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Strafft die EZB die Geldpolitik? Euro auf Dreijahreshoch

Stand: 12.01.2018, 11:29 Uhr

Was ist los am Devisenmarkt? Der Euro steigt und steigt. Am Freitag klettert die Gemeinschaftswährung auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Spekulationen über ein nahendes Ende der lockeren Geldpolitik in Europa und Fortschritte in Berlin beflügeln den Euro.

Meldungen über einen Durchbruch in den Sondierungen für eine große Regierungskoalition in Deutschland haben den Euro am Freitagvormittag weiter beflügelt. Erstmals seit 2015 kostete er wieder mehr als 1,21 Dollar. In der Spitze stieg er bis auf 1,2139 Dollar. Damit hat die europäische Gemeinschaftswährung seit Donnerstagmorgen gut zwei Cents zugelegt.

EZB-Protokoll treibt Euro kräftig an

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Am Donnerstagnachmittag hatte der Euro nach dem veröffentlichten EZB-Protokoll einen plötzlichen Riesensatz nach oben gemacht. Darin lieferte die Europäische Zentralbank Signale, die Erwartungen an einen Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik verstärkten. Auf der jüngsten Zinssitzung des EZB-Rats sei man sich einig gewesen, die Kommunikation zu ändern, falls sich das Wirtschaftswachstum und die Inflation wie erwartet entwickelten, hieß es im Protokoll der Sitzung.

"Der Markt interpretiert das so, dass die Notenbank den Wortlaut ihres Statements im Januar ändern könnte", sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. "Der Hinweis zur möglichen Aufstockung oder Verlängerung der Anleihekäufe könnte gestrichen werden." "Das Ende der lockeren Geldpolitik rückt näher und es kommt schneller als bislang gedacht", sagte Devisenhändler John Dolan von Fexco. Die nächsten Zinssitzungen der EZB sind am 25. Januar und am 8. März.

Endet das QE-Programm im Herbst?

Die EZB hatte zu Jahresbeginn ihre monatlichen Anleihekäufe auf 30 Milliarden Euro halbiert. Sie sollen bis mindestens September 2018 fortgesetzt werden. Offen ist jedoch noch, ob die EZB dann sofort aussteigt oder dies in kleinen Schritten tun wird.

Das Protokoll zeige, dass die EZB stärker auf das robuste Wachstum und weniger auf die noch schwächelnde Inflation schaue, kommentierte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING-Diba. Er erwarte jedoch kein abruptes Ende der Käufe im September. Es sei schließlich noch unsicher, ob das Wachstum zu einem nachhaltigen Erreichen des Inflationsziels führe.

Euro hat kaum noch Potenzial nach oben

Viele Marktstrategen und Devisenexperten halten das Potenzial des Euro inzwischen für ausgereizt. Sie rechnen damit, dass sich die Gemeinschaftswährung auf dem aktuellen Niveau bis Jahresende stabilisiert. Selbst die Optimisten der Citigroup sehen wenig Luft nach oben und erwarten den Euro bei 1,24 Dollar. Am meisten traut Deutsche-Bank-Devisenstratege George Saravelos dem Euro zu. Er prognostiziert bis Ende 2018 einen Anstieg auf 1,30 Dollar.

Allerdings sind die Vorhersagen der Auguren mit Vorsicht zu genießen. Im vergangenen Jahr prophezeiten die Analysten einen Kurs von 1,07 Dollar. Die Deutsche Bank glaubte gar an eine Parität des Euro zum Dollar. Tatsächlich zog der Euro kräftig an und gewann 15 Prozent gegenüber dem Greenback. Auch gegenüber den meisten anderen Währungen in der Welt wertete der Euro auf.

nb

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