Recep Tayyip Erdogan

Türkische Lira unter Druck Erdogan: "Geht und legt Euer Geld in Lira an"

Stand: 28.05.2018, 08:42 Uhr

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seine Landsleute dazu aufgerufen ihre Dollar- und Euro-Guthaben in Lira umzutauschen. Erdogan macht eine Verschwörung heimischer und ausländischer Finanzkräfte für den Sturz der Währung verantwortlich.

„Meine Brüder, die Dollar oder Euro unter ihren Kopfkissen haben, geht und legt euer Geld in Lira an. Wir werden zusammen diesen Komplott vereiteln“, hatte Erdogan am Samstag auf einer Wahlkundgebung in der osttürkischen Stadt Erzurum gesagt.

Erdogan sieht hinter dem Verfall der Lira und der hohen Inflation von mehr als zehn Prozent keine ökonomische Gründe, sondern eine Verschwörung heimischer und ausländischer Finanzkräfte, die die türkische Wirtschaft destabilisieren wollten und seine Abwahl befürworteten. Auch am Samstag drohte er, der Finanzsektor würde einen „hohen Preis“ bezahlen, wenn dieser Teil der „Manipulation“ der Märkte würde.

Zinserhöhung verpufft

Seit Jahresbeginn hat die Lira gegenüber dem Dollar und dem Euro mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Besonders dramatisch stürzte die Lira am vergangenen Mittwoch ab. Die Zentralbank beschloss daraufhin in einer Krisensitzung, den Leitzins anzuheben, um die Lira zu stützen. Die Währung gab aber am Tag darauf schon wieder nach. Am Sonntag war ein Euro rund 5,5 Lira wert.

Lesen Sie hier unsere Analyse über die Lage in der Türkei und über die Gründe für den Verfall der türkischen Währung.

Für Ökonomen klingt Erdogans Aufruf wie eine Verzweiflungstat. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sagte dem "Handelsblatt", die Ankündigung Erdogans, die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank aufzuheben und selbst deren Entscheidungen treffen zu wollen, sei "einer der zentralen Gründe für die Währungskrise der Türkei". Fratzscher fürchtet, dass immer mehr Türken das Land verlassen oder zumindest ihren Wohlstand außer Landes bringen werden. Vor allem viele türkische Unternehmer und Investoren hätten Vertrauen in Erdogans Wirtschaftspolitik verloren.

»Die türkische Währung wird ihren Fall fortsetzen, wenn die türkische Regierung ihre Manipulation der Wirtschaft fortsetzt, aber auch wenn sie die Demokratie und Menschenrechte weiterhin beschneidet.«

Marcel Fratzscher, DIW-Präsident

"Verzweiflungstat und kontraproduktiv"

Ifo-Präsident Clemens Fuest verwies darauf, 2017 habe die türkische Regierung mit extrem expansiver Konjunkturpolitik das Wirtschaftswachstum in der Türkei angeheizt, vor allem durch staatliche Kreditgarantien. "Nun bekommen die internationalen ebenso wie die heimischen Investoren kalte Füße und verkaufen Lira", sagte er dem Blatt: "Der Aufruf Erdogans an die eigenen Landsleute, Lira zu kaufen, ist eine Verzweiflungstat und eher kontraproduktiv." Er zeige nur, dass der Präsident offenbar einen weiteren Verfall der Währung befürchte.

rtr/dpa