Ausblick 2018 Euro/Dollar

Die meisten Experten prophezeien eine Aufwertung Euro 2018: Wohin geht die Reise?

Stand: 29.12.2017, 13:58 Uhr

Vor einem Jahr noch galt die Parität, also der Gleichstand von Euro und Dollar als ausgemachte Sache. Wie wir wissen, kam es anders. Der Euro erstarkte. Der Dollar ging in die Knie, es wurde sein schlechtestes Jahr seit 14 Jahren. Wie geht es 2018 weiter?

Die Auguren der Banken sehen den Euro 2018 weiter an Stärke gewinnen. Der Durchschnitt der Euro-Prognosen liegt bei 1,22 Dollar zum Ende nächsten Jahres, so die Auswertung der Finanzwebseite "About Pound Sterling Live". Allerdings klaffen die Prognosen deutlich auseinander.

Während ABN Amro einen Rückgang der europäischen Währung auf 1,15 Dollar bis zum Jahresende erwartet, sieht Société Générale den Euro bis auf 1,27 Dollar klettern.

Das Comeback des Jahres 2017

Aktuell weist die Richtung eher aufwärts. Die europäische Währung einen Lauf. Das ganze Jahr 2017 war bereits stark, der Euro gewann gegenüber dem Dollar 13 Prozent an Wert. Zwar erlitt die europäische Währung eine kleine herbstliche Schwäche, galt als angezählt, ganz unter dem Eindruck der Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi, der die extrem lockere Geldpolitik der EZB nur langsam zurückfahren wird. Der Renditevorsprung des Dollars, der durch weitere Zinsschritte in den USA in den kommenden Monaten eher noch größer werden dürfte, sorgte für Umschichtungen in Richtung des "Greenback".

Sprung über 1,20 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1416
Differenz relativ
+0,81%

Der sich eher ausweitende Zinsabstand spricht auch künftig generell eher für ein weiteres Erstarken des Dollar. Doch ganz anders präsentiert sich das aktuelle Bild. Der Euro klettert seit November wieder nach oben und überwand zum Jahresschluss die Marke von 1,20 Dollar.

Das mehrjährige Hoch, das der Euro im September bei 1,2092 Dollar erreichte, ist nicht mehr fern. Händler fürchten, dass dies ein Vorbote für 2018 sein könnte. Dann dürfte der Druck auf die EZB zunehmen, die Gelddruck-Maschine allmählich anzuhalten.

Wie viel ist schon "eingepreist"?

So dürfte der Zinsabstand eigentlich nur noch vorübergehende Auswirkungen haben. Das erklärt sich durch die Tatsache, dass sich beide Notenbanken in die gleiche Richtung bewegen, und ihre nächsten geldpolitischen Schritte von den Finanzmärkten weitgehend vorweg genommen wurden. "Die letztlich gleichgerichteten Geldpolitiken der Fed und der EZB dürften über das Jahr gesehen neutral auf den Euro-Dollar-Wechselkurs wirken", ist denn auch das Fazit der HSH Nordbank, die per Jahresende 2018 einen Kurs von 1,21 Dollar erwartet.

Unterschiedliches Tempo, gleiche Richtung
Die FedDie EZB
Der künftige Fed-Chef Jerome Powell will den Kurs seiner Vorgängerin Janet Yellen folgen. Das heißt: drei Zinsschritte 2018.Die EZB wird ab Januar ihr Anleiheankaufprogramm halbieren und voraussichtlich zum Jahresende 2018 beenden. Dann erst dürfte EZB-Chef Mario Draghi erste Signale zu einem Zeitplan für Leitzinserhöhungen senden.

