Devisen

Sprung über 1,20 Dollar Euro auf dem Vormarsch

Stand: 01.09.2020, 15:50 Uhr

Die Gemeinschaftswährung steigt seit Wochen kontiuierlich gegenüber dem Dollar. Am Dienstag knackte der Euro erstmals seit Mai 2018 kurzzeitig die Marke von 1,20 Dollar. Für den Euro-Höhenflug gibt es mehrere Gründe.

Am Dienstagnachmittag kurz vor der Eröffnung der Wall Street kletterte der Euro auf 1,2011 Dollar. Danach rutschte er wieder unter die runde Marke. Am Montag hatte die EZB den Referenzkurs noch bei 1,1940 Dollar festgelegt.

Damit setzt der Euro den Höhenflug der vergangenen Monate fort. Nachdem der Kurs im März - also zu Beginn der Corona-Krise - bis auf 1,0636 Dollar gefallen war, geht es seit Mitte Mai stetig nach oben.

Dollar: Sicherer Hafen, oder nicht?

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
1,1861
Differenz relativ
+0,34%

Am Morgen waren gute Wirtschaftsdaten aus China eingetrudelt. "Eine deutliche positive Überraschung beim chinesischen Caixin Einkaufsmanagerindex sorgt für gute Stimmung am Markt", meint Esther Reichelt von der Commerzbank. "Der US-Dollar verhält sich also weiter wie ein sicherer Währungshafen und wertet im Zuge einer höheren Risikofreude ab."

Hätten nicht schwache Einkaufsmanagerdaten am Dienstag aus Spanien den Euro ein wenig ausgebremst, wäre die runde Marke von 1,20 Dollar wohl schon am Vormittag erreicht worden. Spanien wird gerade von einer zweiten Infektionswelle und den damit einhergehenden Reisewarnungen stark getroffen. Der Euro gab daraufhin einen Teil seiner vorherigen Gewinne ab.

Neue Fed-Strategie könnte Inflation in den USA anheizen

US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
104,70
Differenz relativ
-0,14%

Die Großwetterlage aber scheint für den Euro, vor allem aber gegen den Dollar zu sprechen. Mit ihrer Entscheidung, das Inflationsziel flexibel zu halten, dürfte die Fed noch länger an der Ultraniedrigzinspolitik festhalten. Die am vergangenen Donnerstag verkündeten Neuerungen könnten längerfristig zu einer höheren Inflation in den USA führen, meinen Beobachter. Dies dürfte tendenziell den Dollar belasten. Der "Greenback" hat nicht nur im Vergleich zum Euro, sondern zum Beispiel auch zum japanischen Yen an Wert verloren.

Vor der US-Wahl steuern die USA ohnehin auf eine Phase hoher Verunsicherung zu. Robert Halver, Marktstratege der Baader Bank, erwartet eine Schlammschlacht, die sogar die Rolle des Dollars als sicheren Hafen in der Finanzwelt gefährden könnte.

AB/ nb