäufe der Wertpapiere setzte die EZB kein klares Enddatum.

"Erwartungsgemäß" oder "zu expansiv"

Über die Einordnung der EZB-Äußerungen sind sich Devisenexperten und Volkswirte nicht einig. So sieht etwa Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen einen "erwartungsgemäß sehr vorsichtigen" Ausstieg aus der Ära der ultralockeren Geldpolitik. Dagegen findet Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise die Maßnahmen nach wie vor "viel zu expansiv".

Die Teilnehmer am Devisenmarkt haben sich offenbar diesem Eindruck angeschlossen. Der Renditevorsprung des Dollars, der durch weitere Zinsschritte in den USA in den kommenden Monaten eher noch größer werden dürfte, sorgte für Umschichtungen in Richtung des "Greenback".

Katalonien nervt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
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Und nicht zuletzt mögen die großen Deviseninvestoren keine Unsicherheiten auf der politischen Ebene. Die zugespitzte Katalonien-Krise, in der sich Befürworter und Gegner der Abspaltung der spanischen Region unversöhnlich gegenüber stehen, ist ein solches Szenario.

Gut für Euro-Aktien...

Für den Aktienmarkt in Europa und besonders in Deutschland ist ein Euro im Rückwärtsgang durchaus positiv zu sehen. Die exportorientierten deutschen Konzerne können dann ihre Produkte tendenziell günstiger außerhalb des Euroraums anbieten.

... schlecht für Verbraucher

Für Verbraucher macht sich der fallende Euro mittelbar in zweierlei Hinsicht eher negativ bemerkbar. Die Spritpreise steigen mit einem schwächeren Euro an, denn der Rohölpreis wird in Dollar gerechnet. Und Urlaubsreisen in die USA oder andere Destinationen, deren Währung an den Dollar gekoppelt ist, werden teurer.

AB