Europa ist stärker als die USA

Die günstigen Aussichten für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone stützen aktuell den Euro. Die EZB sieht die Eurozone weiter auf Wachstumskurs. Der solide Wirtschaftsaufschwung in der Eurozone sollte sich weiterhin über Länder und Sektoren auf breiter Basis fortsetzen, hieß im Wirtschaftsbericht der Zentralbank. Heute untermauerten aktuelle Daten zur Kreditvergabe in der Eurozone das Bild. Die Zahl der Kredite an Unternehmen und private Haushalte wächst, was auf ein robusteres Wirtschaftswachstum hindeutet.

Marktbeobachter sprechen zudem von einer breitangelegten Dollar-Schwäche, die dem Euro im Gegenzug Auftrieb verleiht. Ein großes Risiko für den Dollar ist, dass der Rest der Welt einfach schneller wächst. Das schmälert die Attraktivität des Dollars und amerikanischer Vermögenswerte.

"Auch dank der Reformen in einstigen Krisenländern übertrifft die Eurozone mit ihrem Wachstum pro Kopf seit zwei Jahren sogar die USA", so Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Die gute Konjunktur könne noch mehrere Jahre anhalten. Die Eurozone sei flexibler als früher und Frankreich reformiere sich energisch, so Schmieding. Ein rasanter Anstieg des Euro-Kurses sei aber im kommenden Jahr nicht zu erwarten. Schließlich sei ein großer Teil der positiven Aussichten bereits in die Kurse eingepreist.

Verbundene Flaggen von USA und Europa

Europa wächst einfach schneller als die USA. | Bildquelle: colourbox.de

Zieht der Trump-Faktor?

Auf dem Dollar lastet laut Analysten zudem die schwache Inflation und die immer noch niedrige Inflationserwartung. Auch wenn allgemein erwartet wird, dass die US-Notenbank den Leitzins 2018 drei Mal erhöhen wird, niemand sieht die Zinsen auf alte Vorkrisenlevels steigen.

Trumps Steuerpläne hatten dem Dollar zwischenzeitlich Auftrieb gegeben. Denn niedrigere Steuersätze für Unternehmen könnten das Wachstum in der größten Volkswirtschaft der Welt anschieben und raschere Zinsanhebungen der US-Notenbank zur Folge haben. Doch nun gewinnen die Zweifel Oberhand, wie effektiv die Steuerreform überhaupt sein wird.

Die Prognosen

Die LBBW sieht aber erst einmal den Euro auf dem Rückmarsch. Obwohl die Kaufkraftparität aktuell für einen bis rund 1,27 Dollar steigenden Euro sprechen würde, erwartet sie bis Mitte kommenden Jahres einen Rückgang auf 1,12 Dollar. Die Zinsdifferenz würde sich am kurzen Ende sogar noch ausweiten, was es attraktiver mache, Geld in den USA anzulegen. Zudem sei die "Erleichterungsrally" nach der Wahl des französischen Präsidenten Macron zunächst beendet. Und dann droht ja noch Italien. Es stehen Neuwahlen an, und die europakritische Fünf-Sterne-Bewegung liegt in Umfragen vorn. Nicht gerade die besten Aussichten für den Euro - zumal der Katalonien-Konflikt noch längst nicht ausgestanden ist.

Die Commerzbank erwartet im kommenden Jahr ebenfalls ein Erstarken des Dollar und einen Eurokurs zum Jahresende von 1,12 Dollar. Denn obwohl die US-Notenbank für 2018 selbst drei Zinserhöhungen in Aussicht stelle, preise der Markt derzeit weniger ein. Die Essener Nationalbank prognostiziert sogar einen Euro-Rückgang bis auf 1,11 Dollar. Aus Sicht von Chefvolkswirt Jan Bottermann könnte der Dollar "vom zunehmenden Zinsvorsprung der US-Staatsanleihen immer stärker profitieren".

Dagegen sieht die Société Générale eine der höchsten 2018er Prognosen von 1,27 Dollar. Die US-Währung sei eine der am stärksten überbewerteten Währungen. Das werde durch die US-Steuerreform noch verstärkt.

bs