Türkische Lira-Scheine
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Schwiegersohn wird Finanzminister Erdogan: Zwei Tiefschläge gegen die Lira

Stand: 10.07.2018, 10:27 Uhr

Mit dem Devisenmarkt hat es sich der türkische Präsident gründlich verscherzt. Kurz nach seiner neuerlichen Vereidigung versetzte er der eigenen Währung gleich zwei Tiefschläge.

Dass Autokraten zur Vetternwirtschaft neigen, ist politischen Beobachtern bekannt. Dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan aber für das heikle Amt des Finanzministers ausgerechnet seinen Schwiegersohn Berat Albayrak bestimmt, hat die Finanzmärkte überrascht. Als Reaktion auf die Personalentscheidung am Montagabend verlor die türkische Lira heftig an Wert.

Notenbankchefs künftig allein vom Präsidenten bestimmt

Einen weiteren Tiefschlag gab es am Dienstagmorgen. Wie schon angekündigt, verstärkte Erdogan seinen Einfluss auf die Zentralbank. Er erließ ein Dekret, das ihn künftig ermächtigt, den Präsidenten und den Vizepräsidenten der Zentralbank zu ernennen. Außerdem wird die Amtszeit der beiden Notenbanker von fünf auf vier Jahre verkürzt. Bisher war es üblich, dass der Präsident gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten und dessen Stellvertreter den Notenbankchef ernannte.

Am Morgen wurde ein Euro zu 5,67 Lira gehandelt. Vor einem Jahr mussten für einen Euro nur etwas mehr als vier Lira gezahlt werden und 2013 nur etwa 2,50 Lira.

Die hohe Inflation des Landes von zuletzt über 15 Prozent setzt die türkische Notenbank unter Handlungsdruck. Vor seiner Wiederwahl hatte Erdogan mehrfach die Unabhängigkeit der türkischen Notenbank in Frage gestellt. Im Mai erklärte er, er werde höchstpersönlich für niedrigere Zinsen sorgen. Die Notenbank hatte dagegen zuletzt im Juni durch eine Leitzinserhöhung ihre Unabhängigkeit demonstriert, konnte den Verfall der Landeswährung aber nur kurzzeitig aufhalten.

rtr/dpa/la